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Initiative Design Kreis will Designcommunity in Österreich stärken

von Markus Schraml
Altmann, Pixabay

Wir müssen uns mehr austauschen! Dieser Vorsatz ist der Hauptantrieb für die Gründung der Initiative „Design Kreis“. Ins Leben gerufen wurde sie von Lotte Kristoferitsch (EOOS NEXT), Alice Stori Liechtenstein (Schloss Hollenegg for Design) sowie Katharina Mischer und Thomas Traxler (mischer’traxler). Das Ziel ist, die Designcommunity besser zu vernetzen. In Gesprächsrunden mit bis zu 10 Designschaffenden wird zu einem vorher festgelegten Thema diskutiert, Erfahrungen und Ideen ausgetauscht. Bisher fanden drei Designkreise statt, zwei in kleinem Kreis und der jüngste während der Vienna Design Week (VDW), womit die Organisatoren mit ihrer Initiative erstmalig an die Öffentlichkeit gingen.

Eine weitere Aktion, die ebenfalls während der VDW über die Bühne ging und an der sich der Design Kreis beteiligte, war das sogenannte Konklave. Ausgehend von der Frage der Rolle von Design in der Gesellschaft sollte eine Liste mit Vorsätzen für zukunftsfähiges Design erstellt werden. Derartige Initiativen zeigen, dass bei den Themen Community-Buildung oder dem informellen Austausch unter Designern ein Mangel herrscht. Angestammte Standesvertretungen waren offensichtlich bisher nicht ausreichend in der Lage, auf den Wunsch nach Diskussionen innerhalb der Designcommunity einzugehen.

FORMFAKTOR traf Alice Liechtenstein, Katharina Mischer und Thomas Traxler im mischer’traxler Studio in Wien, um mehr über die Hintergründe der neuen Initiative herauszufinden. Eine Erkenntnis: In Zukunft soll die Frequenz der Veranstaltungen verdichtet werden und alle sechs Wochen ein Design Kreis stattfinden.

FORMFAKTOR: Wie hat sich der Design Kreis gebildet? Wie kam es dazu?

Katharina Mischer: Wir kennen uns schon länger. 2015 haben wir eine Residency bei Alice auf Schloss Hollenegg gemacht. Seitdem lernten wir uns immer besser kennen. Während der Corona-Haupt-Lockdownphase kam dann die Idee, dass wir uns zumindest in kleinerem Kreis austauschen müssen. Es begann mit Abendessen nur mit uns und Alice und später kam Lotte dazu. Davon ausgehend haben wir gesagt, es wäre cool, wenn wir kleinere regelmäßige Gesprächsrunden mit maximal 8 bis 10 Leuten organisieren würden, damit wir untereinander im Austausch bleiben.

Alice Liechtenstein: Früher haben wir uns regelmäßig außerhalb von Wien getroffen. Bei Messen usw. trafen wir uns vier, fünf Mal im Jahr. Durch Corona war das weg. Dadurch gab es einen großen Bedarf, sich auf andere Weise zu begegnen und über verschiedene Themen zu sprechen.

FORMFAKTOR: Der Design Kreis entstand also aus einem persönlichen Bedürfnis heraus.

Alice: Ja, absolut. Aber beruflich orientiert, weil der private Kontakt war ja sowieso da.

Katharina: Und auch weil wir das Gefühl hatten, wir müssen uns wieder besser vernetzen. Also Leute zusammenbringen, wo wir denken, es wäre schön, wenn sich die einmal treffen würden. Ganz gezielt.

FORMFAKTOR: Wie sieht die konkrete Organisation, der Ablauf aus?

Thomas Traxler: Die bisherigen Designkreise haben in einer Art Salon-Situation stattgefunden – zwischen 8 und 11 Uhr abends.

Alice: Es wird nicht gegessen!

Thomas: Genau. Konkret ist es so, dass wir für jeden Design Kreis ein Thema festlegen. Dann schauen wir zu viert, wer zu diesem Thema passen würde. Wer könnte dazu etwa sagen, von wem könnten wir selbst etwas lernen?

