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Mecanoo gewinnen European Prize for Architecture 2021

von Markus Schraml
© Mecanoo

Francine Houben und Dick van Gameren vom niederländischen Architekturbüro Mecanoo wird die höchste europäische Ehre für Architekt*innen zu Teil. Die beiden bekommen den European Prize for Architecture 2021, der vom The European Centre for Architecture Art Design and Urban Studies und dem The Chicago Athenaeum: Museum of Architecture and Design verliehen wird.

„Als eines der kreativsten und modernsten Büros Europas hat Mecanoo einzigartige Lösungen für unterschiedlichste Situationen entwickelt, in denen die Disziplinen Architektur, Stadtplanung, Landschaft und Interieur auf nicht-traditionelle Weise kombiniert werden“, sagt Christian Narkiewicz-Laine, Museumspräsident des Chicago Athenaeum.

Mecanoo wurde 1984 von Francine Houben in Delft gegründet und besteht aus einem multidisziplinären Team von Kreativen aus 25 Ländern. Dazu gehören Architekt*innen, Ingenieur*innen, Innenarchitekt*innen, Stadtplaner*innen, Landschaftsarchitekt*innen und Architekturtechniker*innen sowie Hilfskräfte. Mit Büros in Delft, New York und Kaohsiung (Taiwan) verfolgt das globale Unternehmen konsequent das Ziel, höchste architektonische Qualität für den jeweiligen Standort zu schaffen. Es geht darum, Gebäude zu bauen, die die Menschen auch wirklich nutzen wollen.

National Kaohsiung Center for the Arts – Mecanoo. (2018-2024) © Iwan Baan

Mensch, Ort, Zweck

In jedes Projekt fließen die Wünsche des Kunden genauso ein wie die Bedürfnisse der späteren Nutzer*innen. Dabei spielen der physische Kontext, Klima, Kultur sowie das aktuelle und prognostizierte Potenzial der Gebäudefunktionen die wichtigsten Rollen. „Sie haben im Laufe der Jahre gelernt, dass sich Funktionen unweigerlich ändern und ein erstaunliches Maß an gestalterischer Flexibilität und hohem ästhetischem Geschick erfordern, um Gebäude zu schaffen, die auf unvorhersehbare Veränderungen vorbereitet sind“, sagt Narkiewicz-Laine. „Ihre Projekte sind nie demonstrativ oder wollen imponieren, sondern sie sind etwas Vertrautes, Nützliches und Schönes mit der Fähigkeit, das Leben, das darin stattfindet, leise zu unterstützen.“

LocHal Library, eine weltklasse Bibliothek für Tilburg. © Mecanoo

Die besten europäischen Architekt*innen

Der European Prize for Architecture soll für die Ausgezeichneten ein Ansporn sein, neue Herausforderungen anzunehmen. Er soll zukunftsorientiertes Denken in Bezug auf Gebäude und Umwelt fördern. Dieser Preis würdigt das Engagement der besten europäischen Architekt*innen, die einen kritischen, künstlerischen Ansatz bei der Gestaltung von Gebäuden und Städten verfolgen. Zu den bisherigen Preisträgern zählen: Bjarke Ingels (Dänemark), Graft Architects (Deutschland), TYIN Architects (Norwegen), Marco Casagrande (Finnland), Alessandro Mendini (Italien), Santiago Calatrava (Spanien/Schweiz), LAVA Laboratory for Visionary Architecture (Deutschland), Manuelle Gautrand (Frankreich), Sergei Tchoban (Russland/Deutschland) und Henning Larsen Architects (Dänemark). Letztes Jahr ging der europäische Architekturpreis an den Österreicher Wolfgang Tschapeller.

A Legacy of Mies and King – Renovating the Public Library of Washington DC © Mecanoo

Francine Houben

Francine Houben wurde 1955 in den Niederlanden geboren und ist Creative Director des von ihr gegründeten Büros Mecanoo. 2001 veröffentlichte sie ihr wegweisendes Manifest über Architektur: Composition, Contrast, Complexity. 2003 wurde sie als Kuratorin der First International Architecture Biennale Rotterdam einem größeren Publikumskreis bekannt. 2010 wurde Houben die lebenslange Mitgliedschaft in der Akademie der Künste, Abteilung Architektur, in Berlin verliehen. Sie war Professorin für Mobilitätsästhetik an der Technischen Universität Delft und lehrte an den Universitäten Harvard und Yale. Sie ist Ehrendoktor der Universität Utrecht und der Université de Mons. Houben ist außerdem Ehrenmitglied des Royal Institute of British Architects (RIBA), des American Institute of Architects (AIA) und des Royal Architectural Institute of Canada (RAIC).

