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Biophile Architektur in Hongkong – Ronald Lu & Partners

von Markus Schraml
RLP, Pinghu Hub

Die Kritik an einem Earth Day (wie er jedes Jahr am 22. April begangen wird) ist dieselbe wie zum Internationalen Frauentag: Wieso brauche ich überhaupt einen Erinnerungstag zur Gleichberechtigung der Frau oder zum Erhalt der Biodiversität auf unserem Planeten, muss man nicht an jedem Tag, in jeder Woche, in jedem Monat dafür kämpfen und seinem eigenen Lebensstil danach ausrichten. Die Reduktion auf einen einzigen Tag erinnert an die Sonntagsreden von Politikern, die auch nicht viel Wert sind.

Andererseits dienen solche Tage der Erinnerung, der Diskussion über das bisher erreichte und über das noch Notwendige. Im Bereich der Architektur sind umweltfreundliche Ansätze aufgrund der enormen Auswirkungen dieser Branche ein entscheidender Beitrag zu lebenswerteren Städten und zum Klimaschutz. Ressourcenschonung, urbane Biodiversität oder CO2-freies Bauen sind dabei wichtige Schwerpunkte. Das Hongkonger Architekturbüro Ronald Lu & Partners (RLP) zum Beispiel verfolgt eine Philosophie, die auf zukunftsfähige Gestaltungen fokussiert. Anlässlich des Earth Day 2022 lohnt es einen Blick auf fünf Wege zu werfen, die RLP vor allem für Lagen mit subtropischem Klima entwickelt haben bzw. anwenden.

Biophiles Design

Die Palette der Maßnahmen von RLP reicht von der Entwicklung nachhaltiger Wassermanagementstrategien bis hin zur Einbeziehung der Natur in städtische Räume. Ein zentraler Bereich ist deshalb biophiles Design. Dieses Konzept sieht vor, Gebäude durch direkte und indirekte Nutzung der Natur mit der natürlichen Umgebung zu verbinden. Die Architekten von RLP sind der Meinung, dass diese Art von Gestaltung für Architektur in dicht besiedelten Gebieten unerlässlich ist. Die Vorteile seien zahlreich: etwa die kühlende Effekte in Städten, die Reduzierung der Auswirkung von Starkregen oder die Feinstaubfilterung.

„Treehouse” ist der Name eines neuen Arbeitsplatzkonzepts von RLP. Das integrierte System zielt darauf ab, die Beziehung zwischen Mensch und Natur wieder herzustellen. Es ist ein Netto-Null und auf Wellbeing ausgerichteter Arbeitsplatz, der durchgängig visuelle und räumliche biophile Elemente aufweist, wie beispielsweise grüne Innenwände und Dächer, Fassaden, Wasserspiele und Materialien sowie Möbel zum Thema Natur. Der Raum ist luftig, mit viel natürlichem Licht und einer sanften Meeresbrise von der Ostküste, die die Affinität zur Natur unterstützen soll.

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Biodiversität in Städten

Die Notwendigkeit, Megastädte, in denen die Artenvielfalt rapide abnimmt, wiederzubeleben, ist von entscheidender Bedeutung. Vor einigen Jahren schon begannen Stadtregierungen vor allem in Asien (Leuchturm-Beispiel ist Singapur) zu erkennen, wie wichtig es ist, städtische Lebensräume bereitzustellen, die die biologische Vielfalt unterstützen und die Menschen mit der Natur in Einklang bringen können. Hongkongs Victoria Dockside zum Beispiel ist ein Umbauprojekt des ehemaligen New World Centre, das als „aktiver Hügel“ mit grünen Terrassen und ausgedehntem Stadtgrün konzipiert wurde. Grün bedeckt über 30 % der 11.500 m² großen Fläche und sorgt für eine verbesserte Belüftung entlang der umliegenden Straßen.

