Home Architecture Von der Autostadt zur lebenswerten Mobilitätsstadt

Von der Autostadt zur lebenswerten Mobilitätsstadt

von Markus Schraml
Wolfsburg Connect

Das dänische Architekturbüro Henning Larsen hat mit Wolfsburg Connect einen Masterplan für den Nordkopf-Bereich der VW-Stadt entwickelt. Im Auftrag des österreichischen Immobilienentwicklers SIGNA und der Wolfsburg AG sowie in Kooperation mit der Stadt Wolfsburg und dem Volkswagen-Konzern soll auf dem 13,6 Hektar großen Innenstadt-Areal südlich und westlich des Wolfsburger Hauptbahnhofs ein vernetztes, zukunftsorientiertes, lebenswertes „Herz der Stadt“ entstehen. Die Architekten sprechen gar von einem Prototypen für europäischen Urbanismus.

„Wir gestalten eine integrative Stadt unter dem Gesichtspunkt des Menschen – ein Ansatz, bei dem das soziale Leben und die Barrierefreiheit im Vordergrund stehen“, erklärt Louis Becker, Design Principal bei Henning Larsen. „Zusammen mit Volkswagen besteht die Möglichkeit, eine Stadt zu kreieren, die ein Testfeld für die modernste Mobilitätstechnologie der Welt ist – das Design zielt jedoch darauf ab, einen Ort zu schaffen, an dem Menschen sein und bleiben wollen.“ Gunnar Kilian, Volkswagens Human Resources Director und Aufsichtsratsvorsitzender der Wolfsburg AG, sieht eine Notwendigkeit, die Stadt lebenswerter zu machen. „Fachkräfte achten mehr denn je auf ein attraktives Wohnumfeld. Wolfsburg hat zwar schon viel zu bieten, aber im Wettbewerb um die besten Köpfe mit anderen Großstädten ist es wichtig, dass wir uns abheben“, meint Kilian.

Das Areal des Masterplans hat die Form eines langgestreckten Dreiecks, das von Eisenbahnlinien, Hauptbahnhof, Busbahnhof und einem großen Boulevard begrenzt wird. Durch die Lage ergibt sich ein Mobilitätsknotenpunkt, der sowohl geografisch als auch konzeptionell von zentraler Bedeutung ist und Menschen innerhalb der Stadt sowie der gesamten Region verbinden wird. Die Mobilitätsangebote werden vielfältig sein und etwa Bus, Taxi, Stadtfahrräder oder sogar hier beginnende Wanderwege implizieren. Das führt zu einer geschichteten Stadtstruktur, die nach menschlichem Maß und nicht nach Auto-Maß ausgerichtet werden soll. Geplant ist, dass Einzelhandel, Technologieeinrichtungen und Kreativwerkstätten im Erdgeschoß, das mit viel Grün und Außenanlagen verwoben ist, einen ganztägig aktiven öffentlichen Raum schaffen. Der Entwurf gruppiert Aktivitäten um wichtige öffentliche Orte, die sich wie Wellen kreuzen und überlappen sollen. Die Innenhöfe zwischen den Blöcken werden öffentliche Durchgangsstraßen sein, in denen Fußgänger und Radfahrer Vorrang haben. Einige Ebenen höher sind Büros und Wohnungen über das ganze Quartier hinweg angesiedelt. Wichtig sind auch Dachgärten, Terrassen, Restaurants und Bars. Das Thema Mixed-Use wird hier von den Architekt*innen exemplarisch durchgespielt: Büros, Wohnflächen, Hotels, Einzelhandel, Freizeiträume etc. Diese Mischung soll für ein lebendiges Stadtleben sorgen, auch nachdem die Pendler die Innovationszentren und Cafés verlassen haben. „Wir sehen Wolfsburg Connect als eine Blaupause für das, was nachhaltiger Urbanismus in Zukunft sein muss: nicht nur grün, sondern vernetzt, sozial und vielfältig. Es ist ein Privileg, diese Vision zu teilen und mit solch engagierten, aufgeschlossenen Partnern zusammenzuarbeiten“, betont Henning Larsens Louis Becker. „Nachhaltigkeit und Lebensqualität sind Kern der Arbeit von Henning Larsen Architects – dieser Ansatz hat uns für die Verwirklichung unserer Vision überzeugt“, sagt Timo Herzberg, CEO von SIGNA Real Estate Deutschland.

Der Masterplan „Wolfsburg Connect“ wird sich zu anderen architektonischen Meisterwerken der Stadt gesellen – wie das Phaeno Science Center von Zaha Hadid, das Theater Wolfsburg von Hans Scharoun, die Heilig-Geist-Kirche und das Kulturhaus von Alvar Aalto sowie die VW AutoTürme von Henn. Henning Larsen gewann mit seinem Masterplan einen Wettbewerb im Jahr 2019, an dem unter anderen auch UNStudio und BIG teilgenommen hatten. Die Phase 1 des Projekts soll bis 2023 fertiggestellt werden.


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