Home Architecture Architektur muss sich verändern: Aktuelle Bücher

Architektur muss sich verändern: Aktuelle Bücher

von Markus Schraml
Europan 15 Winner Wien

In einer Welt, die von der Klimakrise, von wachsender gesellschaftlicher Ungleichheit und schamloser Rohstoffausbeutung geprägt ist, spielt die Architektur eine wichtige Rolle im Hinblick darauf, ob wir so weitermachen wie bisher oder ob wir einen anderen, besseren Weg einschlagen. Aktuelle Publikationen aus dem Bereich Architektur führen das steigende Verantwortungsbewusstsein einer Branche vor Augen, die erkannt hat, dass es so nicht weitergehen kann. So ist etwa im Verlag gestalten das Buch „The Ideal City“ erschienen. Städte sind sowohl ein Teil des Problems als auch ein möglicher Teil der Lösung, insofern sich die Verantwortlichen dazu aufraffen können, Städte völlig neu zu denken. Grüner, gesünder, nachhaltiger, inklusiver und sicherer sollen sie werden. Es geht darum, Städte lebenswerter und ökologischer zu machen. Dazu müssen die Städteplaner an der Spitze derer stehen, die sich dem Klimawandel aktiv entgegenstemmen. Was dazu konkret getan werden muss, wird in diesem Buch mit einer Reihe von Essays, Projektbeispielen und Vorstellungen von engagierten Architekturbüros dargelegt. Protagonisten wie Bjarke Ingels, Urban-Think Tank, Mass Design Group oder Gehl Architects arbeiten hart daran, die Stadt der Zukunft Schritt für Schritt in die Realität umzusetzen. „The Ideal City“ ist eine Kooperation von gestalten und SPACE10, dem Innovationslabor von IKEA. Projekte aus 53 Städten in weltweit 30 Ländern sind hier versammelt. Von kleinen Community-Initiativen wie einem urban farming-Projekt in Vietnam bis zu riesigen Bauten wie dem längsten erhöhten Radweg der Welt in China reicht das Spektrum. Von neuen öffentlichen Toiletten in Tokio über Community-Küchen in Kairo bis hin zu leistbarem Wohnen in Mexiko und leben auf dem Wasser in Amsterdam. Und obwohl es eine Vielzahl an Beispielen gibt, wird hier ganz klar die Botschaft vermittelt, dass wir erst am Anfang stehen und dass es gemeinsamer Bemühungen in den kommenden Jahren bedarf, um die Herausforderungen zu meistern. (The Ideal City. Exploring Urban Futures. 21 × 26 cm, fadengebunden, vollfarbig, 256 S., Englisch, ISBN: 978–3–89955-862-3 Verlag: SPACE10 / gestalten)

Ebenfalls bei gestalten ist der Band „Out of the woods“ erschienen. Die Bauindustrie verbraucht enorme Mengen an Rohstoffen und Energie. Das muss sich ändern. Mit welchen Materialien soll in Zukunft gebaut werden? Wie wäre es mit Holz. Dieses Buch stellt herausragende Holzarchitektur rund um den Globus vor. Mehr als 30 Projekte und fünf Porträts geben Einblick in die Arbeitsweise und Visionen der Vorreiter dieses Bauwerkstoffs. Vorgestellt werden unter anderem die Verwendung von Altholz in Bali, organische Holzbauten an der chilenischen Küste oder die Entwicklung der Neuen Vorarlberger Bauschule. (Out Of The Woods. Architecture and interiors built from wood. 24 x 30 cm, fadengebunden, vollfarbig, 288 S., Englisch, ISBN: 978-3-89955-859-3. Verlag: gestalten)

Das Buch „Stille Städte – Als die Welt den Atem anhielt“ versammelt Fotos von berühmten Orten in Städten rund um die Welt während des ersten Lockdowns. Verlassene Hauptstraßen, Plätze ohne Menschen, der Trevi-Brunnen in Rom in Einsamkeit, Schloss Sanssouci in Potsdam verlassen oder die Brooklyn Bridge in New York mitten am Tag ohne eine Menschenseele – war das nicht wundervoll. „Stille Städte“ zeigt Aufnahmen von Orten, wie man sie so noch nie gesehen hat. (Stille Städte. Als die Welt den Atem anhielt. Verlag: teNeues)

Das Bauhausjahr 2019 ist lange vorüber und dennoch oder gerade deswegen lohnt ein Blick zurück auf die Geschichte dieser einflussreichen Gestaltungsschule. Der Band „Im Zeichen des Bauhauses 1919-2019“ gibt dazu Gelegenheit. Das Motto von Walter Gropius zur ersten Bauhaus-Ausstellung 1923 lautete: „Kunst und Technik – eine neue Einheit“. Die Verbindung beider Felder fand von Anfang an jedoch nicht nur Anhänger, sondern auch Gegner. Der Sammelband greift Grundfragen der Weimarer Zeit auf und beleuchtet Weiterentwicklungen seit den 1950er-Jahren – etwa an der HfG Ulm. Und welche Bedeutung hat dieses Themenfeld für das digitale Zeitalter? Das ist die eigentlich interessante Fragestellung, die dieses Buch lesenswert macht. (Im Zeichen des Bauhauses 1919-2019. Kunst und Technik im Digital Turn. Gesellschaft für Designgeschichte, Schriften 3. Hrsg. v. Siegfried Gronert und Thilo Schwer. 17 x 24,5 cm, gebunden, 152 S., 100 s/w-Abb., ISBN: 978-3-89986-334-5, Verlag: avedition)

Welche Bedeutung hat das Bauhaus für das digitale Zeitalter? Im Zeichen des Bauhauses ist bei avedition erschienen. © avedition

