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Der Mensch als Biotop – Sonja Bäumel für die Triennale Milano

von redaktion
Sonja Bäumel, Triennale Milano

Mit der Installation ENTANGLED RELATIONS – ANIMATED BODIES vertritt die Künstlerin Sonja Bäumel Österreich bei der 23. Internationalen Ausstellung der Triennale Milano (15. Juli – 11. Dezember 2022). Bäumel lotet mit ihrer Arbeit die Grenzen des menschlichen Körpers und dessen lebenswichtige Beziehung zur mikrobiellen Welt aus. Hier geht es um nichts weniger als ein radikales Umdenken in Bezug auf das Verständnis des menschlichen Selbst.

„Der Mensch ist ein wandelndes Biotop. Hunderttausende Mikroorganismen, darunter Bakterien, Archaeen, Eukaryoten, Viren, Hefen und Parasiten, leben in, auf und um menschliche Körper und halten sie am Leben. Wie sehr wir es auch versuchen, wir können uns den lebenswichtigen Verflechtungen mit der mikrobiellen Welt nicht entziehen“, betont Bäumel und stellt die Frage: „Was wäre, wenn wir uns den menschlichen Körper nicht als etwas Singuläres vorstellen, sondern als einen Ort, an dem es keine Kategorien wie Spezies und Geschlecht gibt, als einen Ort der vielfältigen sozialen und biologischen Verwobenheit?“

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Performativ – multisensorisch

In der Installation wird eine überlebensgroße, 40.000-fach vergrößerte Amöbe gezeigt, die auf Basis von Daten des Science Visualization Lab der Universität für angewandte Kunst Wien entwickelt und in monatelanger Handarbeit von der Künstlerin in Zusammenarbeit mit Vitalie Leșan produziert wurde. Die spektakuläre Skulptur aus Papiermaché expandiert in den Raum und geht eine symbiotische Beziehung mit den transparenten Fragmenten einer menschlichen Figur ein, die von der Choreografin und Performerin Doris Uhlich zum Leben erweckt wird. Die Performances finden zu ausgewählten Terminen statt. Zum Beispiel am Eröffnungstag um 11:30 und 14 Uhr (Viale Alemagna 6, Milano).

Die Installation wird durch eine Projektion einer echten Amöbe nach Videoaufnahmen des niederländischen Künstlers Wim van Egmond überlagert, die mit Unterstützung des Dynamic Projection Institute entwickelt wurde. Bäumel hat gemeinsam mit Eva Mahlhov auch einen Sound gestaltet, der die mikrobielle Welt im Raum akustisch erlebbar machen soll.

Mikroben als lebenswichtige Partner

Mit dieser Arbeit setzt Bäumel ein starkes Zeichen für ein Überdenken unseres Verhältnisses zu Mikroben, die bisher nur als Krankheitserreger gesehen wurden. Anstelle dieser negativen Perspektive sollten die Beziehungen zwischen verschiedenen Lebensformen und vor allem überlebenswichtige Symbiosen neu definiert werden, ist Bäumel überzeugt.

Sonja Bäumel, expanded self, 2012. © Norbert Miguletz

Die Installation ENTANGLED RELATIONS – ANIMATED BODIES wurde vom MAK beauftragt und vom österreichischen Bundesministerium für Kunst, Kultur, Öffentlichen Dienst und Sport gefördert. Der diesjährige Österreich-Beitrag steht ganz im Zeichen des Themas der Triennale Unknown Unknowns. An Introduction to Mysteries. Unter der kuratorischen Leitung von Ersilia Vaudo, Astrophysikerin und Chief Diversity Officer der Europäischen Weltraumorganisation (ESA), sollen interdisziplinäre Perspektiven zu den vielen Unbekannten auf unserem Planeten eröffnet werden.

Video der Trees of Life-Ausstellung in Frankfurt, 2019


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