Home Architecture Earth Day 2021 – Singapurs Kreative erarbeiten nachhaltige Lösungen

Earth Day 2021 – Singapurs Kreative erarbeiten nachhaltige Lösungen

von Markus Schraml
Orchideen-Pavillon Singapur

Der Tag der Erde (Earth Day) am 22. April erinnert alljährlich an die Bedeutung von Biodiversität und den Wert der natürlichen Umwelt. Die UN macht aus diesem Anlass auf Verbrechen wie massive Abholzung, intensive Landwirtschaft, Massentierhaltung und illegalen Wildtierhandel aufmerksam. Die Website www.earthday.org veranstaltet ein dreitägiges Aktionsprogramm, in dem unter anderem die Verbindungen zwischen Klimakrise, Pandemie und systemimmanenten Rassismus aufgezeigt werden. Einen weiteren Fokus legen die Organisatoren auf die Wichtigkeit von Klima-Bildung. Unter dem Motto „Restore Our EarthTM thematisiert der Earth Day Live digital Event am 22. April neue grüne Technologien, natürliche Prozesse und innovative Konzepte zur Wiederherstellung von Ökosystemen. Schließlich lädt der US-amerikanische Präsident Joe Biden zum „Leaders Summit on Climate“. 40 Staats- und Regierungschefs werden am 22. und 23. April über Emissionsreduktionen diskutieren.

Eine Stadt mit Vorbildfunktion

Die Klimaerwärmung und der damit einhergehende Anstieg des Meeresspiegels bedrohen küstennahe Städte wie Singapur. Der südostasiatische Inselstadtstaat setzt seit Jahren vorbildhafte ökologische Aktionen und hat mit dem Singapore Green Plan 2030 einen Plan auf den Weg gebracht, der nachhaltige Entwicklungen in allen Bereichen vorsieht. Das Ziel ist, so schnell wie möglich, überhaupt keine Emissionen mehr auszustoßen. Dazu sollen 130 Hektar neue Parks geschaffen und die bestehenden 170 Hektar an Parks bis Ende 2026 mit noch mehr Vegetation bepflanzt werden. Der Plan sieht auch vor, eine Million weiterer Bäume zu pflanzen. Vorhandene Gebäude sollen zusätzlich begrünt werden und Neubauten ab 2030 zu 80 % Super Low Energy-Gebäude sein. Zudem soll die Energieeffizienz des Gebäudebestandes erhöht werden. Das Radwegenetz soll auf 1.320 km ausgebaut und 60.000 Ladestationen für E-Autos geschaffen werden.

Singapore Green Plan 2030

Designer*innen und Architekt*innen arbeiten ökologisch

Das ökologisch geprägte Umfeld und Denken, das die Regierung in Singapur geschaffen hat und kennzeichnet, führte dazu, dass sehr viele Firmen in diesem Bereich tätig sind und sich hier angesiedelt haben. Auch die Dichte der Architekturbüros und Designstudios, die an nachhaltigen Entwicklungen arbeiten, ist besonders hoch. Dazu gehören zum Beispiel die Landschaftsarchitekten von Salad Dressing, die an der diesjährigen Architekturbiennale in Venedig teilnehmen und die zusammen mit WOHA Architects für die Weltausstellung in Dubai (Oktober 2021) an einem biophilen Pavillon für Singapur arbeiten. Das von Chang Huai-Yen 2002 gegründet Büro arbeitet seit 2012 mit dem international bekannten Architekturbüro WOHA zusammen – anfangs für ein Hotelresort in Indonesien. Damals begann das gemeinsame Interesse an biophilem Design, natürlichen Ökosystemen und dem Klimawandel.

Rewilding the Sky in Venedig

Für den Singapur-Pavillon während der Architekturbiennale in Venedig hat Salad Dressing das spekulative Landschaftsprojekt „Rewilding the Sky“ entwickelt. Es ist einerseits eine Präsentation, wie sich Singapur im Lauf der Zeit in eine grüne Stadt verwandelt hat und sich der Trend der Dachgärten immer mehr ausbreitete. Andererseits spekulieren die Designer über eine alternative Skyline für Singapur. Salad Dressing arbeitet multidisziplinär und versucht die Grenze zwischen Landschaftsarchitektur und Ökologie aufzulösen. So auch hier – die Installation stellt zwei Stadtmodelle an einem trennenden Spiegel gegenüber. Das eine Modell zeigt, wie Singapur aktuell aussieht, das andere eine Stadt, die von der Natur dominiert wird. Die Designer*innen stellen die Frage nach dem Verhältnis zwischen Urbanität und Natur, wobei die Natur letztendlich die Oberhand behält und vom Menschen nicht kontrolliert werden kann.

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Essbare Verpackung

Das multidisziplinäre Designstudio Forest & Whale (Gustavo Maggio und Wendy Chua) beschäftigte sich im vergangenen Jahr intensiv mit dem Thema „Reuse“, also der Wiederverwendung. In einem Forschungs- und Designprojekt arbeiten die Kreativen mit der Regierung von Singapur zusammen, um den Plastikmüll bei Lebensmittelverpackungen zu reduzieren – speziell in den sogenannten Hawker Centres Food Courts. Ziel ist es, Plastik für den einmaligen Gebrauch, der vor allem bei Imbissbuden anfällt, zu minimieren, wobei der Schwerpunkt auf der Entwicklung von Kreislaufsystemen und Materialalternativen lag. Berücksichtigung fand dabei nicht nur die Infrastruktur der singapurischen Abfallwirtschaft, sondern auch die asiatische Kultur.

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Forest & Whale haben schließlich einen Salatbehälter entwickelt, der essbar ist und mit Lebensmittelabfällen zusammen kompostiert werden kann. Die beiden Designer untersuchten kompostierbare essbare Materialien und entwarfen schließlich eine Salatbox zum Mitnehmen aus Weizenschalen (Behälter) und PHA (Verbundstoff auf Bakterienbasis für den Deckel). Die Schale ist essbar oder kann auch ohne industrielle Anlage kompostiert werden. Der Deckel ist nicht essbar, – PHA hat ähnliche Eigenschaften wie Plastik – kann aber auch kompostiert werden. Sollte er ins Meer gelangen, zersetzt sich das Material innerhalb von 1-3 Monaten vollständig, ohne dass Mikroplastik zurückbleibt. Die Verpackung soll offiziell im August 2021 gelauncht werden.

Mehr Infos und Aktionen zum Tag der Erde 2021 finden Sie unter www.earthday.org. Oder auf der International Mother Earth Day-Website der United Nations.


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