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Resiliente Lebensräume – World Habitat Awards 2020

von Markus Schraml
AKAH Pakistan, World Habitat Award, Gold

Die beiden Gold-Gewinner der diesjährigen World Habitat Awards sind eine Partnerschaft zur Verhinderung von Obdachlosigkeit in der britischen Stadt Newcastle upon Tyne und ein Projekt zur Integration des Katastrophenrisikomanagements im Hinblick auf die Planung und Entwicklung von Lebensräumen in abgelegenen Gegenden Pakistans.

Der partnerschaftliche Ansatz der Stadtverwaltung von Newcastle upon Tyne hat seit 2014 verhindert, dass mehr als 24.000 Haushalte obdachlos werden. Die neoliberale Politik in Großbritannien traf Newcastle besonders hart, eine Stadt, in der Armut und Benachteiligung seit Langem schon ein Thema waren. Dazu kam ein zehnjähriges Sparprogramm, dass das kommunale Haushaltsbudget um fast ein Drittel einschrumpfte sowie mehrere Einschnitte bei Sozialausgaben. Dieser Entwicklung setzten mehr als 100 lokale Organisationen eine Kooperation entgegen, um Obdachlosigkeit zu verhindern und finanzielle Inklusion zu fördern. Das beinhaltete das Aufgreifen von Problemen, die zur Obdachlosigkeit beitragen, wie Schulden und der Zugang zu Sozialhilfe, um die Einkommen der Bewohner*innen zu erhöhen sowie die Ausgaben wo immer möglich zu senken. Aufgrund dieser Initiative ist trotz des problematischen politischen Hintergrunds in Großbritannien die Obdachlosigkeit in Newcastle extrem niedrig und stabil geblieben.

Verhinderung von Obdachlosigkeit in Newcastle (Großbritannien). World Habitat Award 2020 in Gold. © World Habitat

Sichere Lebensräume in Pakistan

Im von der Aga Khan Agency for Habitat (AKAH Pakistan) ins Leben gerufenen Projekt verwenden Geologen Satellitenbilder und Risk-Mapping-Tools um Wohn- und Wirtschaftszonen einzurichten und gleichzeitig Katastrophenschutzpläne zu entwickeln. Dabei ist auch das Wissen und die Beteiligung der lokalen Bevölkerung ein wichtiger Faktor. AKAH Pakistan hat auf diese Art bereits in 785 Siedlungen Gefahren-, Anfälligkeits- und Risikobewertungen durchgeführt. 20.000 Haushalte haben technische Hilfe bei der Instandhaltung und Verbesserung ihrer Häuser erhalten. Über 4000 Unterkünfte wurden für im Inland vertriebene Menschen errichtet, 280 Katastrophenmanagementpläne in Kommunen entwickelt und über 50.000 Freiwillige im Katastrophenrisikomanagement für Kommunen geschult.

Neben den beiden Gold-Preisträgern wurden im Rahmen der World Habitat Awards auch zwei Silber- und drei Bronzepreise vergeben. Silber ging an ein Projekt in Nepal, bei dem lokale Unternehmer*innen beim Bau umweltfreundlicher Häuser unterstützt werden bzw. nachhaltige Kleinstunternehmen in von Katastrophen betroffenen Gemeinden gegründet werden. Space-S ist eine einmalige soziale Wohnsiedlung in Eindhoven (Niederlande), deren Design, Entwicklung und Verwaltung von den Bewohner*innen selbst gemanagt wird (Silber). Bronze erhielten ein Projekt in Phnom Penh (Kambodscha), bei dem es um die Verbesserung des Lebensraums und der Lebensbedingungen in armen Gemeinden geht, eine Initiative für die Entwicklung und den Betrieb von Sozialwohnungen bzw. Sozialfürsorgeprogrammen in Budapest sowie das „Camp In“-Projekt in Portugal, wo die Wohnbedingungen und Lebensqualität schutzbedürftiger oder gefährdeter Gruppen in ländlichen Gebieten durch Freiwillige verbessert werden.

„Nach einem traumatischen Jahr sind zwei der größten Herausforderungen für den Wohnungsbau, denen die Welt heute gegenübersteht, die Auswirkungen des Klimanotstands auf gefährdete Gemeinden und das erhöhte Risiko der Obdachlosigkeit aufgrund der Pandemie“, sagt David Ireland, CEO von World Habitat und Gründer / Mit-Organisator der World Habitat Awards. „Uns haben zwei außergewöhnliche Projekte inspiriert, die zeigen, wie lokales Know-how, partnerschaftliches Arbeiten und die bestmögliche Nutzung von Technologie sowie Ressourcen diese enormen Herausforderungen bewältigen können. Wir sind stolz darauf, die beiden mit Gold Awards auszeichnen zu können. Alle diesjährigen Gewinner inspirieren mit ihrem Ansatz, Gemeinden auf der ganzen Welt sicheren Wohnraum zu bieten. Wir hoffen, dass ihre Arbeit andere Projekte und Programme ermutigen wird“, betont Ireland.


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