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Design im Zeitalter der Veränderung

von Markus Schraml

 

Die Menschheit verbraucht heute rund 50 % mehr natürliche Ressourcen als noch vor 30 Jahren. Das entspricht etwa 60 Milliarden Tonnen Rohstoffe pro Jahr und verursacht 2,2 Milliarden Tonnen Hausmüll. Bis 2050 wird sich dieser Wert voraussichtlich verdoppeln. Soweit die Fakten und die Ausgangsbasis für eine Ausstellung des kollaborativen Netzwerks non:agency mit dem Titel „The Age of.“ Es ist das Ergebnis eines zwei Jahre langen Forschungsprojekts und wurde von den Designerinnen Jenny Lee (GB) und Petra Lilja (S) kuratiert. Die drei Teile der Schau, die im Rahmen der Stockholm Design Week im Volvo Studio zu sehen war, thematisierten die Gegenwart, die nahe und ferne Zukunft unter dem Gesichtspunkt der notwendigen Veränderungen für ein verständnisvolleres Zusammenleben von Mensch und Natur: The Age of. Humans, The Age of. Consciousness und The Age of. Entaglements.

The Age of. Humans

In einem Film wurden die traurigen Tatsachen aufs Tapet gebracht. „Keine andere Spezies hatte einen derartig massiven Einfluss auf den Planeten“, schreiben die Organisatoren. „Die menschliche Bevölkerung wächst, und wir konsumieren Ressourcen in einem stetig steigenden Ausmaß – was die Oberfläche der Erde verändert und zu ökologischen Schäden in den Bereichen Wasser, Land, Biodiversität und marinem Leben führt.“ Als Grundproblem für diese Situation sehen die Ausstellungsmacher die Vorstellung des Menschen als von der Natur getrennt. Dies würde zu einer falschen Rechtfertigung führen, die es dem Menschen erlaube, andere Spezies und den Planeten schamlos auszubeuten. Oder wie es die belgische Philosophin Vinciane Despret ausdrückt: „Unsere Vorstellungskraft ist so beschränkt oder so egozentrisch, dass wir glauben, dass, wenn Außerirdische zu Besuch kommen würden, sie ausgerechnet uns kontaktieren würden.“

The Age of. Consciousness

Im Ausstellungsteil Zeitalter der Besinnung werden Marken und Designer*innen präsentiert, die an einer neuen Designlandschaft mitarbeiten, in der Achtsamkeit gegenüber der Natur, natürliche und ökologische Modelle das Ethos einer zukünftigen symbiotischen Ökologie untermauern. Es geht um die ernsthafte Auseinandersetzung mit der Frage, welchen Einfluss hat unsere Produktionsweise auf die Menschen und seine planetarischen Mitbewohner. Unternehmen, die die Notwendigkeit von Veränderungen erkannt haben, arbeiten an restaurativen und regenerativen Lösungen, die oftmals der Natur nacheifern. Die Palette reicht von den neuesten Materialentwicklungen von Bolt Threads, die Stella McCartney für ihr Spinnenseidenkleid verwendet hat und wo die traditionelle Herstellung durch eine biologische ersetzt wird, bis zu Null-Abfall-Systemen wie zum Beispiel die neueste Keramik-Kollektion von Granby Workshop, die aus 100 % Abfall besteht. Die Natur ist das Vorbild, mit dem nachhaltige Systeme entwickelt werden können, in denen Luxus nicht mehr Überfluss bedeutet, sondern Reduktion.

The Age of. Entanglements

Im Zeitalter der Verknüpfung/Verflechtung geht es um das Thema Leben auf dem Mars. Warum beschäftigt sich der Mensch lieber mit dem Leben auf anderen Planeten, als mit der eigenen Erde sorgsam umzugehen? Die Designer haben sich des Weltraums angenommen und den Fokus umgedreht, um ihn wieder auf die Erde zu richten. Gerade bei der Entwicklung von Technologien für den Weltraum und lebensfeindliche Planeten sind unabhängige lebenserhaltende System die Regel. Der völlig verschwendungsfreie Umgang mit Ressourcen, kann im Umkehrschluss auch Lösungen für die Erde und einen klaren Blick auf die ausbeuterische Lebensweise des Menschen bieten. Außerdem geht es darum, was der Mensch von anderen nachhaltigeren, symbiotischen Lebensweisen, von unterschiedlichsten Organismen und nicht empfindungsfähigen Wesen lernen kann. Hier werden Geschichten von raffgierigen kolonialen Vergangenheiten, dem menschlichen Körper als Garten oder als Multispezieswesen erzählt. Geschichten von nichtmenschlichem außerirdischem Leben und Geschichten aus der Perspektiven von Flechten, Weltraumkorallen und Bakterien.

 

The Age of. wurde von non:agency produziert und von Kulturbryggan, Sparbanksstiftelsen und Volvo Studio gefördert. Partner des Projekts sind STPLN, Form/Design Center, The French Institute, RIAN Design Museum, edit. und RIAS.

Kuratorinnen: Jenny Lee und Petra Lilja

Ausstellungsdesign: Tove Alderin Studio

Film: Zoe East, Voiceover von Leah Ireland

Grafikdesign: Jenny Lee, TAE catalogue: Simon Nilsson und Gustaf Montelius

Projektassistentinnen: Freja Kræmmer Nielsen, Alessia Signorelli, Catarina Santos und Tisha Hupkes



 

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