Home ArchitectureArchitektur und integrale Lichtplanung: Zumtobels „THE EDITIONS“

Architektur und integrale Lichtplanung: Zumtobels „THE EDITIONS“

von Markus Schraml
Die Leuchte SOLENA führt architektonische Einbindung, nachhaltige Performance und technische Integration zusammen. © Zumtobel / Isabel Bechter

Licht in der Architektur ist mehr als funktionale Ergänzung – oder sollte es auf jeden Fall sein. Es strukturiert Räume, modelliert Oberflächen, beeinflusst Orientierung und Wohlbefinden. Zugleich steigen die Anforderungen: Nachhaltigkeit, flexible Nutzungsszenarien, digitale Steuerung und integrale Planung verlangen nach Lösungen, die technische Präzision mit gestalterischer Zurückhaltung verbinden. Beleuchtung soll energieeffizient sein, sich adaptiv steuern lassen und als selbstverständlicher Teil des architektonischen Konzepts erscheinen. In diesem Spannungsfeld zwischen Infrastruktur und Atmosphäre positionieren sich Hersteller zunehmend als Entwicklungspartner.

Mit „THE EDITIONS“ stellt Zumtobel eine Plattform vor, die über das Standardsortiment hinausgeht und auf Kooperationen mit internationalen Büros setzt. Ziel ist es, Licht als integralen Bestandteil von Architektur zu denken – von Beginn an und im Dialog mit Planungsteams.

Ein Beispiel ist die Arbeitsplatzleuchte SKENA, entwickelt mit dem Hamburger Büro BAID Architektur. Dessen Gründerin Jessica Borchardt beschreibt die Ausgangslage als Suche nach einer Lösung, die weder gestalterisch dominant noch technisch unzureichend ist. Viele Produkte hätten „entweder regulatorische Anforderungen oder funktionale Ausschreibungskriterien nicht“ erfüllt oder seien „gestalterisch zu präsent“ gewesen. SKENA reagiert darauf mit einem hohen indirekten Lichtanteil, integrierter Sensorik und zurückhaltender Form. Technisch sei sie so konzipiert, „dass sie alles kann, ohne alles permanent auszuspielen“, so Borchardt – ein Ansatz, den sie als nachhaltiges Prinzip versteht.

Die Arbeitsplatzleuchte SKENA ging aus einer länger währenden, intensiven Konzeptionsphase hervor. © Zumtobel / Isabel Bechter

Wenn Leuchten untereinander kommunizieren

Wie eng architektonische Einbindung und technische Integration verzahnt sein können, zeigt das Projekt HORTUS von Herzog & de Meuron. Für das Bürogebäude wurde die Glasrohrleuchte SOLENA entwickelt. Senior Associate Alexander Franz betont, bei einem Gebäude mit so hohem gestalterischem Anspruch habe man die Kontrolle über das Licht nicht den Nutzern überlassen wollen. Vielmehr sollte das Beleuchtungskonzept Teil des Grundausbaus werden. Da das Innenraumklima technisch überwacht wird und ein deckenbündiges Materialkonzept aus Holz und Lehm vorgesehen war, mussten Sensoren unauffällig integriert werden. Gemeinsam mit dem Lichtplanungsbüro Reflexion entstand so eine vernetzte Leuchte, deren komplexe Technik in eine reduzierte Form überführt wurde.

Die Leuchten der Reihe „THE EDITIONS“ sind auf vielschichtige räumliche Anforderungen ausgerichtet. Sie übernehmen technische Infrastruktur, erlauben differenzierte Steuerung und sorgen zugleich für eine ausgewogene visuelle Atmosphäre. Vom freistehenden Arbeitsplatzmodell SKENA über die lineare Pendelleuchte IZURA und die als System gedachte Rohrleuchte SOLENA bis hin zur kompakten Tischleuchte TALUNA (wird im Mai 2026 präsentiert) reicht ein Portfolio, das gestalterische Offenheit mit hoher technologischer Präzision verbindet. Das Spektrum verdeutlicht den Anspruch von Zumtobel, Licht als integralen Bestandteil zeitgenössischer Architektur weiterzuentwickeln. Erstmals offiziell vorgestellt wird die Kollektion auf der Light + Building 2026 in Frankfurt.

TALUNA soll das Konzept der Reduktion auf seine essenzielle Aufgabe komprimieren – nämlich verlässliches, kompromissloses Licht zu schaffen. © Zumtobel / Isabel Bechter

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