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Museumszeit Oktober 2019

Museumszeit: Alessandro Mendini, Schmuckszene Wien und Norwegen in Frankfurt

In den letzten Monaten des Jahres nimmt die Ausstellungstätigkeit in Europa noch einmal Fahrt auf. Im Oktober starten einige sehenswerte Schauen in Holland, Deutschland, Italien und Österreich. Auf der kleinen Alpenrepublik liegt auch der Fokus unseres aktuellen Ausstellungsrundganges. Wir beginnen jedoch im niederländischen Groningen.

Architekt Alessandro Mendini (1931 – 2019) hat dem Groninger Museum vor 25 Jahren ein neues, sehr außergewöhnliches Gebäude geschenkt. Aus diesem Anlass widmet das Museum dem italienischen Architekten eine große Ausstellung. Vor über zwei Jahren gab das Museum Mendini völlige Freiheit, um eine Ausstellung über seine Arbeit zusammenzustellen. Er war begeistert von der Idee, in seinem eigenen Gebäude eine Schau über sich selbst zu zeigen. Mendini wählte aber nicht nur eigene Exponate aus, sondern auch Stücke von Arbeiten, die ihn inspirierten, wie von Oskar Schlemmer, Henri Matisse, Gerrit Rietveld oder Gio Ponti und Michele De Lucchi. Die Ausstellung versammelt insgesamt 200 sehr unterschiedliche Objekte – von Schmuckstücken über Architekturmodelle bis hin zu Haushaltsgegenständen und großen Skulpturen. Die Auswahl entspricht ganz dem vielseitigen Charakter des Kreativen, der keinen hierarchischen Unterschied zwischen Architektur, autonomer Kunst und Design machte und damit zu einer der schillerndsten Figuren des Postmodernismus wurde. Seine Designs sind bunt, dekorativ und oft ungewöhnlich in der Form. Das Spiel mit der Fantasie übertrumpft die Anforderungen der Funktionalität. Über seinen gestalterischen Zugang sagte Mendini: „Meine Arbeit ist wie ein Roman, in dem Ernsthaftigkeit, Schmerz, Komödie und Poesie Seite an Seite existieren. Meine Objekte sind darin die tragikomischen Charaktere.“ Mendini konnte die Auswahl für seine Ausstellung noch kurz vor seinem Tod abschließen. Somit ist diese Schau ein ausdrucksstarker Nachruf aus eigener Hand. Mondo Mendini – The World of Alessandro Mendini. 12. Oktober 2019 – 5. Mai 2020 im Groninger Museum.

Nach dem Mauerfall

Am 26. Oktober eröffnet das Vitra Schaudepot seine Pforten und präsentiert After the Wall. Design seit 1989. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Objekte aus der Sammlung des Vitra Design Museums, die in den letzten 30 Jahren entstanden sind. Kuratorin Erika Pinner will zeigen, wie sich gesellschaftspolitische Umbrüche und die technologische Weiterentwicklung im Design widerspiegeln. In der Schau werden Schlüsselwerke von Jasper Morrison, Philippe Starck oder Hella Jongerius gezeigt, die bestimmte Positionen in der Designgeschichte repräsentieren. Der Siegeszug des Internets hatte in den 90er Jahren enormen Einfluss auf die Informationsvermittlung und -verteilung. Diese Entwicklung erfuhr mit dem ersten iPhone (2007) einen weiteren Schub und veränderte die Art, wie wir kommunizieren radikal. Die Gestaltung von digitalen Oberflächen erweiterte das Arbeitsfeld für Designer*innen. Im Möbeldesign waren die 90er Jahre von Reduktion und Einfachheit geprägt. Ab den 2000er Jahren hielten digitale Fertigungsmethoden und das 3D-Drucken Einzug. Dadurch wurde das Erstellen von Prototypen enorm beschleunigt. Eine Einladung zum Experimentieren. Das Thema Nachhaltigkeit beginnt zu dieser Zeit bei Designer*innen immer wichtiger zu werden. Die Ausstellung zeigt den Stuhl „111 Navy Chair“ (2010) von Emeco, der aus 111 recycelten PET-Flaschen besteht. Oder die „Relumine“-Reihe (2010) des Wiener Designstudios mischer´traxler, in der existierende Leuchten überarbeitet, mit energiesparenden Leuchtmitteln ausgestattet werden und so in den Kreislauf zurückkehren können – und zwar als begehrenswerte Designobjekte. Designer*innen werden von gesellschaftlichen Entwicklungen und vom Zustand der Welt in ihrer Arbeit beeinflusst, gleichzeitig bestimmen sie durch ihre Gestaltungen Veränderungen mit. After the Wall. Design seit 1989. 26. Oktober 2019 – 23. Februar 2020. Vitra Schaudepot.