FORMFAKTOR: Welche Themen werden dabei diskutiert?

Katharina: Wir hatten zum Beispiel das Thema Kommunikation. Dabei ging es um den Kommunikationsverlust durch das Fehlen von Veranstaltungen, während Corona, wo ja immer zufällige Begegnungen stattgefunden haben und man sehr viele informelle Gespräche führte. Es ging um die Frage, welche anderen Formen von Kommunikation gibt es heutzutage. Wie können wir dieses Kommunikationsvakuum wieder fühlen?

Alice: Ein weiteres Thema war die Frage, welche Themen werden in den nächsten Jahren wichtig sein. Das Ergebnis war allerdings, dass das unmöglich zu definieren ist. Veränderungen passieren so schnell, dass es utopisch ist, zu glauben, man könnte wissen oder festlegen, was uns in drei oder fünf Jahren wichtig sein wird.

Thomas: Es gibt natürlich schon Themen, die vor drei Jahren relevant waren und die auch in Zukunft relevant sein werden. Zum Beispiel die Kreislaufwirtschaft, Naturthemen usw. Aber einzelne konkrete Schwerpunkte festzumachen, ist schwierig.

FORMFAKTOR: Grundsätzlich geht es beim Design Kreis um Vernetzung. Oder?

Katharina: Jein. Das klingt so zielorientiert.

Thomas: Es ist sicher nicht businessorientiert.

Alice: Es geht mehr um Community-Aufbau. Sich daran zu erinnern, welche Kollegen es noch gibt. Wer etwas Ähnliches macht, wer arbeitet ganz anders. Einfach um ein Bewusstsein dafür zu schaffen – Wir sind alle da und arbeiten als Designer! Wir sind eine Community!

Alice Liechtenstein unterstützt Designer mit ihren Residencys im Rahmen von Schloss Hollenegg for Design. © Lippzahnshirm

FORMFAKTOR: Im Vorfeld war ich der Meinung, es geht um Unterstützung.

Alice: Ja, schon. Aber mit dem Ansatz, wir unterstützen uns gegenseitig als Community.

Katharina: Wir versuchen eine Bandbreite hereinzubringen und zu schauen, dass wir auch jüngere Leute einladen. Es soll auch ein Generationenaustausch sein. Wir wollen ja wissen, wie die Jungen ticken, damit wir auch eine Ahnung davon haben, was Sache ist. Es ist nicht ganz selbstlos.

FORMFAKTOR: Jeder, auch ihr profitiert davon?

Katharina: Es ist ein Abtasten, wie andere zu gewissen Themen stehen. Im gemeinsamen Reflektieren kann man die eigene Meinung überprüfen oder überdenken. Von Vorurteilen loskommen.

Thomas Traxler und Katharina Mischer gründeten ihr Studio 2009 in Wien. © Gebhart de Koekkoek

FORMFAKTOR: Es geht also auch um den Austausch zwischen Generationen. Welche Unterschiede gibt es?

Katharina: Zum Beispiel beim Thema Kommunikation: Junge Menschen benutzen ganz andere Kommunikationskanäle. Während wir noch e-mailen und Social Media nur wenig benutzen, legen die Jungen sehr viel mehr Wert auf Social Media. Unser Hauptkanal ist E-Mail. Junge Designer betreiben im Unterschied dazu, fünf Kanäle gleichwertig nebeneinander.

Unsere Herzen schlagen für Design

Katharina Mischer

FORMFAKTOR: Im Rahmen der Vienna Design Week gab es eine Initiative mit dem Titel „Konklave“, an der auch der Design Kreis beteiligt war. Es ging darum, dass 12 DesignerInnen eine Liste mit Vorsätzen für zukunftsgerichtetes Design erstellen wollten. Was kam dabei heraus?

Katharina: Die Liste wurde vertagt.