Bei Park Books ist der Katalog zur Ausstellung „Boden für Alle“ publiziert worden. Das Thema dieser Ausstellung des Architekturzentrum Wien beschäftigt sich mit der Frage nach dem Umgang mit Boden. „Über die fortschreitende Zersiedelung des Landes wird seit Jahrzehnten diskutiert. Mittlerweile könnten alle Österreicher*innen in bereits bestehenden Einfamilienhäusern untergebracht werden und trotzdem wird weiter Bauland gewidmet, werden neue Einkaufszentren auf der grünen Wiese und Chaletdörfer in den Alpen errichtet. Die fortschreitende Versiegelung trägt zur Klimakrise bei und gefährdet die Ernährungssicherheit“, heißt es im Ausstellungstext. Hier werden die politischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Hintergründe der Bodenfrage kritisch beleuchtet. Die Ausstellung im AzW läuft noch bis Juli 2021. Das lässt genug Spielraum, um sie doch irgendwann IRL besuchen zu können. (Boden Für Alle. Hrsg. v. Angelika Fitz, Karoline Mayer, Katharina Ritter und dem AzW. Broschur, 16,5 x 24 cm, 320 S., 198 farbige u. 2 s/w-Abb. und Grafiken. ISBN: 978-3-03860-225-5, Verlag: Park Books)

Boden für alle, AzW
„Boden für alle“ – Katalog zur Ausstellung im AzW. © Park Books

EUROPAN ist eine Wettbewerbsinitiative für junge Architekt*innen. Gegründet 1989 und getragen von 13 europäischen Ländern, führt sie alle zwei Jahre Wettbewerbe für innovative und experimentelle Modelle der Stadtentwicklung durch. Die Europan-Wettbewerbe 2017 und 2019 wurden zum Thema Productive Cities durchgeführt. An der Ausgabe 2019 beteiligten sich mehr als 900 Planungsteams aus ganz Europa, die Vorschläge für 47 Städte einreichten. Dieses Buch präsentiert die zwölf Siegerprojekte des Wettbewerbs Productive Cities 2 für die fünf österreichischen Städte Graz, Innsbruck, Villach, Weiz und Wien. Der Fokus liegt dabei auf architektonischen und städtebaulichen Interventionen und Prozessen. Innovative Konzepte zur Nutzung des öffentlichen Raums sind ebenso vertreten wie ganzheitliche Lösungsansätze für ressourcenschonendes Bauen. (EUROPAN 15 AUSTRIA – Productive Cities 2. Ressources, Mobility, Equity. Hrsg. v. EUROPAN AUSTRIA, Verein zur Förderung von Architektur, Wohnungs- und Städtebau, 20 x 30 cm, Broschur, 120 S., 111 farbige und 53 s/w-Abb. und Grafiken. ISBN 978-3-03860-212-5, Englisch. Verlag: Park Books)

Für sein neues Buch „07:27:47“ untersuchte der schwedische Fotograf Jonas Dahlström urbane Areale. Er fing innerhalb von genau 12 Stunden die Schönheit dieser Szenen in einer zusammenhängenden Bildsequenz ein. Das Zusammenspiel von Licht, Schatten und Architektur verleiht seinen Fotografien enorme Klarheit. Gleichzeitig erzählen diese Aufnahmen von der Isolation des Menschen, der sich durch seelenlose Betonbauten bewegt. (07:27:47. Jonas Dahlström. Texte v. Jonas Dahlström u. Petra Gipp. Gestaltung: Rikard Österlund. 24 x 24 cm, gebunden, 160 S., 76 duplex-Abb., Englisch / Schwedisch. ISBN: 978-3-7356-0687-7. Verlag: Kerber)

„Häuser des Jahres 2020“: Einen ersten Preis, zwei Auszeichnungen und fünf Anerkennungen, insgesamt 50 Häuser des Jahres aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol hat die Jury ausgewählt, sie werden hier ausführlich vorgestellt. Darunter finden sich unterschiedlichste Bauformate und -formen. Das kleinste Haus kommt mit 42 m² Wohnfläche aus, das größte bietet 652 m². Manche der Häuser sind luxuriös und teuer, andere reduziert auf das Nötigste und günstig. Zum zehnten Mal lobte der Callwey Verlag in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Architektur Museum und den Partnern InformationsZentrum Beton, Interhyp, Atrium/Das IDEALE HEIM, ORF, dem Magazin Baumeister sowie architektur aktuell den Wettbewerb „Häuser des Jahres – die besten Einfamilienhäuser“ aus. Den mit 10.000 Euro dotierten ersten Preis gewann Aretz Dürr Architektur aus Köln für das Projekt „Haus D // 6“. Übrigens läuft die Anmeldephase für die „Häuser des Jahres 2021“ bereits. Noch bis zum 2. Februar 2021 können Projekte online eingereicht werden.

Zum Brick Award 2020, der von Wienerberger ausgelobte Preis für herausragende Ziegelarchitektur, ist bei Park Books ein dazugehöriges Buch erschienen. Unter dem Titel Brick 20 werden die Projekte der 50 nominierten und ausgezeichneten Bauten beschrieben. Allesamt demonstrieren sie die vielfältigen Anwendungs- und Gestaltungsmöglichkeiten des Baumaterials Ziegel. formfaktor hat über die Preisverleihung im September 2020 berichtet. (Brick 20. Ausgezeichnete internationale Ziegelarchitektur. Hrsg. v. Wienerberger AG. Mit Beiträgen von Hubertus Adam, Anneke Bokern, Aglaée Degos, Job Floris, Jonathan Glancey, Christian Holl, Laura Iloniemi und Jana Revedin. 24,5 x 30,5 cm, gebunden, 288 S., 268 farbige u. 130 s/w-Abb. und Pläne. ISBN: 978-3-03860-173-9. Verlag: Park Books)


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