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Daylight Awards 2022 für Anna Wirz-Justice und Grafton Architects

von Markus Schraml
Grafton Architects receive Daylight Award 2022

Am Internationalen Tag des Lichts der UNESCO (16. Mai) wurden die Gewinnerinnen des Daylight Award 2022 bekannt gegeben. Sie heißen Yvonne Farrell und Shelley McNamara (Grafton Architects) in der Kategorie Architektur und Anna Wirz-Justice in der Kategorie Forschung. „Die Preisträgerinnen sind Beispiele für gemeinsame Themen. Sie stehen nicht nur für internationale Spitzenleistungen in der Tageslichtforschung und -praxis, sondern verkörpern auch einen großzügigen und humanistischen Geist“, meint die Jury.

Daylight Award für Architektur

Über das irische Architekturbüro Grafton Architects von Yvonne Farrell und Shelley McNamara ging in den letzten Jahren ein wahrer Preisregen nieder. 2020 wurden sie mit der höchsten Ehre in der Architekturwelt ausgezeichnet, dem Pritzer Prize. Im selben Jahr erhielten sie auch den Equerre d’Argent Award (bestes Gebäude in Frankreich), 2021 den RIBA Stirling Prize und in diesem Jahr gewannen sie den Europäischen Preis für zeitgenössische Architektur, den Mies van der Rohe Award. Nun gesellt sich auch der Daylight Award dazu.

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„Wir finden es wunderbar, dass es einen Preis für Tageslicht gibt. Dieser Preis erinnert uns daran, dass Licht eines der wichtigsten Materialien in der Architektur ist. Das Erstaunliche am natürlichen Licht ist, dass es auf der ganzen Welt so unterschiedlich ist. Und es ist irgendwie erstaunlich, weil man jedes Mal dazu lernt“, sagt McNamara. Trotz des oft hervorragenden Einsatzes von Tageslicht wird es von Farrell und McNamara in ihren Konzepten nur selten explizit erwähnt. Doch ihre Projekte sprechen für sich selbst. Sie bringen das Licht immer dorthin, wo es gebraucht wird und leiten es dabei oft tief in die gebaute Struktur hinein. Es ist eine fast unglaubliche Fähigkeit der Architektinnen, das Tageslicht sowohl vertikal als auch horizontal in die oft dicken und geschichteten Gebäudekörper zu lenken.

Licht und Raum

„Wir beschreiben unsere Architektur als Physik des Raums, Physik der Kultur. Was wir wirklich versuchen, ist, die Umweltbedingungen des Ortes einzufangen, damit die Menschen ihn genießen können“, erklärt Farrell. „Unsere Beziehung zum Licht beginnt mit der Betrachtung des Sonnenwinkels, einem der Aspekte, mit dem wir uns sehr intensiv beschäftigen. Auf dem Weg in die zukünftigen Zeiten der Nachhaltigkeit sollten wir uns bewusst sein, dass Licht eine außergewöhnliche Energie ist, es ist nicht nur ein visueller Genuss.“

Daylight Award für Forschung

Anna Wirz-Justice erhält den Daylight Award für ihre bahnbrechende Forschung im Bereich Licht als biologischer Stimulus. Es geht um den zirkadianen Rhythmus und den Schlaf des Menschen und wie beides durch Licht reguliert wird. „Der Daylight Award für Tageslichtforschung ist eine große Überraschung und eine große Ehre, für die ich sehr dankbar bin, denn er wirft ein Schlaglicht auf unser Gebiet der Chronobiologie und das wachsende Wissen, wie wichtig Tageslicht für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden ist. Ich hatte das Glück, in einer außergewöhnlichen Ära zu leben und zu arbeiten, in der die Wissenschaft der biologischen Rhythmen erwachsen wurde“, sagte Anna Wirz-Justice anlässlich der Preisverleihung.

Anna Wirz-Justice erhält den Daylight Award 2022 in der Kategorie Forschung. © The Daylight Award

Wirz-Justice untersucht die Zusammenhänge zwischen „abnormaler Lichtexposition“ und psychischer Gesundheit. Sie führte die Lichttherapie in Europa ein und untersuchte ihren Einsatz bei saisonal abhängigen Depressionen (SAD), nicht saisonalen Depressionen, Borderline-Persönlichkeitsstörungen und Demenz. Diese Arbeit ermöglichte es sowohl die wissenschaftliche als auch die therapeutische Anwendung von Licht zur Behandlung verschiedener psychischer Erkrankungen zu etablieren. Wirz-Justice verfasste gemeinsam mit Kollegen dazu ein Handbuch für medizinisches Fachpersonal, das eine evidenzbasierte Lichtbehandlung zur Verbesserung von Stimmung und Schlafstörungen enthält.

Die Bedeutung des natürlichen Tag-Nacht-Zyklus versucht Wirz-Justice in unterschiedlichen Bereichen zu vermitteln, auch durch Architektur und Kunst. Links – Selbstporträt (ART Basel), rechts – Venice Biennale 2014. © Wirz-Justice

Tageslichtforschung und Architektur

Anna Wirz-Justice hat ihre Wissenschaft im öffentlichen Sektor bereit verankert, denn die Bedeutung des Tag-Nacht-Zyklus und dessen Einfluss auf Psyche und Physiologie ist in vielen Bereichen relevant. „Die Forschung über die weitreichenden Auswirkungen des Lichts auf den Menschen, unabhängig vom Sehvermögen, hat die Architektur im letzten Jahrzehnt verändert. Sie hat neue Beleuchtungsnormen initiiert, um nicht-visuelle Effekte des Lichts als notwendig für die Gesundheit einzubeziehen. Sie hat das Interesse an dem enormen Potenzial des Tageslichts als Ergänzung zum Kunstlicht wieder geweckt“, betont Wirz-Justice.

Die Forscherin ist der Überzeugung, dass Licht für die Gesundheit des Menschen essenziell ist. Eine angemessene Lichtexposition synchronisiert das zirkadiane Zeitsystem und ermöglicht es, optimal auf die vielfältigen Anforderungen des Tag-Nacht-Zyklus zu reagieren. Ohne diese tägliche Synchronisation geraten die zirkadianen Zeitsysteme aus dem Gleichgewicht. Zu den Folgen der sogenannten zirkadianen Dysregulation gehören Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Impulsivität und verminderte Konzentration, Wachsamkeit, Leistung und Kreativität. Langfristig besteht ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Fettleibigkeit, Typ-2-Diabetes, Krebs und psychische Erkrankungen.

„Wir und viele andere haben bei neuen Krankenhäusern oder Altenheimen mit Architekten zusammengearbeitet … Ich denke also, dass wir einen Wissensstand erreicht haben, bei dem Chronobiologen und Architekten miteinander reden können, um die Qualität der gebauten Umwelt im Hinblick auf die gesundheitsfördernde Wirkung des Tageslichts zu verbessern“, glaubt Anna Wirz-Justice.

Über den Award

Der Daylight Award wurde von den Stiftungen VILLUM FONDEN, VELUX FONDEN und VELUX STIFTUNG ins Leben gerufen und wird alle zwei Jahre in zwei Kategorien verliehen. Der Preis wird in Form von persönlichen Preisen vergeben, und zwar jeweils in Höhe von 100.000 Euro.


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