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Bugholz und Stahlrohr – Thonet & Design

von Markus Schraml
Thonet & Design

Der Münchner Produktdesigner Steffen Kehrle hat anlässlich des 200sten Geburtstages von Thonet im „Die Neue Sammlung – The Design Museum“ die umfangreiche Sammlung von Thonetmöbeln des Museums neu in Szene gesetzt. Ausgehend vom Grundstein des enormen Erfolgs von Thonet: dem Kaffeehausstuhl (bis 1910 wurde der Stuhl Nr. 14 fünfzig Millionen Mal verkauft), wird die Ausstellung vor allem auch jüngere Entwürfe zeigen, ganz dem Titel entsprechend „Thonet & Design“. Denn die Zahl 200 steht nicht nur für einen in dieser Branche einzigartigen Unternehmenserfolg, sondern auch für eine Fülle von hervorragenden Designobjekten.

Die revolutionäre neuartige Technologie des Biegens von massivem Buchenholz brachte Michael Thonet Mitte des 19. Jahrhunderts den internationalen Durchbruch. Diese Technik führte zu einer annähernd industriellen Produktion und aufgrund des Baukastensystems konnte man flexibel kombinieren. Das machte die Herstellung sehr wirtschaftlich. Auch weil die Stühle in ihre Einzelteile zerlegt, platzsparend verpackt und verschickt werden konnten. Thonet-Stühle erfuhren eine enorme Verbreitung – Casinos, Grand-Hotels, Ballsäle und vor allem Kaffeehäuser waren damit bestückt. Autoren wie Arthur Schnitzler verkehrten im Café Griensteidl und lasen dort auf Thonet-Stühlen sitzend ihre Zeitungen. Maler wie Toulouse-Lautrec oder Henri Matisse verewigten Bugholzstühle in ihren Gemälden.

Ende der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts kamen Möbel aus Stahlrohr auf. Und Thonet begann auch in dieser neuen Technologie eine wichtige Rolle zu spielen. So produzierte Thonet ab 1930 – nach der Übernahme von Marcel Breuers Firma Standard Möbel – dessen Entwürfe. Thonet war für die Bauhäusler ein strahlendes Vorbild in Sachen Typisierung und Standardisierung der Produktion. Bindeglieder zwischen der Bugholztechnik und dem Stahlrohrbiegen waren die Klassiker S 32 und S 64. Neben Möbeln von Breuer fertigte Thonet auch Entwürfe von Mart Stam, Ludwig Mies van der Rohe, Le Corbusier oder Charlotte Pérriand. Die frühen Stahlrohrmöbel gelten heute als Ikonen der Designgeschichte.

Dass die Erfolgsgeschichte des Unternehmens nach dem 2. Weltkrieg weiterging, ist dem Urenkel des Firmengründers Georg Thonet zu verdanken. Er ließ das zerstörte Werk im nordhessischen Frankenberg wieder aufbauen und produzierte neue, zeitgemäße Möbel. Damit kam der wirtschaftliche Erfolg bald zurück. Ab den 1960er Jahren begann Thonet wieder mit renommierten Designern zusammenzuarbeiten: Verner Panton oder Pierre Paulin. Und auch die letzten Jahrzehnte der Thonet-Geschichte warten mit den Namen bekannter Designer wie Norman Foster, Alfredo Häberli, James Irvine, Naoto Fukasawa, Piero Lissoni, Hadi Teherani oder Stefan Diez auf. Schließlich arbeitet Thonet in der jüngsten Periode und im Jubiläumsjahr mit jungen Designstars wie Sebastian Herkner, der den Klassiker Nr. 14 neu interpretiert, oder mit dem Hamburger Studio Besau Marguerre, die Mies van der Rohes S 533 neu umgesetzt haben, zusammen.

Steffen Kehrle setzte für Thonet & Design die Objekte in einen hellen, sachlichen Raum, der weite Blicke erlaubt. Zur Ausstellung erscheint eine Publikation bei Koenig Books.

Ausstellungsdauer: 17. Mai 2019 bis 2. Februar 2020.

Ort: Die Neue Sammlung – The Design Museum, Pinakothek der Moderne, München

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