Home Design Für mehr Wohnlichkeit – Teppiche und Tapeten

Für mehr Wohnlichkeit – Teppiche und Tapeten

von Markus Schraml
Fritz Hansen, Rugs, Manz

Tapeten und Teppiche verleihen jedem Interieur Atmosphäre und Wohnlichkeit. Beides kann sowohl großflächig als auch akzentuierend eingesetzt werden. Neben spezialisierten Herstellern von Wohntextilien und/oder Tapeten wie Kvadrat, kymo, Illulian oder Carpet Edition bieten auch Möbelproduzenten, die den Anspruch auf Komplettausstattung des Interieurs erheben, Teppiche an. So hat Fritz Hansen im vergangenen Jahr seine erste Teppichkollektion präsentiert. Die dänische Designerin Cecilie Manz erarbeitete dafür gemeinsam mit cctapis vier Teppichentwürfe. „Ich liebe es, mit Farben zu arbeiten. Es fühlt sich gut an, weil es mit Freude verbunden ist. Nichtsdestotrotz verwende ich oft Grautöne und sehr zurückhaltende Nuancen, die man in der Natur im Herbst/Winter oder am Meer findet. Aber nur in blassen Tönen zu leben, wäre für mich schrecklich. Man braucht hier und da ein paar kräftigere Töne. Bei diesen Teppichen eignet sich das Wolltextilmaterial perfekt für tiefe, intensive Farbtöne. Durch die Tiefe bietet es Variationsreichtum“, erklärt Manz. Unterschiedliche Tufthöhen in den Mustern machen diese Teppiche dreidimensional. Die in Indien per Hand hergestellten Teppiche werden mit säurefreiem Farbstoff gefärbt. „Es war mir wichtig, dass die Teppiche sowohl zu Fritz Hansens eher klassischen Stücken als auch zur zeitgenössischen Kollektion passen. Der große, dezente Teppich in zurückhaltenden Tönen schafft zusammen mit ein paar Poufs oder einem ikonischen Stuhl einen ruhigen Raum. Die kleinen Teppiche in intensiveren Farben kommen allein gut zur Geltung wie ein Farbklecks auf dem Boden”, sagt Manz.

Der italienische Badspezialist antoniolupi versucht sich erstmals an der Wandgestaltung und hat Gumdesign mit der Kreation einer Tapete beauftragt. Das Ergebnis heißt „Tralerighe“ und zeigt ein Spiel aus horizontalen, vertikalen und schrägen Linien. Geometrie und Farben beziehen sich auf Badezimmer-Produkte aus dem Portfolio von antoniolupi, wie die bekannten Waschbecken „Bolgheri und „Gessati“. Einen völlig anderen gestalterischen Ansatz verfolgt Instabilelab mit seiner neuen Limited Edition „Oronero“. Der Anspruch, die Grenzen des Tapetendesigns auszudehnen, mündet hier in einer Haute Couture-Tapete, die auf recht plakative Art einen Totenkopf ins Zentrum stellt. Der Schädel der „Skull“-Kollektion wurde dabei nicht zufällig gewählt, ist er doch eine Ikone des Unternehmens. Er wurde veredelt und in vier verschiedene Farbvarianten übersetzt. Der zweite Teil der limitierten Edition heißt „Prestige“, ist weit traditioneller und erinnert mit üppigen Naturdarstellungen auf goldfarbenem Papier an venezianische Gewebe.

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Außergewöhnliche Tapetenmuster finden sich auch in der „Kronos“-Kollektion von WallPepper®. Als besonderer Kontrast zu modernen Interieurs spielt das Design von „Dissolvenze“ auf die Vergänglichkeit der Errungenschaften der Kultur an. Halb verblichene Texturen wirken wie renovierungsbedürftige Wanddarstellungen, und doch streifen sie in einem zeitgenössischen Ambiente ihre Morbidität ab. Hier überwiegt der intendierte Kunstcharakter. Die Kollektion „Levante“ begibt sich in den Fernen Osten. Es überwiegen florale Muster oder Tierdarstellungen. Herausragend ist das skizzenhafte Bild der Tapete „Tokyo“, das mit zarten Farbschattierungen eine Erinnerung aus der Geschichte Japans evoziert.

