Home Design Kann Verpackung nachhaltig sein? – Sonderschau in Nürnberg

Kann Verpackung nachhaltig sein? – Sonderschau in Nürnberg

von Markus Schraml
Nachhaltige Verpackung

Das Umweltbundesamt verzeichnete in Deutschland im Jahr 2018 18,9 Millionen Tonnen Verpackungsmüll – ein Höchstwert. Allerdings gingen 69 % der Verpackungsabfälle ins Recycling, 96,9 % des Mülls wurden verwertet. Trotz rückläufiger Zahlen im letzten Jahr (die Gründe sind bekannt) wurden nach Angaben des Gemeinschaftsausschusses Deutscher Verpackungshersteller (GADV) 2020 rund 19 Millionen Tonnen Packmittel hergestellt. Derzeit findet in Nürnberg der Branchentreff FACHPACK 2021 statt. Und viele der Aussteller*innen (782 aus 34 Ländern) sind sich des ökologischen Einflusses ihrer Industrie durchaus bewusst. So gab auch der Veranstalter der FACHPACK das Leitthema „Umweltgerechtes Verpacken“ aus.

In den Fachvorträgen während der Messe zeigt sich ebenso der Wandel: „Nachhaltigkeit und Innovation“ oder „Ressourcen und Nachhaltigkeit“ etwa lauten zwei der Tagesthemen. Schließlich findet in Halle 7 die Sonderschau „Nachhaltiges Verpacken“ statt, die von der NürnbergMesse und bayern design organisiert wird. „Die gezeigten Innovationen sind für die Besucher*innen der FACHPACK eine Inspirationsquelle. Kluges Design als Teil einer Kreislaufwirtschaft eröffnet hier ganz neue Möglichkeiten. Es erhöht die Attraktivität nachhaltiger Verpackungen und bietet zugleich einen Mehrwert für das Unternehmen. Außerdem schafft gutes Verpackungsdesign ein ästhetisches Symbol für die Nachhaltigkeit der Marke“, sagt Nadine Vicentini, die neue Geschäftsführerin der bayern design GmbH.

Die Ausstellung zeigt innovative Verpackungsideen und -konzepte von Designer*innen aus aller Welt. Neben Exponaten aus Deutschland werden auch Produkte und Materialien aus Dänemark, Israel, Mexiko, den Niederlanden, Polen und Hongkong präsentiert. Zukunftsfähige Designlösungen sind dort in den Bereichen Material, Forschung, Prototyping sowie Produkt- und Markteinführung zu finden.

Sonderschau „Nachhaltiges Verpacken“ während der FACHPACK 2021 in Nürnberg. © Lerot, Foto: Leon Greiner

Mehrweg-Versandbox

Während der Pandemie hat der Versandhandel enorm zugelegt und damit auch der Verpackungsbedarf. hey circle entwickelte speziell für den Onlinehandel eine Mehrweg-Versandbox. Die Münchner bieten auch Support bei der Integration in die IT- und Logistikprozesse. Das Konzept sieht vor, dass die robuste und faltbare Mehrweg-Box mehrfach zwischen Onlinehändler*innen und Kund*innen zirkuliert. Sie besteht aus einem wasser- und schmutzabweisenden Gewebe, robusten Platten und Reißverschlüssen. Die Materialien sind aus dem recyclingfähigen Monomaterial Polypropylen.

Verpackung zum Mitessen

Auch die Meal Bag ist umweltschonend. Dabei handelt es sich um eine essbare Lebensmittelverpackung, die hauptsächlich aus Maisstärke besteht. Die Idee stammt von der Regensburger Industrie- und Produktdesignerin Amelie Graf. Die Meal Bag kann in heißem Wasser aufgelöst und einfach der Mahlzeit beigemischt werden, als Soßenbinder oder als Ballaststoff- und Energielieferant. Oder sie wandert in den Heimkompost und wird so im natürlichen Kreislauf weitergeführt.

Meal Bag ist eine essbare Lebensmittelverpackung der Regensburger Industrie- und Produktdesignerin Amelie Graf.
© Lerot, Foto: Leon Greiner

Verpackung aus Hanf

Das Tegernseer Traditionsunternehmen Gmund Papier hat eine ökologische und kreative Verpackung aus 100 % europäischem Hanf entwickelt. Die stabile Schachtel besitzt eine natürliche Haptik und ist sehr umweltverträglich. Außerdem verbessert der Hanf durch seine langen, kräftigen Fasern den Recyclingprozess.

Weniger Materialverbrauch durch Innovation

An einem neuen Material arbeitet auch Popular Packaging aus Hamburg. Das Produkt bioniPAC nimmt sich die ausgeklügelte Ressourceneffizienz der Natur zum Vorbild, denn es besteht aus hauchdünnen, miteinander verschweißten Folienschichten. Das Konzept der dünnen, durch aufgeblasene Äderchen stabilisierten Außenhülle ist deshalb innovativ, weil es Material spart.

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Kaffeekapsel aus Holzfaser

Eine der unsäglichsten, gedankenlosesten Erfindungen der Kaffeeindustrie ist die Kapsel. Nun müssen kreative Köpfe hinterherhecheln, um den Schaden zu begrenzen. So gelang dem Verpackungshersteller Rezemo aus Waiblingen die Entwicklung von Kaffeekapseln aus Holzfasern. Das Restprodukt aus der süddeutschen Holzindustrie wird mit dem Biokunststoff PLA (Milchsäure) verbunden und besteht damit vollständig aus nachwachsenden Rohstoffen. Auf Basis dieses Produkts wurde das Material weiterentwickelt und ist auch für andere Anwendungen geeignet.

Flasche aus Papier

Paper Bottle von Paboco® aus Dänemark ist ein Projekt, in dem sich führende Akteur*innen aus den Bereichen Materialien, Design und Technologie zusammengeschlossen haben, um die weltweit erste vollständig biobasierte und recycelbare Papierflasche in großem Maßstab zu lancieren. Die Ausstellung zeigt die erste Version dieser neuen Generation von Papierflaschen, bei der noch eine Barriere aus recyceltem Polymer verwendet wurde.

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Die Zuckerrübe bringt’s

Im Experimentierstadium befindet sich BetaWare, ein Projekt der jungen deutschen Designerin Lara Weller. Sie arbeitet an einem veganen, kompostierbaren Material aus Zuckerrübenzellulose und Melasse – beides Bei-Materialien der Zuckerherstellung. Das bedeutet, dass keine zusätzlichen Anbauflächen benötigt werden und das Material nach der Zwischennutzung einem Kreislauf zurückgeführt werden kann. Nach erfolgreichen Spritzgussversuchen hat Weller das Material weiterentwickelt und Produkte gestaltet, die vielseitig nutzbar sind.

Alle Exponate sind auf der Sonderschau vom 28. bis 30. September 2021 in der Halle 7 der NürnbergMesse zu sehen.

Forum PackBox

Außerdem hat bayern design Expert*innen aus der Branche eingeladen, die in der PackBox am 30. September 2021 Kurzvorträge zum Thema „Nachhaltiges Verpacken” halten werden.

Austeja Platukyte (Creative Researcher & Material Designerin, Litauen): Hybrid materials in design. Collaboration with nature as a creative practice

Magdalena Sophie Orland (Textildesignerin, Leipzig): Materialdesign als zukunftsweise Lösung für neue Verpackungsmöglichkeiten

Efrat Friedland (Materialscout, München): How to navigate through the world of sustainable packaging materials

30. September 2021, 13:00 bis 14:00 Uhr, Halle 7


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