Home ArchitecturePräzise, atmosphärisch, zukunftsorientiert – Österreichischer Staatspreis Holzbau 2026

Präzise, atmosphärisch, zukunftsorientiert – Österreichischer Staatspreis Holzbau 2026

von Markus Schraml
Das Rathaus von Hohenems von Berktold Weber Architekten erhielt einen der Hauptpreise beim Staatspreis Holzbau. Foto © Adolf Bereuter

Mit dem erstmals vergebenen Österreichischen Staatspreis Holzbau rückt ein Baustoff in den Mittelpunkt, der längst aus dem Eck der traditionellen Zimmermannskunst hervorgerückt ist. Eine internationale Jury wählte aus 41 nominierten Projekten drei Hauptpreisträger, die beispielhaft zeigen, wie vielseitig und architektonisch anspruchsvoll zeitgenössischer Holzbau sein kann. Im Fokus standen dabei nicht spektakuläre Solitäre, sondern Projekte mit gesellschaftlicher Relevanz: Bauen im Bestand, öffentliche Infrastruktur und qualitätsvolle Arbeits- und Lernräume.

Erweiterung mit Atmosphäre

Einer der drei Hauptpreise ging an die Erweiterung der Firmenzentrale von Windkraft Simonsfeld in Ernstbrunn. Das Projekt von juri troy architects überzeugt vor allem durch den sensiblen Umgang mit dem Bestand. Statt eines radikalen Neubeginns wurde das bestehende Bürogebäude durch einen U-förmigen Anbau ergänzt, der einen ruhigen Innenhof entstehen lässt und die bestehende Solarfassade neu inszeniert.

Konstruktiv setzt der Bau auf eine Kombination aus Holz und Lehm. Holzskelettbau, Brettsperrholzdecken und massive Stampflehmkerne schaffen Räume mit angenehmer Haptik und viel Atmosphäre. Besonders hervorzuheben ist die Selbstverständlichkeit, mit der technische Innovation und räumliche Qualität zusammenspielen. Der Erweiterungsbau wirkt nicht demonstrativ nachhaltig, sondern schlicht überzeugend gebaut.

Ein Rathaus als Manifest

Auch das neue Rathaus von Hohenems erhielt einen Hauptpreis. Berktold Weber Architekten bauten ein sechsgeschossiges Verwaltungsgebäude, das ein offenes Haus für die Stadt ist und zugleich als klares Bekenntnis zum modernen Holzbau. Sichtbare Holzkonstruktionen, diagonal verdübelte Brettstapeldecken und eine markante Lamellenfassade prägen das Erscheinungsbild.

Bemerkenswert ist die Flexibilität des Gebäudes. Die Konstruktion erlaubt spätere Nutzungsänderungen und folgt konsequent dem Prinzip der Reversibilität. Innen entstehen helle, warme Räume mit hoher Aufenthaltsqualität, während das Gebäude nach außen zwischen Transparenz und Geschlossenheit oszilliert. Dieses Rathaus zeigt eindrucksvoll, dass kommunale Architektur weit mehr leisten kann und soll als reine Verwaltung.

Schule unter dem Sheddach

Der dritte Hauptpreis ging an die Aufstockung der HTL Bau und Design in Innsbruck durch ao-architekten. Das Projekt beantwortet eine zentrale Frage des Bauens: Wie lassen sich bestehende Gebäude intelligent weiterdenken? Die Lösung hier ist ein eingeschossiger Holzhybridbau auf einem Schulgebäude aus den 1970er Jahren.

Sieben neue Klassenräume sowie offene Lernzonen entstanden unter einer markanten sheddach-artigen Konstruktion aus Holz und Stahl. Besonders gelungen ist die räumliche Atmosphäre. Sichtbares Holz, großzügig einfallendes Tageslicht und stützenfreie Bereiche verleihen den Räumen eher den Charakter eines Ateliers als den einer klassischen Schule. Die Aufstockung demonstriert dabei eindrucksvoll die konstruktiven Vorteile des Holzbaus – von der kurzen Bauzeit bis zum vergleichsweise geringen Gewicht.

Der Staatspreis Holzbau 2026 zeigt damit vor allem eines: Holzbau ist heute keine stilistische Nische mehr, sondern ein hoch entwickeltes architektonisches Werkzeug – präzise, vielseitig und zunehmend selbstverständlich im öffentlichen Raum angekommen.


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