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Die populäre „Lan“-Kollektion, die Neri&Hu für GAN entworfen haben, wurde 2020 um eine neue, Natürlichkeit ausstrahlenden Farbe erweitert. „Lan Natural“ trägt weiche, neutrale Farbtöne und wird wie das Original mit zwei unterschiedlichen Webtechniken hergestellt. Für die Basis wird „Glaoui“ verwendet, eine Kombination aus hochflorigen und flachen Bereichen, worauf handgestickte geometrische Muster aufgesetzt werden. Die typische Herangehensweise von Rossana Hu und Lyndon Neri, orientalische und westliche Stile zu verbinden, ist auch hier zu sehen. Natürlichkeit strahlen ebenfalls die Papiergarnteppiche der „Earth“-Kollektion von Woodnotes aus. Langlebigkeit, Harmonie und Einfachheit kennzeichnen die Philosophie des finnischen Unternehmens und genau diese Eigenschaften treffen auch auf diese Teppiche zu.

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Bereits seit 2014 arbeitet der belgische Modedesigner Raf Simons mit dem Textilriesen Kvadrat zusammen und bringt jährlich neue überraschende Textilien heraus. Die stark strukturierten Designs der jüngsten Kollektion überzeugen zum Beispiel mit langfasrigem Mohair, kurzflorigen Velours und unregelmäßigem Bouclé. Die Dessins reichen von auffälligen Streifen bis hin zu Mustern aus Punkten, die vom Pointillismus inspiriert sind. Das Spannende an dieser Kooperation seien die unterschiedlichen Notwendigkeiten in der Textilverarbeitung im Vergleich zur Modeindustrie, sagt Simons. „Während der Zusammenarbeit mit Kvadrat haben wir die dezente Farbgebung und Struktur von beispielsweise einem Tweed- oder Bouclé-Gewebe in ein Textil übertragen, das sich für Möbel eignet. Aufgrund der dichten Bindung, die für Möbel erforderlich ist, werden die Farben noch interessanter und erhalten eine nahezu malerische Wirkung“, erläutert Simons

Die Entwürfe der jüngsten Kollektion von Modedesigner Raf Simons für Kvadrat beinhalten sowohl Bezugsstoffe als auch Accessoires. © Kvadrat

Carpet Edition hat im vergangenen Jahr eine ganze Reihe von Neuheiten präsentiert. Aus der Vielzahl ragt ohne Zweifel die „Bamboo Shaded“-Kollektion heraus. Diese Teppiche bestehen zu 90 % aus Bambus und zu 10 % aus Baumwolle und überraschen mit einem suggestiven Garneffekt. Die verwendeten Materialien weisen Staub und Milben ab. Durch ihre Widerstandsfähigkeit können sie auch in Räumen mit Fußbodenheizung eingesetzt werden. Setsu & Shinobu Ito haben für Illulian den Teppich „Tsukuroi“ kreiert. Das grafische Design verbindet stilisierte urbane mit floralen Mustern. Die Starrheit der architektonischen Blöcke wird durch die organischen Formen aufgeweicht. Es ist eine Erzählung über die Städte der Zukunft. Noch viel mehr in Richtung Grafikdesign geht Lorenzo Petrantoni mit dem Teppich „Focus“ für Illulian. Schriften, Formen und Bilder scheinen eine Zeit heraufzubeschwören, die irgendwo zwischen spätem 19. und frühem 20. Jahrhundert liegt. Tatsächlich ist Petrantoni ein Fan dieser Zeitperiode und hat originale Text- und Wörterbücher dafür verwendet. Diese außergewöhnliche Komposition, die Teil der Limited Edition von Illulian ist, wurde durch eine Collagetechnik realisiert und ist handgeknüpft.

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Die schwedische Marke Kasthall setzt auf Nachhaltigkeit und bietet mit dem Teppich „Harvest“ ein Produkt, das aus Restgarn hergestellt wird. Das Grundmaterial wird kontinuierlich aus der laufenden Produktion „geerntet“. Durch dieses Konzept ist das Design immer unterschiedlich und hängt vom vorhandenen Material ab. Es gibt sechs Farbkonzepte, bei denen sich die jeweilige Hauptfarbe ändern kann, je nachdem, wann eine Spule des Garns ausläuft. Eine Besonderheit, die „Harvest“ von allen anderen gewebten Kasthall-Teppichen unterscheidet, ist die gefütterte Endkante, die die Farbvariationen des Teppichs wiederholt. Kasthall ist eine treibende Kraft bei der Veränderung der Textilbranche im Hinblick auf einen Markt für Sekundärtextilien. Ein Beispiel für die Nachhaltigkeitspolitik des Unternehmens sind die kleinen Lederanhänger auf den Teppichen „Harvest“ und „Flourish“, den sogenannten „circulari leather tags“. Seit einem Projekt mit dem Titel „Entwicklung zukünftiger Märkte für klima- und ressourceneffiziente Produkte“ setzt sich Kasthall vermehrt für ökologisches Handeln ein.


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