Home Architecture Regeneration, Restauration, ländliche Regionen – Young Talent Architecture Award 2020

Regeneration, Restauration, ländliche Regionen – Young Talent Architecture Award 2020

von Markus Schraml
Gewinner des YTAA 2020: Off the Grid. © Willem Hubrechts

Der Young Talent Architecture Award (YTAA) ist fixer Bestandteil des Preises der Europäischen Union für zeitgenössische Architektur – Mies van der Rohe Award (EU Mies Award), der von der Fundació Mies van der Rohe mit Unterstützung des Programms Creative Europe der Europäischen Union und weiteren Partnern organisiert wird. Damit erhalten die Gewinner*innen Zugang zum Netzwerk der am EU Mies Award beteiligten Architekt*innen sowie Kritiker*innen. Die vier Sieger*innen des YTAA 2020 sind:

OASI” von Alvaro Alcázar Del Águila, Eduard Llargués, Roser Garcia und Sergio Sangalli von der Vallès School of Architecture der Universitat Politècnica de Catalunya – Barcelona Tech in Sant Cugat del Vallès in Spanien.

Off the Grid” von Willem Hubrechts von der Fakultät für Ingenieurwissenschaft an der Universität von Leuven (Belgien).

Stage for the City” von Monika Marinova von The Sir John Cass School of Art Architecture & Design der London Metropolitan University.

Three places to inhabit the mountain range in the Maule region” von Pía Montero, Maria Jesús Molina und Antonia Ossa von der School of Architecture der Universidad de Talca (Chile).

Die jungen Architekturtalente erhalten ein Diplom, jeweils 5.000 Euro, ein Profil auf world-architects.com, Publicity durch die YTAA 2020 Ausstellung in Venedig und an Universitäten weltweit, Teilnahme an Events wie der Award-Verleihung, der Future Architecture Platform sowie Möbel von USM, um ihr Büro einzurichten.

Off the Grid

Das Projekt denkt die Beziehung zwischen Wassermanagement, Urbanisierung und die Rolle selbstverwalteter Gemeinschaften in Zeiten des Klimawandels neu. Konkret geht es um die Stadt Ayacucho in Peru. Es spürt freie Räume, Brachen im städtischen Gefüge auf und aktiviert sie für Wasserrecycling. Durch diese neuen Infrastrukturen werden gleichzeitig großzügige öffentliche Räume geschaffen. Willem Hubrechts konzentriert sich dabei auf die Randgebiete der viel zu schnell wachsenden Stadt in den Anden. Diese Arbeit versucht auch eine Entlastung für den mittlerweile massiv ausgebeuteten Fluss Cachi, der ursprünglichen Wasserversorgung der Stadt, aufzuzeigen.

OASI

In Oasi geht es um die Renaturierung der Flusslandschaft des Llobregat, die in der industriellen Vergangenheit der Stadt Sallent stark verändert wurde. Der Fluss wurde von den angehenden Architekt*innen im Rahmen eines reellen Auftrages mit einer Strategie der topografischen Formen bearbeitet, wobei das Augenmerk auf Überschwemmungen und der Ansiedlung autochthoner Arten lag. Diese Landschaftstransformation folgt einer natürlichen Logik, die das Gebiet im Lauf der Zeit immer widerstandsfähiger machen sollte.

Stage for the City

Das Projekt von Monika Marinova strebt eine Regeneration von Stoke an, einem Inbegriff der postindustriellen Städte Großbritanniens, indem es ein bürgerliches Zentrum für Feierlichkeiten, aber auch Proteste entwickelt. Es soll ein Ort sein, an dem die gegenseitige Akzeptanz von Institutionen und Gesellschaft stattfindet. Das Gebäude soll kein Wahrzeichen sein, sondern ein Objekt, das für den Raum um sich herum einen Anker setzt. Dabei werden einerseits die unterschiedlichen Typologien von Industrie und andererseits die Bedürfnisse der Bewohner*innen berücksichtigt und damit ein Bewusstsein für die gemeinsame Geschichte geschaffen.

Three Places to inhabit the mountain range in the Maule region

Student*innen der School of architecture an der Universität von Talca in Chile haben für ihre Abschlussarbeiten drei Objekte entworfen, gemanagt und gebaut – mit der Zielvorgabe, bewohnbare Architekturen für die Bergregion von Maule zu schaffen. Diese drei kleinen Interventionen befinden sich an strategischen Orten in den Anden und stellen Verbindungen zur lokalen Kulturlandschaft her.

