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Italienische Möbelindustrie im Aufwind

von Markus Schraml
Supersalone 2021

Die italienische Möbelbranche hat die noch immer andauernde Krise bisher ganz gut gemeistert. Vor allem größere Firmen haben sogar profitiert und konnten ihr Wachstum ungehindert oder nach einem kurzen Einbruch fortsetzen. So sagte Antonio Achille, CEO von Natuzzi (dem größten Möbelhersteller Italiens), im Rahmen einer Investorenkonferenz zu den Ergebnissen im dritten Quartal 2021 Ende November, dass der positive Wachstumskurs nun schon für einige Quartale in Folge anhalte und dass dies sowohl die fakturierten Umsätze als auch die eingegangenen Bestellungen betreffe. „Der Umsatz lag 20 % über dem dritten Quartal 2020 und 15 % über dem Niveau vor der Pandemie, also 2019. Und die Nachfrage nach unseren Produkten ist in den meisten Regionen weiterhin stark. Interessant ist, dass unsere Markenprodukte, also die Produkte, die mit unseren beiden Marken Natuzzi Italia und Natuzzi Editions verkauft werden, eine sehr relevante Wachstumsrate aufweisen. Sie liegen 40 % über 2019 und machen derzeit fast 90 % unserer Aktivitäten aus“, betonte Achille.

Auch Vorstandsvorsitzender Pasquale Natuzzi freut sich über die Geschäftsentwicklung im abgelaufenen Jahr. Foto © Rocco de Benedictis / Today

Auch Kunststoffspezialist Kartell darf sich über Zuwächse freuen. Firmenchef Claudio Luti, gab im Handelsblatt (November 2021) zwar zu, dass Kartell unter der Pandemie aufgrund der Lockdowns und damit verbundenen Ladenschließungen zu leiden hatte, gleichzeitig hätte aber das Onlinegeschäft enorm angezogen – zuletzt um 30 %. Zudem hätten die Menschen mehr in ihr Interieur investiert. Noch immer sei aber der Verkauf in den Filialen vorrangig für das Unternehmen. So würde der stationäre Einzelhandel seit Mai einen wahren Boom erleben. Der Umsatz lag bei Kartell 2021 bei über 100 Millionen Euro. Das ist neuer Rekord sowohl im Vergleich zu 2020 (immerhin 84 Millionen) und dem Vor-Pandemie-Jahr 2019 (83 Millionen).

Claudio Luti (Kartell) mit Designer Philippe Starck. © Emanuele Scilleri Fotografo

Der italienische Verband FederlegnoArredo sieht einen Wachstumstrend in der gesamten Möbelbranche des Landes – und das trotz steigender Kosten bei Rohmaterialien. Die gesamte Einrichtungs- und Beleuchtungsindustrie liegt bei einem Umsatzplus von 21,4 % gegenüber 2019. Die Gesamtproduktion beläuft sich auf 39 Milliarden Euro, davon entfallen 15 Milliarden auf den Export. Untersuchungen, die vom FederlegnoArredo Forschungscenter durchgeführt wurden, zeigen, dass in den ersten fünf Monaten 2021 die Verkäufe um 51,7 % zugenommen haben – im Vergleich zu 2020. Wobei sich vor allem der italienische Markt (+ 67,3 %) gut erholt hat. Vergleicht man die Zahlen mit dem gleichen Zeitraum im Jahr 2019 ergibt sich eine Steigerung von 14,3 % der Gesamtverkäufe und eben 21,4 % in Italien.

Internationalisierung und Modernisierung

Nicht nur die ganz Großen der Branche konnten beachtliche Zuwächse verzeichnen, auch bekannte Marken, die sich weiter unten in der Rangliste der umsatzstärksten Möbelhersteller Italiens befinden, können auf ein positives Jahr 2021 zurückblicken. So zum Beispiel Bonaldo. Das Unternehmen mit Sitz in Padua wächst um 25 % im Vergleich zum Jahr 2019. „Das anhaltende Wachstum, das wir beobachten, erstreckt sich über alle Märkte und betrifft hauptsächlich den Einzelhandel“, sagt CEO Alberto Bonaldo. „Wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend auch in der ersten Hälfte des Jahres 2022 fortsetzen wird, weshalb wir uns stark für die Modernisierung unserer Produktionsanlagen und -abteilungen einsetzen.“ Der Umsatz für 2021 beträgt ca. 30 Millionen Euro.

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Die wichtigsten Märkte für Bonaldo sind der Ferne Osten, die Vereinigten Staaten, China und der Nahe Osten. Das Unternehmen ist aber auch in Australien, Neuseeland, Südamerika und Afrika vertreten. Sieben neue Flagshipstores und ca. dreißig neue Verkaufsstellen sind dazugekommen, was insgesamt 900 Verkaufsstellen ergibt. In Kürze soll auch ein Showroom in der Elfenbeinküste eröffnet werden und weitere folgen in den kommenden Monaten in Toronto und Shenyang. Zudem werden neue Märkte in Jordanien und Bahrain erschlossen. Aber auch in Europa tut sich einiges und Bonaldo investiert intensiv in Vertrieb und Marketing – in Bälde soll es Showroom-Einweihungen in Paris und Lyon geben. Alles ist auf die internationale Geschäftsentwicklung ausgerichtet und das mit Recht. Made in Italy hat nach wie vor einen guten Klang in der Welt und wie viele andere Möbelhersteller Italiens gewährleistet Bonaldo dieses Siegel und lässt ausschließlich in der Region Venetien produzieren.

Weitere Trends sind der vermehrte Ausbau des Netzes von Flagshipstores, in denen die Markenwerte besser vermittelt werden können als über Zwischenhändler. Sowie der Ausbau des Angebots im Einrichtungsbereich, sodass Kunden ihre Wohnungen oder Häuser bei Bedarf innerhalb einer einzigen Marke umfassend ausstatten können. So bietet etwa Bonaldo Tische, Stühle, Sofas und Betten, aber auch Leuchten und Wohnaccessoires an.

Ziel Nachhaltigkeit

Trotz der nach wie vor anhaltenden Unsicherheiten im Hinblick auf Pandemie aber auch Lieferketten sieht Claudio Feltrin, Präsident von FederlegnoArredo die Verfassung der italienischen Möbelindustrie positiv: „Der gute Zustand unseres Sektors, trotz Höhen und Tiefen, ist das Ergebnis einer Kombination aus den Faktoren rund um den neuen Fokus auf das Heim, der während der Covid-Zeit entstanden ist … Die guten Zahlen sind die Belohnung für die Qualität unserer Produkte und die Forschung, die dahinter steht. Die nächsten Ziele sind das Nachhaltigkeitsmanifest, eine Erneuerung der Forstwirtschaftspolitik und die Vereinheitlichung der europäischen Zertifizierung“, betont Feltrin.

Claudio Feltrin, Arper
Die Zahlen der italienischen Möbelindustrie sind positiv und gerade deswegen brauche es wieder ein großes internationales Event wie den Salone del Mobile, davon ist nicht nur Claudio Feltrin überzeugt. © Arper, Foto: Giovanni Gastel

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