Home Architecture Leben im Weltraum – Visionen des „Outer Space“

Leben im Weltraum – Visionen des „Outer Space“

von Markus Schraml
Oracle, 1st Prize Outer Space

Die Onlineplattform für Architektur Blank Space hat die Gewinner des zweiten jährlichen Wettbewerbs „Outer Space“ bekannt gegeben. Ziel dieses Wettbewerbs war es, Architekt*innen und Designer*innen zu ermutigen, wissenschaftliche Fortschritte in den Bereichen Robotik, KI, Raketentechnik und autonome Raumfahrzeuge zu nutzen, um Visionen für das Leben im Weltraum in naher Zukunft zu entwickeln. Die Gewinner wurden von einer Jury aus Architekt*innen, Designer*innen und Wissenschaftler*innen ausgewählt, darunter Anastasia Prosina (Stellar Amenities), Fred Scharmen (Working Group Adaptive Systems) und Katherine Guimapang (Architektin).

„Die besten Beiträge des Wettbewerbs Outer Space 2020 schafften es, über die selbst kreierten künstlichen Welten hinauszudenken. Oracle und andere beschäftigten sich auch mit Fragen, die über das rein technische hinausgehen: Was motiviert die Menschen überhaupt dazu, neue Räume zu schaffen und zu besuchen? Das erinnert uns daran, dass das Wie manchmal viel einfacher ist als das Warum“, sagt Jurymitglied Scharmen. Die Beiträge der Gewinner verpackten ihre Visionen in zum Teil literarisch hochwertige Erzählungen und schufen dazu überzeugende Bilder von Architekturen in der Schwerelosigkeit. Neben vielen dystopischen Szenarien werden in manchen ausgezeichneten Einreichungen (darunter 10 Honorable Mentions) auch optimistische Töne angeschlagen.

Die drei Preisträger heißen Wei Wu und Zhenyu Yang mit ihrem Vorschlag „Oracle“ (1. Preis), Thanat Prathnadi und Joana Vilaça mit „Node 1“ (2. Preis) sowie Therese Leick und Wilhelm Scheruebl (TAB Collective) mit „The Garbage Man“ (3. Preis). „Oracle“ führt ins Jahr 2442, eine Zeit, in der die Menschen nicht mehr arbeiten müssen und alle Güter automatisch produziert werden. Die über riesige Netzinfrastrukturen genutzte Geothermie ermöglicht effizienten Transport und Energieumwandlung. Diese bahnbrechende Technologie wurde auch auf andere Planeten exportiert. Das erlaubte den Menschen eine Art Nomadenleben zu führen und von Planet zu Planet zu reisen. Wei Wu und Zhenyzu Yang sehen darin die wirkliche Freiheit. Allerdings ist die Menschheit in dieser Welt ohne Arbeit von Langeweile, Depression und hohen Selbstmordraten betroffen. Der Protagonist kommuniziert ausschließlich mit einer KI und reist sein Leben lang auf einem Raumschiff durchs All, um Antworten beim „Oracle“ zu finden und der Langeweile zu entkommen. Letztlich ist die einzige Antwort, die dem Leser gegeben wird, dass die Reise selbst das Ziel, also die Antwort ist.

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2. Preis für „Node 1“

Thanat Prathnadi und Joana Vilaça haben mit ihrem Projekt „Node 1“ etwas sehr viel Konkretes im Sinn. Sie wollen einen Rechtsrahmen für Weltraumaktivitäten vor allem im niederen Erdorbit schaffen. Die dafür zuständige Regulierungsstelle würde direkt im Weltraum stationiert sein. Prathnadi und Vilaça sehen den Erdorbit durch vermehrte private Aktivitäten wie dem Starlink-Projekt von Elon Musk, der 42.000 Satelliten für sein Internet aus dem All genau dorthin bringen will, in Gefahr. In gar nicht mehr so ferner Zukunft würde der niedere Erdorbit völlig überfüllt sein und nicht nur Astronomen das Leben schwer machen, sondern auch Tieren, die nach Sternen navigieren. Um dies zu verhindern, braucht es Regularien für den Weltraum. Die Visualisierungen zeigen den spekulativen „Node 1“-Weltraumhafen, der als autarke Regulierungsbehörde für alle Weltraumaktivitäten fungiert. Außerdem könnten hier Raumschiffe hergestellt, gewartet und recycelt werden. Das Problem des Weltraummülls könnte von dieser Station aus gemanagt werden. Zudem wird in diesem Vorschlag ein ziviles Datenspeichernetzwerk im mittleren Erdorbit angedacht, das derzeitige Rechenzentren auf der Erde durch eine nachhaltigere und für alle kostenlose Lösung ersetzen könnte. Die notwendigen Materialien für diese Station sollen durch Abbau auf Asteroiden beschafft und im All verarbeitet werden, um keine Ressourcen von der Erde zu verbrauchen. Die Architektursprache dieses Weltraumhafens ist von irdischen Raffinerien, Lagerhäusern und Hafenstädten inspiriert. Die Struktur ähnelt dem Aufbau eines Computerchips, in dem alle Komponenten so angeordnet sind, dass sie gut zusammenarbeiten können.

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3. Preis für „The Garbage Man“

Auch bei den Gewinnern des 3. Preises, Therese Leick und Wilhelm Scheruebl von TAB Collective geht es um Weltraummüll – und zwar ganz explizit. „The Garbage Man“ erzählt die Geschichte eines Müllmanns im Weltraum, der passionierter Sammler von Weltraum-Artefakten ist, Hinterlassenschaften von früheren Weltraummissionen. Mittlerweile wurde der Mars besiedelt und die Erde versinkt im Müll, weshalb die Menschen sie verlassen. So groß die Begeisterung des Müllmanns für das Sammeln ist, so frustriert zeigt er sich über die Unverantwortlichkeit der Menschen, die, nachdem sie die Erde komplett vermüllt haben, auch den Weltraum nicht damit verschonen. Sowohl in der Arbeit von TAB Collective als auch bei Prathnadi und Vilaça kommt der Wunsch zum Ausdruck, dass der Weltraum von wirtschaftlichen und politischen Interessen verschont bleiben möge.

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Alle Gewinner sowie Honorable Mentions und weitere Spitzen-Beiträge werden in einer Publikation erscheinen. Der Erlös aus der auf 250 Exemplare limitierten Veröffentlichung soll an den Children’s Scholarship Fund Philadelphia gespendet werden, dessen Aufgabe es ist, die Bildungschancen für Schüler aus Familien mit niedrigem Einkommen in Philadelphia zu verbessern, indem die Studiengebühren mitfinanziert werden.


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