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Marina Tabassum gewinnt Lifetime Achievement Award der Triennale Lissabon

von Sebastian Zerlach
Marina Tabassum © Sounak Das, Lisbon Architecture Triennale

Von der Architekturtriennale von Lissabon erhält Marina Tabassum den Lifetime Achievement Award. Die Architektin, Forscherin und Pädagogin aus Bangladesch ist ein leuchtendes Beispiel dafür, wie die Zusammenarbeit von Architekten mit lokalen Gemeinschaften einen positiven Einfluss haben kann – überall auf der Welt und selbst unter widrigsten Bedingungen, meint die internationale Jury. Tabassums Arbeit zeige ein tiefes Verständnis für die soziale und kulturelle Rolle der Architektur, wobei sie besonderes Augenmerk darauf lege, bei jedem Projekt ein kollektives Zusammengehörigkeitsgefühl aufzubauen.

Außerdem betont die Jury, dass die Arbeit der Architektin die spirituellen Grundlagen der Architektur berührt, ohne ihre Verantwortlichkeiten und potenziellen Auswirkungen aus den Augen zu verlieren. „Ihre Projekte demonstrieren sowohl eine starke, klare ethische Position als auch ein filigranes, anspruchsvolles Design, das selbst bei begrenzten Ressourcen und Budgetbeschränkungen kompromisslos innovativ ist“, schreibt die Jury. Tabassum sei immer angetrieben von spezifischen kulturellen und geografischen Kontexten und ihre Arbeit befasse sich mit drängenden zeitgenössischen Problemen, wobei sie besonders auf lokale Gemeinschaften und ihre Umgebung sowie Geschichte achtet.

„Marina Tabassums mutiger Schritt nach vorne, die Rolle der Architektur von einem passiven Auftragsmodell in ein aktives Initiativmodell zu verwandeln, zeigt uns immer wieder den Weg, wie Architekten der Klimakrise begegnen und auf experimentelle, respektvolle und inspirierende Weise soziale Veränderungen herbeiführen können“, heißt es in der Jurybegründung weiter.

Tabassum in Lissabon

Während der Eröffnungstage der Triennale von Lissabon (29. September – 5. Dezember 2022), die diesmal unter dem Titel „Terra“ läuft, wird Marina Tabassum anwesend sein, um den Award für ihr Lebenswerk entgegenzunehmen. Der Preis kommt in Form eines Originalkunstwerks des portugiesischen Künstlers und Bildhauers Carlos Nogueira. Am 30. September bringt eine Reihe von Konferenzen die Gewinner aller drei Millennium bcp Awards der Triennale zusammen (Lifetime Achievement, Début und Universities). Interessierten bietet sich dabei die Gelegenheit, von Tabassums Vision für eine gemeinsame Zukunft zu lernen.

Marina Tabassum ist die erste Architektin aus dem globalen Süden, die diese Auszeichnung erhält. Frühere Preisträger sind Denise Scott-Brown aus den USA (ausgezeichnet 2019), das französische Duo Lacaton & Vassal (2016), Kenneth Frampton (Großbritannien, 2013), Álvaro Siza aus Portugal (2010) sowie der Italiener Vittorio Gregotti (2007).

Auswahlprozess

Dieser Award wird nach einem unabhängigen Auswahlverfahren vergeben, das zwei verschiedene Phasen durchläuft. In der ersten Phase werden über 30 international führende Persönlichkeiten der Architektur von der Triennale eingeladen, bis zu drei Namen zu nominieren, die sie für den Preis als würdig erachten. Die daraus resultierende Liste wird der für die endgültige Entscheidung zuständigen Jury vorgelegt, der die Generalkuratoren der Triennale 2022 sowie drei weitere Persönlichkeiten aus dem Senegal, Israel und China angehören.

Architektur in Lissabon

Die Architekturtriennale von Lissabon ist eine gemeinnützige Organisation, deren Aufgabe es ist, das Denken und Handeln in der Architektur zu untersuchen, anzuregen und zu fördern. Die Triennale startet regelmäßig verschiedene Initiativen und organisiert alle drei Jahre ein großes Forum für Debatten und Reflexionen, das Disziplinen und geografische Grenzen überschreitet.


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