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Die visuelle Identität der Olympischen Spiele Paris 2024

von Markus Schraml
Paris 2024, The Look of the Games

Im Jahr 1924 wurden in Paris das letzte Mal Olympische Sommerspiele ausgetragen. Einhundert Jahre später wird es wieder so weit sein. Der Präsident von „Paris 2024“ Tony Estanguet spricht von Paris als einer Party und unter anderem davon, dass die Spiele „hervorragende visuelle Momente“ bieten sollen. Das wird auch durch die grafische Gestaltung unterstrichen, die unter dem Motto „The Look of the Games“ den Geist dieser Spiele am intuitivsten verkörpern soll.

Wie sieht dieser Geist aus und wie wird er in Farben und Formen übersetzt? Für Estanguet steht das Grafikdesign für ein elegant-ästhetisches, explizit französisches Lebensgefühl, das an den Sportstätten und Ständen sowie im Fernsehen und Internet vermittelt werden soll. Die visuelle Identität der Spiele 2024 entstand auf Basis von vier Hauptthemen: Festlichkeit, Transfer, Rationalisierung und Personalisierung.

Die pastellfarbenen Grafiken sollen Paris als bunten, lebensfrohen Veranstaltungsort der Spiele kennzeichnen. © Paris 2024

Art déco als Inspiration

Die Olympischen und Paralympischen Spiele Paris 2024 sollen mehr denn je ein Fest des Sports und der Gemeinsamkeit sein. Deshalb ist die visuelle Identität besonders farben- und lebensfroh. Gleichzeitig soll die Eleganz bewahrt werden, die Paris als Stadt der Mode verkörpert. Die Kreativen nahmen dafür Inspirationen aus der Art déco-Bewegung und erinnern damit auch an das letzte Austragungsjahr 1924, eine Zeit, in der diese Kunstrichtung ihre Hochphase erlebte. Diesbezügliche Rückbesinnungen sind seit einigen Jahren auch in anderen Bereichen zu beobachten, wie in der Arbeit Elena Salmistraros oder in der Teppichkollektion von Arthur Arbesser für Wittmann. Die Einflüsse der Wiener Moderne und des Jugendstils treten dort unübersehbar zutage.

Das Centre Pompidou in „Paris 2024“-Gewand. © Paris 2024

Die visuelle Identität wurde für die Olympischen und die Paralympischen Spiele gemeinsam entwickelt – mit minimalen Änderungen. Zudem sollen die Spiele alle Regionen des Landes zusammenbringen – auch in grafischer Hinsicht. Deshalb wird der Look des jeweiligen Events an die Veranstaltergemeinde oder den Partner angepasst.

Phrygische Mütze, Marianne, Pflastersteine

Der Look der Spiele ist reich an symbolischen Anspielungen und Bedeutungen. Neben der Marianne (personifizierte Nationalallegorie Frankreichs) im Logo und den phrygischen Mützen der Maskottchen hat der Pflasterstein einen Ehrenplatz erhalten. Er ist ein integraler Bestandteil der französischen Stadt und historischen Landschaft. Der Pflasterstein wird seit der Antike genutzt und wurde in Paris ab dem Mittelalter entwickelt, um im 19. Jahrhundert aufgrund des Aufkommens von komplexeren Verkehrssystemen weitere Verbreitung zu finden. Diese quadratischen, nebeneinander angeordneten Pflastersteine dienten nun als Maßeinheit für das kreative Raster, das für die Spiele entworfen wurde. Sie können beliebig zusammengesetzt und angepasst werden, um das materielle und immaterielle Erbe Frankreichs darzustellen, und wurden mit drei verschiedenen Arten von Symbolen ausgestattet: mit Bildern des Sports, emblematischen Orten oder Bildern, die auf die französische Lebensart Bezug nehmen. Die Pflastersteine werden pastellblau, rot, grün und violett eingefärbt. Diese Farben sollen den Reichtum und die Vielfalt Frankreichs repräsentieren.

Das Logo von Paris 2024 kombiniert drei symbolische Komponenten: die Medaille, die Flamme und eine Marianne, die die Republik repräsentiert. © Paris 2024

Künstlerische Piktogramme

Im Februar 2023 wurden auch die 62 Piktogramme für die olympischen und paralympischen Spiele präsentiert. Paris 2024-Präsident Tony Estanguet sieht darin nicht nur Piktogramme, sondern „Ehrenabzeichen“. „Mit diesen Ehrenabzeichen feiern wir die ganz besondere Verbundenheit, die Enthusiasten und Mitglieder der Sportgemeinschaft verbindet. Sie verkörpern die Zugehörigkeit zu einem Sport, zu Werten, zu einer Gemeinschaft, zu einer Familie“, begeistert sich Estanguet und meint, dass sie eine Art Verbindung von der Welt des Sports und der Kultur im öffentlichen Raum seien.

Tatsächlich sind die Piktogramme sehr künstlerisch geraten und auch schön anzusehen, wenn man aber danach im olympischen Trubel seinen Weg und sein Ziel finden soll, wird dies – vor allem für Menschen aus anderen Kulturkreisen – teilweise nur schwer möglich sein. Hier wurde die Klarheit zugunsten der Kunst geopfert. Paris 2024 spricht von der Schaffung einer universellen Sprache, eine Sprache, die man allerdings erst lernen muss und keineswegs auf Anhieb versteht. Aus praktischen Gründen werden in der tatsächlichen Anwendung im Laufe des Sommers 2024 die Piktogramme wohl nur gepaart mit Hinweisen in lateinischer Schrift zu sehen sein.

Farbenfroh sind auch die Piktogramme geplant. Will man wirklich verstehen, was gemeint ist, braucht es in vielen Fällen einen expliziten Hinweis. © Paris 2024

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