2015 veröffentlichte Francine Houben People Place Purpose, das die spezifische Architektur von Mecanoo beschreibt und die Art und Weise veranschaulicht, wie sie in einer globalen Welt nach Identität suchen. Von der Textur eines lokalen Steins über die Farben eines Obstbaums bis hin zu den Ritualen der Bewohner*innen.

Francine Houben und Dick van Gameren © Mecanoo Architects

Dick van Gameren

Dick van Gameren schloss sein Studium an der Technischen Universität Delft 1988 mit Auszeichnung ab und kam kurz darauf für einige Zeit zu Mecanoo. 2013 kehrte er als Partner zurück. Er gewann den Archiprix (1989), die International European II Competition (1991) und den Charlotte-Köhler-Preises der Prinz-Bernhard-Stiftung (1995). Neben der praktischen Arbeit als Architekt hat Van Gameren auch eine Professur an der Technischen Universität Delft inne. In seinen regelmäßigen Vorträgen vertritt er einen kritischen Zugang zur Architektur. Diese Einstellung wird auch in seiner Rolle bei Mecanoo spürbar. Sein Entwurf für eine radikale, nachhaltige Renovierung einer Villa in der Nähe von Naarden (NL) wurde 2012 mit dem BNA Building of the Year Award ausgezeichnet und sein Projekt für die niederländische Botschaft in Äthiopien gewann 2007 den renommierten Aga Khan Award.

Mecanoo ist vor allem für die Gestaltung von Bibliotheken bekannt, allerdings umfasst das Portfolio des Büros auch zahlreiche andere Bildungsgebäude, Wohngebäude sowie kulturelle und private Einrichtungen. Von einem Büro, das in einer Ära der Stadterneuerung mit der Planung von Sozialwohnungen begann, hat sich Mecanoo zu einem internationalen Unternehmen entwickelt, das weltweit für Projekte wie der Library of Birmingham (2013), der Bibliothek der Delft University of Technology (1993-1998), das La Llotja Theatre and Conference Center in Lerida, Spanien (2004-2010) oder die New York Public Library gefeiert wird.

FiftyTwoDegrees

FiftyTwoDegrees in Nijmegen, Niederlande (2004-2007), eines der ersten Schlüsselprojekte des Unternehmens, das dem Büro zu internationalem Ruhm verhalf, ist ein 86 Meter hoher Turm, der sich gewagt aus einer geneigten Grasebene erhebt. Die unteren acht Stockwerke des 17-stöckigen Gebäudes neigen sich dramatisch im Zehn-Grad-Winkel. Der gebogene Turm ruht dabei auf dem Untergeschoss, das die Plaza und das Parkhaus umfasst. FiftyTwoDegrees wurde 2009 mit dem International Architecture Award des Chicago Athenaeum ausgezeichnet.

FiftyTwoDegrees in Nijmegen, Niederlande (2004-2007) © Mecanoo

Library of Birmingham

Die Library of Birmingham wurde 2013 fertiggestellt und ist eines der profiliertesten Projekte in Großbritannien, das in den ersten drei Monaten eine Million Besucher*innen begrüßen konnte. „Ich bin sehr stolz darauf, in Großbritannien weitere Projekte mit ‚holländischem Touch‘ gestalten zu können. Ich glaube fest daran, dass es in der Architektur um Teamwork geht, darum, visionär und unterstützend zugleich zu sein. Frauen können das besonders gut“, sagt Houben. Die Library of Birmingham wurde 2015 mit dem International Architecture Award des Chicago Athenaeum ausgezeichnet.

The Stavros Niarchos Foundation Library (2021) ist New Yorks neue Zentralbibliothek und das neueste Projekt von Mecanoo, das in Zusammenarbeit mit Beyer Blinder Belle Architects & Planners entworfen wurde. Das 300-Millionen-Dollar-Projekt ist eine Renovierung des bestehenden Gebäudes, das 1911 von Carrère & Hastings als Kaufhaus im Beaux-Art-Stil erbaut wurde.

„Für ihre integre Herangehensweise an die Gebäude von Mecanoo sowie die Art und Weise, wie sie ihre Arbeit durchführen und ihre verantwortungsvolle Haltung gegenüber der Umwelt, ihre Fähigkeit, kosmopolitisch zu sein und gleichzeitig die Einzigartigkeit jedes Ortes zu berücksichtigen, an dem sie arbeiten, aus all diesen und weiteren Gründen werden Francine Houben und Dick van Gameren mit dem Europäischen Architekturpreis 2021 ausgezeichnet“, fasst Narkiewicz-Laine zusammen.

Francine Houben und Dick van Gameren sind die 15. und 16. Preisträger*innen des Europäischen Architekturpreises. Die Gala Dinner Award Ceremony finden am 10. September am Fuße der Akropolis in Athen statt.

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