Alice: Es war sehr produktiv und erhellend. Aber wir haben erkannt, dass man an einem einzigen Tag keine Liste mit Vorsätzen für die Zukunft erstellen kann. Wir treffen uns im Jänner wieder und diskutieren weiter.

FORMFAKTOR: Wie verlief die Diskussion?

Thomas: Der Ausgangspunkt war, dass wir uns als Designer einfach klar darüber werden wollen, was im nächsten Jahr, was in der Zukunft wichtig für uns ist. Und worauf wir mehr achten wollen. Aber tatsächlich konnten wir bei diesem Konklave zu keinem Schluss kommen. Die Zeit war zu kurz.

Alice: Sicherlich – bei einem Konklave soll man zu einem Ergebnis kommen. Aber auch hier geht es um den Aufbau von Community. Was braucht die Designcommunity in Österreich? Wie können wir uns auch in unserem Auftritt nach außen verstärken? Die Diskussion hat die Unterschiede gezeigt, weil wir alle in unterschiedlichen Bereichen arbeiten, aber auch, dass wir grundsätzlich gleiche Werte und Ziele vertreten.

FORMFAKTOR: Was sind die Gemeinsamkeiten, was die Unterschiede?

Alice: Wir glauben alle an Design und dass Design zu einer besseren Welt beitragen kann. Mehr Umweltbewusstsein, nutzerfreundlichere Produkte gestalten usw. Das teilen wir alle. Wie wir aber dahin kommen, ist unterschiedlich.

Katharina: Was wir im kleinen und im größeren Kreis festgestellt haben, ist, dass die Designcommunity sehr nett und kollegial ist, aber dass wir uns viel zu wenig austauschen. Nämlich in einer Form, die uns gegenseitig auch weiterhilft. Die Vienna Design Week ist gut und schön, weil man dort Resultate präsentieren kann, aber ein sich gegenseitig stärken und unterstützen ist in den letzten, sagen wir, 10 Jahren zu wenig passiert. Das müssen wir verbessern.

Thomas: Während der Vienna Design Week trifft man alle. Das ist super. Aber dann ist das ganze Jahr über wieder Sendepause. Das heißt, es fehlt eine Plattform, wo man regelmäßig diskutieren kann. Und es gibt viele Themen. Ich finde es auch sehr wichtig, dass man sich nicht immer nur in seinem eigenen Dunstkreis bewegt, sondern auch mit anderen kommuniziert.

Lotte Kristoferitisch ist Partnerin bei EOOS NEXT und Mitinitiatorin des Design Kreises. © MS

FORMFAKTOR: Für diesen Austausch muss man sich aber auch die Zeit nehmen.

Alice: Ja, wir müssen uns die Zeit nehmen. Ich sehe das als Teil der Arbeit.

Katharina: Es ist eine Inspiration. Und durch Corona hat sich herauskristallisiert, dass uns das allen abgeht. Jetzt sind wir dabei herauszufinden, gibt es eventuell Kanäle, von denen wir nichts wissen – oder gibt es bestehende Institutionen, die man dafür nutzen kann. Wir wollen nichts neu erfinden (außer, es muss sein), wenn auch bereits existierende Institutionen genutzt werden können.

Thomas: Der Vorteil eines kleinen Design Kreises von ca. 10 Personen ist, dass jeder zu Wort kommt und dass wirklich Dialog entstehen kann. Was bei großen Veranstaltungen nicht möglich ist. Wenn zum Beispiel designaustria eine Veranstaltung zum Thema Meta macht, mit Vorträgen usw., geht es dabei um Wissensvermittlung. Beim Design Kreis hingegen geht es um den direkten Austausch. Wie geht jemand anderer mit einer bestimmten Sache um …

Katharina: Wir haben das Ganze nicht mit einem großen Plan angefangen, sondern es wächst langsam. Wir haben einen kleinen Stein langsam ins Rollen gebracht und wir werden sehen, was passiert.

Alice: Wir waren selbst überrascht, wie bereitwillig die Initiative angenommen wurde. Ich sehe es als eine Reise. Schauen wir, wohin uns der Weg führt.


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