Victoria Dockside von Ronald Lu & Partners in Kooperation mit KPF & JCFO. © Ronald Lu & Partners

CO2 reduzieren

Der CO2-Ausstoß der Baubranche ist extrem hoch. Die Reduktion dieser Emissionen hat deshalb Priorität. Einige Länder und Firmen verfolgen sogar eine Netto-Null-Strategie, um die globale Erwärmung zu bremsen. Das offizielle Klimaschützer-Narrativ sieht den Menschen als alleinigen Verursacher für die Klimaerwärmung. Von einer ganzen Reihe von Klimaforschern ins Feld geführte natürliche Ursachen wie Ozeanzyklen, solare Klimaeffekte oder die ungeklärte Frage nach dem natürlichen Abbau des CO2 in der Atmosphäre werden dabei hartnäckig ignoriert. Eventuell würde sich daraus ein etwas breiteres Zeitfenster ergeben. In jedem Fall muss der Mensch seine Wirtschaftsweise ändern und seinen CO2-Ausstoß verringern. Ob abrupt und mit Kollateralschäden oder langsamer und pragmatisch könnte eine Wahl sein.

Der Zero Carbon Park (ZCP) von RLP war das erste Gebäude in Hongkong, das keine CO2-Emissionen produzierte – etwas, das in einem heiß-feuchten Klima notorisch schwer zu erreichen ist. Der für die Öffentlichkeit zugängliche ZCP ist ein Besucherbildungszentrum und beherbergt ein „grünes“ Büro für den Bauindustrierat, ein Demonstrationshaus für kohlenstoffarmes Leben, einen Multifunktionsraum, Hongkongs erstes städtisches Urwaldgebiet sowie andere Landschaftsgestaltungen und Event Spaces. Dieser Park soll als richtungsweisendes Beispiel für kohlenstoffarme, hochgradig energieeffiziente Gebäude dienen und als Lehrmittel sowie lebendige Plattform für Nachhaltigkeit fungieren.

Der Zero Carbon Park von RLP. © Ronald Lu & Partners

Architektur für extreme Temperaturen

Bis 2050 wird die Zahl der Menschen, die von steigenden Temperaturen betroffen sind, stark ansteigen. Städte mit hoher Bevölkerungsdichte werden weitreichende ökologische, soziale und wirtschaftliche Auswirkungen zu tragen haben. Heutzutage bedeuten höhere Temperaturen einen höheren Energieverbrauch zum Kühlen von Gebäuden. Heißes Wetter schädigt den aushärtenden Beton, verringert seine Festigkeit und Haltbarkeit. Höhere Luftfeuchtigkeit verschlechtert und korrodiert die Einbauten. Das bedeutet, dass Architekten Anpassungsstrategien in Form von besserer Gebäudegestaltung in Projekte einbeziehen müssen, die eine klimagerechte Standortplanung und naturbasierte Lösungen wie natürliche Belüftung und Begrünung umfassen.

Entscheidend für die Kühlung in heißen Städten ist eine bessere städtische Belüftung durch offene Übergänge zwischen Gebäuden, vielerlei Luftwege, Bereiche ohne Gebäude oder Gebäudeporosität. Zusätzlich spielten alternative Beschattungs- und Kühlmethoden wie Überdachungen und Wasserspiele (Spray Parks, Splash Pads) eine Rolle. Von enormer Wichtigkeit ist die Begrünung. Grüne Dächer und Wände schaffen eine verbesserte Isolierung, die Energieverluste und Wärmegewinne reduziert. Bäume und andere städtische Vegetation erzeugen Schatten und Kühlung durch Evapotranspiration.

Teambesprechung mit Bryant Lu, Vice Chairman von Ronald Lu & Partners. Foto © Kirk Kenny, Studio Zag

Nachhaltiges Wassermanagement

In heißen Weltgegenden ist die Bereitstellung von Wasser ein Thema. Deshalb greifen Städte zunehmend auf Wassermanagementstrategien zurück, die die natürlichen Prozesse des Bodens nachahmen – Stichwort Schwammstadt. Diese Technik dient dazu, oberflächlich abfließendes Regenwasser zu absorbieren, das dann auf natürliche Weise durch den Boden gefiltert wird. Durch die Filtration des Abflusses können sich Grundwasserspeicher wieder auffüllen und Gewässer regenerieren. Übelriechende Wasserstellen werden beseitigt und natürliche Lebensräume wiederhergestellt.


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