Home Architecture Wie wir in Zukunft wohnen – EFFEKT Architects für SPACE10

Wie wir in Zukunft wohnen – EFFEKT Architects für SPACE10

von Markus Schraml

Fragen nach dem Wohnen und Leben in immer größer werdenden urbanen Räumen implizieren Herausforderungen, deren Bewältigung darüber entscheidet, ob wir uns in Zukunft in lebensfeindlichen, stickigen Molochen aufhalten, oder in lebenswerten, nachhaltigen Gebieten. Die Anzahl der Konzepte und einzelnen Best Practice-Beispiele im Hinblick auf alternative Entwürfe des städtischen Zusammenlebens nimmt stetig zu. Nun hat sich auch IKEA diesem Themenkomplex angenommen. Einerseits mit dem „Better Living“-Projekt, das das Möbelhaus mit dem schwedischen Immobilienentwickler Ikano Bostad (wie IKEA im Eigentum der Kamprad-Familie) entwickelt und bei dem es um neue Appartement-Typen mit Sharing-Charakter, neue Methoden für die Stadtplanung sowie neue Produkte und Möbel für kleine Räume geht. Andererseits mit dem umfassenden Konzept „The Urban Village Project“, das vom IKEA-Innovationslabor SPACE10 umgesetzt wird und wofür das dänische Architekturbüro EFFEKT ins Boot geholt wurde.

The Urban Village Project

Die dörfliche Struktur in die Stadt holen – das ist die Vision der Teams von SPACE10 und EFFEKT. Es geht um eine veränderte Herangehensweise bei der Planung von Städten und Gemeinschaften, der Gestaltung des Bauwesens und der Struktur von Wohneinheiten. Das zentrale Schlagwort in diesem Konzept heißt „teilen“. Unter dieser Prämisse soll es möglich sein, lebenswerte, leistbare und nachhaltige Wohnungen in Städten zu bauen. Simon Caspersen, Mitgründer von SPACE10: „Unsere Städte stehen vor einigen der größten Herausforderungen. Angesichts des Mangels an bezahlbarem Wohnraum, der zunehmenden Vereinsamung, unserer alternden Bevölkerung und des Klimawandels möchten wir uns diesen Herausforderungen stellen und nach neuen Wegen suchen, um eine bessere und nachhaltigere Lebensweise zu schaffen, die den veränderten Bedürfnissen und Lebensstilen der Menschen entspricht. Wir glauben, das Shared Living eine Lösung dafür ist.“

Vor diesem Hintergrund wurde ein flexibles Konzept entwickelt, das auf Gemeinsamkeit setzt. „Shared Living ist für uns Co-Living, Co-Housing und alles dazwischen. Das bestimmende Element ist die Idee einer Gemeinschaft, die sich Ressourcen teilt, um finanzielle Belastungen zu verringern, in der die Effizienz von Dienstleistungen maximiert wird, Inklusion und Zugehörigkeitsgefühl gefördert werden und wo den Bewohnern eine nachhaltige Lebensweise ermöglicht wird“, erklärt Caspersen. Das Architekturbüro EFFEKT hat dafür ein modulares System erdacht, mit dem die Appartementgröße leicht angepasst werden kann. Sei es für Singles, eine vierköpfige Familie, ein Paar oder eine Gruppe von Studenten. Wobei der Community-Gedanke auch das Tauschen von Appartements möglich machen sollte, wenn sich die Lebensbedürfnisse der Bewohner mit der Zeit ändern. Sinus Lynge, Partner bei EFFEKT Architects erklärt: „Urban Villages basiert auch einem modularen baulichen System, mit dem wir eine breite Palette unterschiedlicher Wohnungstypologien für unterschiedliche städtische Umgebungen konfigurieren können. Das System ist für eine Demontage konzipiert, was eine zirkulare Materialverwendung eröffnet, bei der die baulichen Komponenten und Materialien wiederverwendet werden, anstatt sie wegzuwerfen. Das könnte der Grundstein für eine veränderte Bauindustrie sein.“

Gemeinsam leben

Das modulare System der Wohnungen ist in eine Struktur von vielen geteilten Bereichen eingebunden, in denen gemeinschaftlich gelebt und kommuniziert wird – wie in einem Dorf. Kindertagesstätte, Urban Gardening, Fitness, gemeinschaftliche Transporte bis hin zu einem gemeinsamen Abendessen oder Freizeitaktivitäten. Das Urban Village Project besteht aus Bausteinen, die die Schaffung eines blühenden Gemeinschaftslebens begründen und einen Alltag für Menschen aller Altersgruppen, Herkünfte und Lebenssituationen möglich machen. Einer der Unterschiede zu einem traditionellen Dorf ist der nachhaltige Lebensstil, der hier angestrebt wird, und der in einer absolut selbstverständlichen Art und Weise gelebt werden soll.

Für die Menschen, nicht das schnelle Investment

Die steigenden Wohnungspreise sind ein Symptom des immer stärkeren Auseinanderdriftens der Gesellschaft. Um diese Abwärtsspirale, die von Turbokapitalismus und neoliberaler Marktwirtschaft verursacht wird, aufzuhalten, müssen die Interessen von Investoren, die auf das schnelle Geld aus sind, umgangen und bestehende Entwicklungsmodelle infrage gestellt werden. Simon Caspersen: „Das Urban Village Project zielt darauf ab, den Bau durch Partner zu finanzieren, die an langfristigen Investitionen interessiert sind, wie Pensionsfonds, zukunftsorientierte Unternehmen sowie Kommunen und kombiniert dies mit demokratischen Strukturen, die von Kooperativen und Community Land Trusts inspiriert sind. Das würde mehr günstigere Wohnungen in den Markt bringen und außerdem die Interessen der Gemeinschaft wahren. Dies verlangt jedoch nach fortschrittlichen Politikern und neuen Regularien, die sich an die Menschen der Stadt und nicht an die Investoren richten.

Die Elemente des modularen Bausystems des Urban Village Project können vorgefertigt, in Masse produziert und leicht verpackt werden – all dies würde die Baukosten senken. Der größte Pluspunkt dieses Projekts ist die Unterstützung durch einen potenten Partner, der im Falle einer konkreten Umsetzung des Konzepts in der Realität das nötige Standing hätte. Der nächste Schritt wird die Analyse des Feedbacks der Menschen sein, die dem diesbezüglichen Aufruf auf der Urban Village-Homepage folgen und ihre Meinung dazu abgeben.

In der Tat ist die Idee, in einer engen Gemeinschaft zu leben, um Ressourcen zu bündeln und eine Vielzahl von Vorteilen zu generieren, so alt wie die Menschheit selbst. Wir sind schließlich soziale Tiere – und das Zusammenleben ist Teil unserer gemeinsamen Geschichte.

Simon Caspersen

Urban Village Project

Der Bau eines Urban Village. © EFFEKT Architects for SPACE10

 

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