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Begleiter für Generationen – Sebastian Herkner für Fritz Hansen

von Markus Schraml
Let v. Sebastian Herkner f. Fritz Hansen

Der deutsche Designer Sebastian Herkner hat für Fritz Hansen einen neuen Loungesessel entworfen. Der Let™ setzt den erfolgreichen Weg des dänischen Möbelherstellers fort, seine gewohnte handwerkliche Ästhetik in zeitgemäße Designs zu übersetzen. Designikonen wie Arne Jacobsens Swan™ und Egg™ fanden bereits in Jaime Hayons Fri™ und vor allem Ro™ eine aktuelle Fortsetzung. Nun hat Sebastian Herkner seine unverwechselbare Formensprache mit der DNA Fritz Hansens verwoben und ein Möbel geschaffen, das leicht und gleichzeitig komfortabel ist. Hier zeigt sich eine weitere Überwindung des Dogmas der Reduktion mittels geradezu verführerischer Formgebung. Kaum ein Sessel bringt – durch die Gestaltung von Rücken- und Armlehnen – das Thema des Empfangens und Umfangens des Benutzers so gut zum Ausdruck wie Let™.

Der Stuhl ist Herkners erster Entwurf für Fritz Hansen. Er ist voll gepolstert als Stoff- oder Lederversion erhältlich. Die Varianten des Gestells beinhalten pulverbeschichteten Stahl, klassisches Chrom oder Holzbeine aus Eiche, Esche Natur und schwarz gefärbter Esche (alle aus nachhaltig bewirtschafteten, FSC-zertifizierten Wäldern). Der Stuhl wird ohne Klebstoff gefertigt, was die Reinigung mit Dampf ermöglicht.

Im formfaktor-Interwiew spricht Sebastian Herkner über die Zusammenarbeit mit Fritz Hansen, den Designprozess und seine Verantwortung als Gestalter im Hinblick auf nachhaltigere Produktionsprozesse und Ressourcenschonung.


formfaktor: Wie kam die Kooperation mit Fritz Hansen zustande, wie sah das Briefing aus und wie gestaltete sich in der Folge die Zusammenarbeit?

Sebastian Herkner: Ich war mit Christian Andresen (Head of Design Fritz Hansen, Anm.) bereits seit längerer Zeit in Kontakt und bei einem Meeting vor zwei Jahren gab er mir die Aufgabenstellung für einen leichten Lounge Chair in der Tradition und Sprache von Fritz Hansen. Über die darauffolgende Zeit haben wir Let entwickelt, in enger Zusammenarbeit mit den Ingenieuren und den Produzenten. Parameter waren zum einen gestalterischer und funktionaler Natur, jedoch auch ökonomischer. Ziel war es, ein Produkt zu entwickeln, das einen attraktiven Preis hat, ohne die bekannte Qualität und Haltung von Fritz Hansen zu verlieren.

formfaktor: Was war Ihre erste Idee, die dann zu „Let“ führte? Folgen Sie hier auch spontanen Einfällen oder entwickeln Sie das Ganze über genaueste Recherche?

Sebastian Herkner: Es ist eine Mischung aus beidem und sehr viel Arbeit. Zuerst stand eine Analyse der Marke im Vordergrund und ein intensiver Dialog mit Christian. Skizzen und Modelle folgten, und so entstand letztendlich die charakteristische Form der Rückenschale. Diese wurde über unzählige Modelle entwickelt, sodass die Kontur eine Eigenständigkeit bekam.

Der Loungesessel ist ab Oktober 2020 über den Handel erhältlich. © Fritz Hansen

formfaktor: Sie betonen immer, wie wichtig für Sie Handwerk ist. Wie ordnen Sie Fritz Hansen diesbezüglich ein?

Sebastian Herkner: Fritz Hansen ist sicherlich eine der Traditionsmarken des dänischen Designs. Schauen wir den Egg Chair an: Hier ist das Handwerk deutlich in der Herstellung sichtbar und dies ist auch nicht alternativ umzusetzen. Handwerk, die enorme Leistung der Handwerker, gibt einem Produkt diese einzigartige Note, welche rein maschinell nicht möglich ist.

formfaktor: Noch ein paar Worte zu „Let“: Arm- und Rückenlehne sind sehr prägnant und verführen geradezu zum Hinsetzen. Wie denken Sie jetzt über diesen Sessel, wenn Sie ihn als fertiges Produkt betrachten.

Sebastian Herkner: Es war ein großartiger Moment, als ich vor Kurzem das erste Mal in einem fertigen Let sitzen konnte. Der weiche Sitz und der straffe Rücken harmonieren sehr gut miteinander. Die präzise Schale fängt einen sicher ein und man beginnt direkt einen Dialog mit dem Sessel, indem man seine Konturen mit den Händen abfährt.

formfaktor: Sie haben in den letzten Jahren für viele bekannte Unternehmen im Möbelbereich gearbeitet. Wie würden Sie Fritz Hansen einordnen?

Sebastian Herkner: Fritz Hansen hat über Jahrzehnte Ikonen des Designs geschaffen, bis hin in die jüngeren Jahre mit Jaime Hayon und dem Ohrensessel Ro. Das ist sicherlich auch ein Anspruch des Unternehmens, charakterstarke Möbel seiner Zeit zu schaffen. Das Know-how sowie die Vision waren ausschlaggebend für die Kooperation und essenziell für ein gutes neues Möbel.

formfaktor: In den letzten Jahren wird immer häufiger davon gesprochen, welche Rolle Designer*innen in puncto Circular Economy, nachhaltigerer Produktionsprozesse und Ressourcenschonung einnehmen können und sollten. Zuletzt auch beim London Design Festival. Wie ist Ihre Meinung dazu? Wie sehen Sie Ihre Rolle als Gestalter?

Sebastian Herkner: Mein Studio gibt es bereits seit 13 Jahren. Anfangs wurde ich wegen meiner Liebe zum Handwerk und den echten Materialien belächelt. Heute ist es ein großes Thema. Ich als Designer habe eine große Verantwortung und kann meinen Beitrag dazu leisten, wie und was wir konsumieren. Design ist Kommunikation in allen Bereichen. So müssen wir selbstkritisch sein und uns fragen, ob unser Verhalten der letzten Jahre richtig war, ob wir wirklich stetig Neues brauchen oder nicht besser auf Qualität und Langlebigkeit setzen. Ich möchte, dass meine Designs Begleiter für Generationen werden.


Der Loungesessel Let™ ist ab Oktober 2020 über den Handel erhältlich. Der Preis ist mit (ab) ca. 1.300 Euro am unteren Ende der Preis-Range von Fritz Hansen angesiedelt.


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