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Design für die Schwerelosigkeit

von Markus Schraml

Während Elon Musks SpaceX die erste bemannte Raumfahrtmission bereits erfolgreich absolviert hat, befindet sich Konkurrent Virgin Galactic noch in der Testphase. Die Ziele beider Privatunternehmen sind allerdings unterschiedlich. Musk will letztendlich zum Mars fliegen, Virgin Galactic-Gründer Sir Richard Branson den Weltraum-Tourismus – insbesondere das Erlebnis der Schwerelosigkeit – für Tausende möglich machen. Dafür reicht ein suborbitaler Raumflug, bei dem es nach der Sicherheit der Passagiere vor allem um die User Experience geht. Unlängst wurde das dazu wichtige Kabinendesign des SpaceshipTwo von Virgin Galactic präsentiert. Für das Design arbeitete das Unternehmen mit der Londoner Designagentur Seymourpowell zusammen und hat einen Innenraum entwickelt, der ganz auf das Erlebnis des Raumfahrttrips ausgerichtet ist.

Das Interieur strahlt Modernität und Sicherheit aus. Texturen, Farben und Formen sollen ein Gefühl des Vertrauens vermitteln. Individuell anpassbare Sitze aus hochwertigem Aluminium sowie Kohlefaser verstärken dieses Gefühl. Komfort für Astronaut*innen bedeutet die Verwendung von speziellen Schaumstoffen und technischen Stoffen, um die Performance der Einrichtung zu optimieren. Das gleiche Unternehmen, das auch die Raumanzüge für Virgin Galactic designt hat – Under Armour – zeichnet ebenfalls für die Stoffe der Kabinensitze verantwortlich. Dafür wurde ein funktioneller, atmungsaktiver 3D-Strickstoff entwickelt.

Jeder Sitz wurde so konstruiert, dass er der Flugdynamik gerecht wird. Ein von den Piloten gesteuerter Rückstellmechanismus hilft dabei, die G-Kräfte, die beim Beschleunigen und beim Wiedereintritt auf die Passagiere wirken, zu optimieren. Gleichzeitig kann damit der Kabinenraum so arrangiert werden, dass die Passagiere das Schweben in der Schwerelosigkeit maximal genießen können. Die Kabinensitze sind derart gestaltet, dass sie einen nahtlosen Übergang vom Sitzen zum freien Schweben ermöglichen.

Eine weitere wichtige Komponente ist die Gestaltung des Lichts. Mehrfarbige LEDs in den Fenstereinfassungen unterstützen auf sehr subtile Art und Weise die menschliche Reaktion auf die einzelnen Flugphasen. Auf dem Höhepunkt der Reise, wenn die Erde vor dem schwarzen Weltraum in Sicht kommt, wird jegliche Beleuchtung ausgeschaltet, um den atemberaubenden Blick durch nichts zu stören. Die Einfassungen der 12 Fenster sind weich, damit die Weltraumreisenden einen möglichst freien, vollen Blick auf den Heimatplaneten genießen können. Einmalig ist die Installation eines kreisförmigen Spiegels an der hinteren Trennwand, wodurch die Passagiere sich selbst beim Schweben beobachten können.

Die Bildschirme an den Rückenlehnen der Kabinensitze liefern digitale Flugdaten aus dem Flugdeck. Das integrierte Kommunikationssystem verbindet jeden Passagier direkt mit den beiden Weltraumpiloten. Für die bisher 600 angemeldeten zukünftigen „Astronauten“ wird auch das Thema Dokumentation von Wichtigkeit sein. Deshalb sind in der Kabine 16 Kameras verbaut, die gemeinsam mit den Cockpit- und den externen Kameras alles genau einfangen. Vom simplen Instagram-Post bis zu einem persönlichen Film ist damit alles machbar. Michael Colglazier, der neue CEO von Virgin Galactic hält die Faszination eines Raumfluges für universal und die Präsentation des Kabinendesigns für einen wichtigen Meilenstein: „Das Kabinen-Interieur des Raumschiffs ist in vielerlei Hinsicht das Kernstück des Designs für eine Astronauten-Reise. Was hier kreiert wurde, wird den Tausenden, die fliegen werden, eine einzigartige, tiefgreifende und transformierende Reise ermöglichen.“ Wann es soweit sein wird, dass die ersten Weltraum-Touristen ins All befördert werden, ist noch ungewiss. Bis dahin müssen sich Interessierte mit der neuen App zufriedengeben, die mittels moderner AR-Technologie einen Eindruck vom Weltraumreisen vermittelt.

Richard Branson, der Gründer der Virgin Group betont, dass diese Kabine speziell dafür entwickelt wurde, um den Traum vieler Menschen von einer Raumfahrt auf sichere Art in die Realität umzusetzen. „Als wir Virgin Galactic schufen, begannen wir mit dem, was wir für ein optimales Kundenerlebnis hielten, und bauten dann das Raumschiff drum herum. Mit dieser Einstellung werden wir fortfahren, unsere Flotte zu erweitern, Operationen aufzubauen und die Position von Virgin Galatic als die Raumlinie für die Erde zu untermauern“, sagt Branson.


 

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