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Jasper Morrison ist Personality of the Year

von Markus Schraml
Jasper Morrison Personality of the Year

Die Auszeichnung Personality of the Year, die im Rahmen des German Design Award verliehen wird, geht an Jasper Morrison. Der britische Designer gehört zu den bekanntesten und erfolgreichsten Gestaltern der Gegenwart. Mit Arbeiten für Marken wie Cappellini, Mattiazzi, Flos, Iittala, Emeco, Alessi, Rosenthal oder Vitra hat er sich im Lauf der Jahre ein einzigartiges Portfolio geschaffen, das durch reduzierte, unaufdringliche und bedingungslos nützliche Objekte glänzt. Ein besonderes Faible hat Morrison für Stühle. Die formale Auseinandersetzung mit dieser Produktkategorie betreibt er mit einer Tiefe, die einmalig ist. Deshalb kann der Brite ohne zu übertreiben als „Meister der Stühle“ bezeichnet werden. Die besondere Meisterschaft liegt darin, dass Morrison stets versucht, das Besondere im Alltäglichen zu entdecken und offenzulegen. Seine Designs werden vor allem auch in Japan geschätzt. So hat er Möbel, Tisch- und Küchenwaren für Muji, Ando, Oigen, Maruni und Nikko gestaltet. Weitere berufliche Standbeine sind seine Entwicklungen im Consumer Electronics Bereich für Punkt (Schweiz), Samsung oder Olivetti und seine Interieurs sowie seine Arbeiten in öffentlichen Räumen. 1959 in London geboren, führt Morrison seit 1986 seiner eigenes Studio. Seine ersten Designs schuf er für Aram und SCP in London, Neotu in Paris, FSB in Deutschland sowie Cappellini in Italien. Die Kooperation mit Vitra begann im Jahr 1989 mit der Ausstellung „Some New Items for the Home, Part II“ in Mailand. Ab 1994 beriet Morrison Üstra, die Hannover Verkehrsbetriebe, für die er zuerst eine Busstation gestaltete und dann die neue Straßenbahn der Stadt. Mitte der 90er kamen immer mehr Aufträge von bekannten Unternehmen wie Alessi, Magis oder Rosenthal. In den 2000er Jahren folgten Muji, Samsung, Ideal Standard und Established & Sons. Seit 2010 kooperiert das Studio Jasper Morrison Ltd. mit spanischen Unternehmen wie Camper, Kettal und Andreu World sowie US-Firmen wie Maharam und Emeco. Das Studio betreibt derzeit Büros in London, Tokio und Paris.

Andrej Kupetz, Hauptgeschäftsführer des Rat für Formgebung hat Jasper Morrison aus Anlass der Auszeichnung interviewt. Auf die Frage, ob Möbel den Schwerpunkt des Studios auch heute noch ausmachen würden, antwortete Morrison: „Ich würde noch weiter gehen und sagen, dass wir uns hauptsächlich auf das Design von Stühlen konzentrieren. Aber natürlich entwerfen wir auch viele andere Dinge. Im Laufe der Jahre haben wir viele Stühle entworfen. Irgendwann begriffen wir den Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Stuhl. Darüber hinaus ist das Betrachten und Entwerfen von Stühlen ein Teil meines Lebens geworden. Üblicherweise arbeiten wir im Studio an mindestens fünf Stuhlprojekten gleichzeitig.“ Jasper Morrison vertritt einen Designansatz, den man mit Wörtern wie zurückhaltend oder uneitel beschreiben könnte. Dennoch hat er nicht wenige Objekte gestaltet, die heute Designikonen sind. „Auf meinem Weg half mir die Erkenntnis, dass viele anonym designte Objekte besser sind als die Werke von Profis. Ich glaube, der Unterschied liegt im kreativen Ich, das bei Designern, die ihre Entwürfe unter eigenem Namen vermarkten, umso größer zu sein scheint. Wenn man es schafft, sich von diesem Ich zu befreien, ist das Objekt sich selbst überlassen. Damit besteht die Chance, es wettbewerbsfähiger zu gestalten und bereits Vorhandenes zu verbessern“, erklärt Morrison. Die größte Inspiration für ihn sei, die „Idee, die Atmosphäre des Alltags zu verbessern.“ Dieser Gedanke führte auch zum Begriff „supernormal“, den Morrison gemeinsam mit dem japanischen Designer Naoto Fukasawa kreiert hat. „Ein supernormales Objekt kann diskret sein und bleibt dennoch nicht unbemerkt oder unbeachtet. Das beste Ergebnis wird durch das beste Design erzielt, nicht durch ein mittelmäßiges Design, das dann an die Wünsche des Marketingteams angepasst werden kann. Ich bestreite nicht, dass Marketing eine Rolle spielt, aber sein Input sollte eher beratend und unterstützend als verzerrend sein“, meint Morrison.

[perfectpullquote align=”full” bordertop=”false” cite=”” link=”” color=”” class=”” size=””]Die Missachtung der Wahrheit ist zur Routine bei der Erreichung politischer und wirtschaftlicher Ziele geworden. Der Designer ist der Hüter einer wahrheitsgemäßen physischen Umgebung. Jasper Morrison[/perfectpullquote]

Designern wird eine entscheidende Rolle bei der sinnvollen Gestaltung der Zukunft und notwendigen Veränderungen in den Produktionsweisen sowie dem Verbrauch von Ressourcen zugeschrieben. Jasper Morrison sieht Handlungsbedarf in Bezug auf die drängendsten Zukunftsfragen bereits jetzt gekommen: „Als Designer sollte man nutzlose und unethische Projekte vermeiden, keine Materialien verschwenden, Dinge entwerfen, die sowohl physisch als auch visuell eine lange Lebensdauer haben, und die Umweltauswirkungen seines Entwurfs berücksichtigen. Es ist durchaus verständlich, dass Kunststoff für die globalen Umweltprobleme verantwortlich gemacht wird. Aber man sollte Folgendes bedenken: Kunststoff, der für Stühle mit einer Nutzungsdauer von 30 Jahren oder mehr verwendet und dann recycelt wird, hat möglicherweise geringere ökologische Auswirkungen als andere Materialien. Die von Kunststoff verursachten Umweltprobleme gehen hauptsächlich auf Einwegverpackungen und die kurzlebige Modeindustrie zurück … Sowohl für den Designer als auch für den Entscheidungsprozess der Verbraucher wäre ein besseres Verständnis der Problemursachen und Möglichkeiten zur Verbesserung der Situation wichtig“, sagt Morrison. Sein Wort in des Menschen Ohr.

Die Gewinner des German Design Award 2020 werden im Rahmen der feierlichen Preisverleihung am 07. Februar 2020, am Eröffnungstag der Messe Ambiente, in Frankfurt am Main geehrt.


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