Home Award Design für das Gemeinwohl – Sep Verboom, Designer of the Year

Design für das Gemeinwohl – Sep Verboom, Designer of the Year

von Markus Schraml
AYA ist eine Rattan-Kollektion, die alte indonesische Handwerkskunst mit Verbooms Designer-Fähigkeiten verbindet.

Der Gewinner der diesjährigen Ausgabe des Designer of the Year Awards von Kortrijks Biennale Interieur heißt Sep Verboom. Die Jury trifft damit eine sehr zeitgemäße Entscheidung, denn der junge belgische Designer versteht seinen Beruf als eine Verbindung aus sozialem Engagement, ökologischer Achtsamkeit und lokalem Handwerk. In diesem Sinne zählt für ihn weniger das Endergebnis, sondern vielmehr der Kontext, in dem seine Arbeit stattfindet. „Es ist nicht mehr zeitgemäß, bloß das Aussehen oder die Verkaufbarkeit eines Designs zu berücksichtigen“, sagt der Designer aus Gent. „Meine Designs ergeben sich aus einer bestimmten Frage oder einem bestimmten Bedarf. Was die Langlebigkeit von Design betrifft, haben wir noch einen langen Weg vor uns. Mein Ziel ist es, einen alternativen Ansatz anzubieten“, betont Verboom.

2012 schloss der heute 29-jährige Designer sein Industriedesign-Studium am Howest in Kortrijk ab. Daran anschließend erwarb er eine postgraduale Qualifikation im Bereich „Langlebige Entwicklung“. Vor fünf Jahren gründete er sein eigenes Livable® Label. Unter diesem Namen setzt Verboom sehr unterschiedliche Projekte um. Viele davon fußen auf tiefgehenden Recherchen, die zu innovativen Lösungen führen. Dies geschieht in der Regel in Zusammenarbeit mit offiziellen Institutionen und Organisationen sowie Kurator*innen und Partnern aus der Industrie. Vorrangig arbeitet Verboom mit kleinen Communities zusammen, um innovative, kreative Wege zu finden, die dem Gemeinwohl dienen, die aber nicht immer in konkrete Objekte münden müssen. Allerdings beinhalteten die Ergebnisse solcher Kooperationen in der Vergangenheit beispielsweise Teppiche, Beistelltische, Holzschalen oder Keramikskulpturen.

Design-Produkte aus weggeworfenen Ventilator-Abdeckungen auf den Philippinen.

Im Zuge einer dieser Kooperationen besuchte er den peruanischen Amazonas, wo er in Zusammenarbeit mit AIDER und der flämischen NGO Bos+ die Produktionskette für zertifiziertes Holz untersuchte. Ein anderes Projekt führte Verboom auf die Philippinen, wo er in der Cebu-Provinz traditionelle Webtechniken mit Abfallprodukten kombinierte. Typisch für Verbooms Projekte ist die Verbindung aus lokalem Handwerk, gemeinschaftlichem Engagement, zeitgenössischem Design und sozialem Bewusstsein. Wobei er größten Wert auf Transparenz in allen Projektphasen legt. Verboom versteht sich eher als jemand, der Projekte in Gang setzt und koordiniert, und weniger als Designer im klassischen Sinne. „Wenn ich Fotograf wäre, wären Fotos vielleicht das Endergebnis eines Projekts. Unabhängig vom Ergebnis der jeweiligen Forschung geht es mehr um Umwelt und den Prozess als um das endgültige Ziel“, sagt er.

JIWI ist eine sehr persönliche Suche Verbooms im peruanischen Amazonas nach dem wirklichen Nutzen von zertifiziertem Holz. Ein Film von Beeldhouwers, Musik Susobrino.

Im Jahr 2018 erhielt Verboom den „de Henry van de Velde“-Award für junge Talente von Flanders DC. Zu dieser Zeit arbeitete er auch an der ersten Kollektion für vol+maakt, einer in Gent ansässigen Initiative, die junge Kreative unterstützt. Verboom steuerte Buchstützen aus Stein und eine Tischleuchte bei. Derzeit arbeitet Verboom gemeinsam mit Circular Matters und Pro Natura an der Untersuchung von biobasierten Lösungen, um aus Bioabfällen biologisch basierte Materialien zu gewinnen und um herauszufinden, wie dies zu weiteren neuen Prozessen führen kann. Zur Auszeichnung „Designer of the Year“ sagt Verboom: „Es freut mich sehr, dass dieser innovative Ansatz anerkannt wird. Die Idee des Designers als Formgeber wird weitergedacht in Richtung eines vollständigen Designprozesses. Das zeigt die Vielfalt innerhalb der Welt des Designs.“

vol+maakt ist ein sozial-ökonomisches Co-Creation-Projekt, das nach einer langfristigen Kollaboration zwischen Gemeinwohl- und normaler Wirtschaft strebt. Beteiligte Designer*innen: Valerie Bervoet, Cas Moor und Sep Verboom.

Die Auszeichnung „Designer of the Year“ wird von einer Ausstellung begleitet (noch bis 15. November im Interieurhuis, Groeningestraat 37, 8500 Kortrijk, Belgien), die von den internationalen Reisen des Designers der letzten Jahre bis zu einem „Open Call“ reicht, mit dem er für seine beiden jüngsten Projekte lokale Hersteller und globale Organisationen einlädt, mitzumachen. Außerdem hat Verboom die Livable® Platform gestartet, eine neue Richtung in seiner Arbeit. Mit Workshops, Vorträgen und Coaching-Veranstaltungen möchte der Designer verschiedene Partner einbeziehen, um seine Forschungen zu neuen Arbeitsweisen fortzuführen und seinen sozialen, ökologischen Designansatz zu fördern.

„Caro barro“ erzählt die Geschichte von Keramikhandwerkerinnen im Tal von Jequitinhonha (Brasilien), das sich durch riesige Eukalyptus-Plantagen stark nachteilig verändert hat.

Die Jury des Preises bestand aus Vertreter*innen der Biennale Interieur, den Magazinen Knack Weekend und Weekend Le Vif, dem Designmuseum Gent sowie CID Grand-Hornu.

Sep Verboom, Designer of the Year
Sep Verboom ist „Designer of the Year“ 2020 der Biennale Interieur Kortrijk. © Foto: Aaron Lapeirre
Dies war eine Intervention der Livable-Plattform für den „United Nations Global Call out to Creatives“, um die Ausbreitung von COVID-19 zu verhindern. Modeling & Styling: Florentien Pletinckx, Fotografie: Karen Eloot & Pieter Vanoverberghe.

Weitere TOP-Artikel

Diese Website verwendet Cookies. Bitte akzeptieren Sie, um fortzufahren. Akzeptieren Informieren