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DAM Preis 2022 für flexibles Wohnhaus in München

von Markus Schraml
DAM Preis 2022

Der Preis des Deutschen Architekturmuseums geht 2022 an die ARGE SUMMACUMFEMMER BÜRO JULIANE GREB für das genossenschaftliche Wohnhaus „San Riemo“ in München. Dieses Wohnhaus, das fast 100 Menschen Platz und ein neues Zuhause bietet, ist das erste realisierte Projekt der 2015 gegründeten KOOPERATIVE GROSSSTADT eG. Die mittlerweile an die 600 Mitglieder zählende Wohnbaugenossenschaft ist sowohl an der theoretischen Erforschung als auch an der Realisierung neuer, teilweise experimenteller Wohnformen interessiert.

Für ihr erstes Wohnbauprojekt hatte die Kooperative einen eigenen Wettbewerb veranstaltet, der mit 62 Einreichungen auf viel Interesse stieß. Aus Kostengründen fiel die letztendliche Realisierungsentscheidung auf das ursprünglich zweitplatzierte Projekt der ARGE SUMMACUMFEMMER BÜRO JULIANE GREB (Anne Femmer, Florian Summa, Juliane Greb, Petter Krag). Das Gebäude verfügt an der Straßenfront über schlanke Wintergärten hinter gewellten Polycarbonattafeln. Durch eine matrix-förmige Raumstruktur sind in diesem Haus unterschiedliche Wohnungsgrundrisse einschließlich gemeinschaftlicher Flächen möglich. Die Jury meint, dass „dieses klug durchdachte und schon jetzt von den Bewohnern vollen Herzens angenommene Haus Maßstäbe in der drängenden Frage nach der Zukunft des Wohnens“ setzt.

Den fixen Kern jeder Wohnung bildet die Küche, die gleichzeitig auch Eingang und Flur ist. Die an der Fassade liegenden nutzungsneutralen Zimmer schließen direkt daran an und können sowohl zusammengelegt als auch anderen Wohnungen zugeordnet werden. So können Wohneinheiten wachsen und schrumpfen sowie Zimmer mit den Nachbarn gemeinschaftlich genutzt werden. Leichtbautrennwände und Türen wurden von den Bewohner*innen selbst mittels Bastelbögen positioniert.

Im Erdgeschoss erstreckt sich ein großer Gemeinschaftsbereich vom Haupteingang bis weit in die Tiefe des Gebäudes. Mit der angrenzenden Gewerbeeinheit, die derzeit Raum für eine Stiftung zur Förderung benachteiligter Jugendlicher bietet, soll das Haus gegenüber dem Quartier Offenheit signalisieren. Waschmaschinen und Abstellflächen in einer Hochregalwand verschwinden hinter freundlich-gelben Vorhängen. Das Pendant zum Foyer unten ist der Dachgarten mit Hochbeeten und Sommerküche oben.

„San Riemo ist erfrischend anders als die Nachbargebäude. Die junge Genossenschaft kann stolz sein auf ihren Mut, ein so aufwändiges Verfahren durchgeführt zu haben. Es hat zu einem schönen und das Lebensglück aller fördernden Haus geführt“, kommentiert Jurorin Christiane Thalgott.

Die Shortlist

Die Jury unter dem Vorsitz von Thalgott bestimmte aus dem Feld der Longlist 22 Projekte für die engere Wahl der Shortlist zum DAM Preis 2022. Eine Auswahl von drei Bauten deutscher Architekten im Ausland kam außer Konkurrenz hinzu sowie ein „Nachzügler-Projekt“ aus dem Jahrgang 2021, das coronamaßnahmenbedingt nicht besucht werden konnte. In Bezug auf den Wohnungsbau hält die Shortlist herausragende neue Ansätze bereit. Das reicht von unterschiedlichen Umbauten über prototypische Grundrisse mit vielfältig nutzbaren Räumen für eine möglichst flexible Anpassung der Wohnungen bis zu Forschungshäusern in verschiedenen Materialien auf der Suche nach möglichst einfachem Bauen.

Arbeitsumgebungen werden durch kommunikationsfördernde Räume und unterschiedliche Bürotypen bestimmt. Das zeigen etwa der Axel Springer Neubau in Berlin und ein Logistikzentrum mit Verwaltung in Walldorf oder eine moderne „Remise“ in einem Berliner Hinterhof. Bei den Kulturbauten stachen das neue Eingangsgebäude des Freilichtmuseums in Molfsee aus zwei archetypischen scheunenartigen Baukörpern und die treppenartig angelegte John Cranko Schule – die Staatliche Ballettakademie – in Stuttgart hervor. Unter den Verkehrsbauten überzeugte eine Rad- und Fußgängerbrücke mit himbeerrotem Innenleben in Darmstadt. Auf einer eigenen Juryfahrt Anfang September 2021 wurden die vier gewählten finalen Bauensembles von der Jury vor Ort besichtigt.

Die Ausstellung zum DAM Preis läuft unter dem Titel „Die 26 besten Bauten in / aus Deutschland“ noch bis zum 27. März im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt. Foto © Moritz Bernoully

Seit 2007 werden mit dem DAM Preis jährlich herausragende Bauten in Deutschland ausgezeichnet. 2022 wird der Preis vom Deutschen Architekturmuseum bereits zum sechsten Mal in Zusammenarbeit mit JUNG als Kooperationspartner vergeben.


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