Krieg und Architektur

Die Ausstellung Kalter Krieg und Architektur im Architekturzentrum Wien zeigt das Baugeschehen im Nachkriegs-Österreich sowie dessen Akteur*innen und Debatten erstmals im Kontext des globalen Ost-West-Konflikts. Kuratorin Monika Platzer sieht in der zehnjährigen Besatzungszeit einen Übergang von einem autoritären Herrschaftssystem zu einer demokratischen Konsumgesellschaft. Erstmals werde gezeigt „wie maßgeblich die Kulturarbeit der Alliierten die österreichische Nachkriegsarchitektur beeinflusste.“ Und Direktorin Angelika Fitz meint: „Die Ausstellung verändert den Blick auf die österreichische und die globale Architekturgeschichte.“ Tatsächlich war das Nachkriegs-Österreich kein düsteres, von der Außenwelt abgeschnittenes Land, sondern man konnte (in Wien) Le Corbusier live erleben oder das „Zimmer für Stalin“ besichtigen. Diese Beispiele zeigen, der alliierte Kulturauftrag war stark ideologisch geprägt. Österreich befand sich im Zentrum des Kalten Krieges. Zur Ausstellung erscheint bei Park Books eine gleichnamige Publikation. Im Jänner findet ein Symposium unter dem Titel „Cold Transfer“ im Architekturzentrum statt. Kalter Krieg und Architektur. Beiträge zur Demokratisierung Österreichs nach 1945. 17. Oktober 2019 – 24. Februar 2020, Ausstellungshalle 2, Architekturzentrum Wien.

 

Schmuckszene Wien

Unter dem Titel Dekadent findet zum 10-jährigen Jubiläum des Abendkollegs SchmuckDesign an der KunstModeDesign Herbststrasse eine Ausstellung an zwei Orten statt – und zwar in den Ateliers der beiden Kuratorinnen dieser Ausstellung Elisabeth Habig und Konstanze Prechtl. Die Zusammenstellung zeigt nicht nur Arbeiten von bekannten Schmuckkünstler*innen, sondern auch junge Gestalter*innen, die einen Ausblick in die Zukunft ermöglichen. Schmuckkunst geht über das reine Handwerk, die Bearbeitung von (Edel)metallen und Edelsteinen hinaus. Die Ausstellung will zeigen, dass sich die Schmuckszene in Wien im Aufwind befindet, vor allem auch wegen der Schmuckausbildung in der Herbststraße. Hier wird Basiswissen sowohl im klassischen Goldschmiedebereich und im Modeschmuck, aber auch Positionen der künstlerischen Auseinandersetzung mit Schmuck vermittelt. Schmuck als am Körper tragbare Kunst. Begleitend zur Ausstellung wird ein Katalog erscheinen, der die unterschiedlichen Herangehensweisen und Blickwinkel auf das Thema Schmuck von Lehrenden, Studierenden und Absolventen*innen erläutert. Vernissage und Katalogpräsentation am 17.10.2019 ab 17:00 an beiden Orten. Ausstellungsdauer: von 18. Oktober – 9. November 2019. Sowohl im Studio Elisabeth Habig, Spiegelgasse 25, 1010 Wien also auch im Atelier Fluoron, in der Bürgerspitalgasse 18/2, 1060 Wien.

Japanisch-österreichische Freundschaft

Das Museum für Angewandte Kunst (MAK) in Wien widmet anlässlich des 150-Jahr-Jubiläums der österreichisch-japanischen Freundschaft zwei Ausstellungen dem japanischen Farbholzschnitt. Im MAK DESIGN LAB wird unter dem Titel KUNIYOSHI +. Design und Entertainment im japanischen Farbholzschnitt Einblick in die Spätzeit des Ukiyoe gewährt. Utagawa Kuniyoshi (1797 – 1861) war einer der innovativsten Künstler des 19. Jahrhunderts. Seine Blätter stehen im Zentrum der Schau. Gemeinsam mit Künstlern wie Hiroshige und Kunisada I. schuf er bahnbrechende Drucke und vorher nicht realisierbare Serien. Mit seinem Stil hat Kuniyoshi nachfolgende Generationen maßgeblich beeinflusst. Die Weiterentwicklung bzw. die zeitgenössische Ästhetik des Ukiyoe zeigt die zeitgleiche Schau in der MAK GALERIE, die den Titel UKIYOENOW. Tradition und Experiment trägt. Erstmals in Europa werden Arbeiten der Maler*innen und Illustratoren*innen Masumi Ishikawa und Megumi Ōishi sowie des Grafikdesigners Andrew Archer präsentiert, die Motive aus Popkultur und Sport in die Ästhetik des Ukiyoe übersetzen. Dadurch erhält die japanische Kunstform des Farbholzschnitts einen universelleren Charakter. Mit dem Ziel der Wiederbelebung des Ukiyoe entstand im Jahr 2014 das UKIYO-E PROJECT, das neue Motive mit traditionellen Produktionstechniken verbindet. Innerhalb dieses Projekts begann eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit der US-Band Kiss (2015), worauf eine Arbeit mit Iron Maiden (2016) und schließlich postum mit David Bowie (2018) folgte. Einen anderen Zugang hat Andrew Archer, der digital arbeitet. In seiner Serie Edo Ball verbindet er Basketball mit Ukiyoe. In hochwertigen Digitaldrucken folgt er stilistisch Kuniyoshi und dessen Schüler Yoshitoshi. Der MAK DAY am 26. Oktober 2019 steht ganz im Zeichen des Jubiläums 150 Jahre Freundschaft Österreich–Japan und bietet zahlreiche Programmpunkte rund um die beiden neu eröffneten MAK-Ausstellungen. Beide Ausstellungen laufen vom 26. Oktober bis 16. Februar 2020 im MAK Wien.