Asia Edition des YTAA

Im Rahmen des YTAA 2020 wurden auch drei Projekte aus Asien ausgezeichnet. Die Gewinner*innen sind JiSoo Kim von der Hanyang University School of Architecture in Seoul (Südkorea), Shreeni Benjamin von der Fakultät für Architektur an der CEPT-Universität in Ahmedabad (Indien) sowie ein Team der School of Architecture der Tianjin-Universität in China. Für letzteres Projekt bauten Student*innen der Tianjin-Universität gemeinsam mit dem Scarcity and Creativity Studio der Architektur- und Designhochschule Oslo ein Kinderlehrrestaurant im Dorf Xiamutang (Ji ‘an Stadt, Provinz Jiangxi). Dabei geht es auch um die Belebung einer ländlichen Gegend, denn die Landflucht in China ist enorm. Das Land der Mitte verliert jeden Tag an die 300 Dörfer. Die chinesische Regierung möchte diesen Trend bremsen und sucht nach Entwicklungskonzepten für den ländlichen Raum.

Der Kern des Yulgok Street-Projekts von JiSoo Kim in Südkorea ist es, das Bewusstsein der Bevölkerung für kulturelle bauliche Werte aus der Vergangenheit zu steigern. Kim wirft dabei die Frage nach einer zeitgemäßen Restaurierung auf. Konkret geht es um den Jongmyo-Schrein und den Palast von Changgyeonggung, die wie auch andere kulturelle Bauten während der Zeit der Kolonisierung durch Japan verschwunden sind. Beide Areale wurden durch eine Straße, der Yulgok Road, (heute eine moderne Verbindungsachse) abgeschnitten. Kim schlägt vor, diese Trennung durch eine Brücke für Fußgänger wieder aufzuheben und einen Ort zu kreieren, an dem Alt und Neu heterogen miteinander verbunden sind.

Ein weiteres Projekt, das sich mit der Regeneration von Landschaften befasst, kommt aus Indien. Shreeni Benjamin hat ein Landschaftsschutzkonzept für die Insel Aliabet entwickelt. Durch den Bau des Staudamms Sardar-Sarovar wurde die Insel von einem ökologisch reichhaltigen, vielfältigen Lebensraum in ein salzhaltiges Ödland verwandelt. In einem ersten Schritt schlägt das Konzept die Anpflanzung von polyhalinen Mangrovenarten an den Rändern der Insel vor, um sie vor weiterer Erosion zu schützen und um die Sedimente filtern zu können. Der zweite Schritt fokussiert in erster Linie darauf, das Eindringen von Salzwasser aufrechtzuerhalten, indem zwei separate Schichten von Böschungen aus speziellem Beton errichtet werden. Diese Böschungen dienen gleichzeitig dazu, Regenwasser zu halten, um den Salzgehalt des Bodens zu verdünnen. Diese Regenwasserbecken werden während des Monsuns überflutet, was zur Bildung einer Brackwasserzone beiträgt, die wiederum die einheimische Vegetation und Biodiversität fördert. Der dritte Schritt besteht darin, die ansässigen Communities zu ermutigen, das Futter für ihr Vieh (ca. 800 Kamele und 1700 Büffel) hier anzubauen. Dies würde der Gemeinschaft ein Gefühl der Eigenverantwortung für das Aufblühen der Insel Aliabet geben.

Die Ausstellung YTAA 2020 eröffnet am 22. Mai 2021 im Europäischen Kulturzentrum – Palazzo Mora in Venedig als ein Zusatz-Event zur 17. Internationalen Architekturausstellung der Biennale. Die Wanderausstellung an Universitäten rund um den Globus beginnt bereits im November 2020. Alle nominierten Entwürfe wurden bereits online gepostet und werden auch in einem Katalog veröffentlicht. Ebenso werden die Projekte ins EU Mies Award Archiv aufgenommen – als Anerkennung für die jungen Architekt*innen und deren Ausbildungsstätten.

Weitere Partner des YTAA sind die European Association for Architectural Education (EAAE), der Architects’ Council for Europe (ACE-CAE), World Architects als Gründungspartner, das Europäische Kulturzentrum als Partner in Venedig, gesponsert von Jung, Jansen und Regent und mit Unterstützung von USM.


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