Design from the Alps

Wie steht es um das Design im alpinen Raum? Dieser Frage geht eine Ausstellung im Kunst Meran nach. Man möchte meinen, ein Gebirgszug stellt eine Trennlinie dar, aber im Hinblick auf Kultur und Gestaltung ergibt sich ein gemeinsamer Raum, meint Kurator Claudio Larcher. Eine Verbindung, die von München bis Venedig und von Wien bis Mailand reicht. Namen, die mit dem alpinen Raum in Verbindung gebracht werden können, sind Luciano Baldessari, Gino Pollini, Lois Welzenbacher oder Clemens Holzmeister. Als exemplarisch kann der Fall von Ettore Sottsass gelten, der in Innsbruck geboren wurde, in Turin aufwuchs und in Mailand arbeitete. Je näher die Gegenwart rückt, desto zahlreicher werden die Persönlichkeiten: Matteo Thun, Othmar Barth, Dario Montagni, Dante Donegani oder Martino Gamper, der als gebürtiger Meraner international erfolgreich ist und unlängst mit einer Installation beim London Design Festival für Aussehen sorgte. Design from the Alps. Tirol – Südtirol/Alto Adige – Trentino 1920 – 2020. 11. Oktober 2019 – 12. Januar 2020. Kunst Meran/Merano Arte, Lauben 163.

Von Frankfurt nach Berlin

Die gesamte Ausstellungsfläche des Museum Angewandte Kunst in Frankfurt hat sich in ein House of Norway verwandelt. Das kommt nicht von ungefähr, denn Norwegen ist diesjähriger Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. Die offene thematische Präsentation vereint Werke von zeitgenössischen Künstler*innen wie Frank Ekeberg, Kari Steihaug oder Ingrid Torvund. Einblicke in die Kunst und Kultur der Sámi geben ein Gastspiel des Sámi National Theatre Beaivváš und Werke der in Deutschland erstmals auf der documenta 14 in Kassel vertretenen samischen Künstler*innen Britta Marakatt-Labba, Máret Ánne Sara und Hans Ragnar Mathisen, aber auch die von Kunsthandwerkern wie Sune Enoksson oder Jørn Are Keskitalo. Des Weiteren sind Gestalter*innen wie Regine Juhls, Torbjørn Kvasbø, Peter Opsvik, Grete Prytz Kittelsen und Tone Vigeland vertreten. House of Norway. 11. Oktober 2019 – 26. Januar 2020. MAK Frankfurt.

Die Red Dot-Siegerausstellung Best Brands & Communication Design – Red Dot Winners Selection 2019 zeigt eine Auswahl der aktuell im Red Dot Award: Brands & Communication Design prämierten Marken und Arbeiten. Von Online-Projekten über Tablebooks bis hin zu Markenprofilen werden die besten Brands und Kommunikationsdesigns des Jahres und damit exemplarisch der State of the Art der internationalen Kreativszene präsentiert. Unter anderem zeigt die Ausstellung im Museum für Kommunikation Berlin Arbeiten mit Weitblick: Unter dem Titel „Crossmapping the Future“ befasst sich der Megatrend Report M8 von Robert Bosch mit den Entwicklungen der Zukunft. Ebenso zukunftsgerichtet wurde die Schrift Helvetica Now von Monotype entwickelt. Die neue Version einer der weltweit bekanntesten Schriftarten zielt auf die sich ändernden technischen Bedingungen und Lesegewohnheiten von Nutzern ab. Auf ewig verbunden sind Siri und Alexa: Die digitale Kampagne des Vienna Tourist Boards aus der Feder von SERVICEPLAN GERMANY, in der es um die Hochzeit der beiden AI-Assistenten geht, wurde ins Leben gerufen, um Interessierte auf die EuroPride in Wien einzustimmen. Im Zentrum der Aktion steht der sogenannte „Pride Skill“ – ein Tool, das die Vernetzung zwischen Alexa und Siri möglich macht. Best Brands & Communication Design – Red Dot Winners Selection 2019. 3. November 2019 – 12. Januar 2020. Museum für Kommunikation Berlin. Eine Kooperation mit dem Red Dot Design Museum Essen.

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