Home Design Kartell erfindet sich neu – Lorenza Luti über Innovation, Kreativität und Nachhaltigkeit

Kartell erfindet sich neu – Lorenza Luti über Innovation, Kreativität und Nachhaltigkeit

von Markus Schraml
Lorenza Luti, Kartell

Von einem Designmöbelerzeuger, der auf die innovative Verarbeitung von Kunststoff spezialisiert ist, entwickelt sich Kartell zunehmend hin zu einem Hersteller, der den gesamten Wohnbereich vielfältig abdeckt. Dabei verwendet das Familienunternehmen verstärkt auch andere Materialien wie Holz und Metall. Für die Mailänder Designwoche wurde das Motto IN /CASA ausgerufen und im Flagshipstore in der Via Filippo Turati inszeniert.

Kartell und seine Designer*innen

Am Wohnerlebnis à la Kartell arbeitet eine ganze Reihe weltbekannter Designer*innen mit: Philippe Starck, Patricia Urquiola, Ludovica + Roberto Palomba, Piero Lissoni, Ferruccio Laviani oder Rodolfo Dordoni. Urquiola hat eine trendige Lösung für das Homeoffice entwickelt, wobei sich der Sessel „Charla“ auch für den Esszimmertisch oder das Restaurant eignet. Lissoni wertet das Ambiente mit an Schmuckstücke erinnernde Beistelltische in fröhlichen Farben auf. Das ist positive Energie in Möbel gegossen. Auch die Wandleuchte „Fata“ stammt aus der Feder von Piero Lissoni, wie Kartell sich überhaupt immer mehr in das Feld der Leuchtenproduktion vorwagt. So kreierte Philippe Starck gleich drei neue Leuchten, die auf sehr unterschiedliche Art das Interieur aufwerten. Starck hat als langjähriger Partner des Unternehmens auch seine Smart Wood-Kollektion erweitert. Zum ersten Mal hingegen hat Kartell mit Rodolfo Dordoni zusammengearbeitet. Der Designer entwarf die äußerst kuschelige Polstermöbelkollektion „K-Wait“. Dabei ging er von der Überlegung aus, was eine junge Annäherung an Design bedeuten würde, denn er verbindet Kartell vor allem mit dem Wort „jung“. Schließlich haben Ludovica + Roberto Palomba eine Kollektion erdacht, die erstmals dezidiert dem Außenbereich gewidmet ist. Dafür testeten sie die Vielseitigkeit von Metall, indem sie sich an der Technik des gelöteten Drahts orientierten. Für die Kissen verwendeten sie ein Material, das zu 100 % aus recycelten Plastikflaschen besteht.

formfaktor traf Lorenza Luti, bei Kartell für Marketing und Retail zuständig, in der Via Filippo Turati. Im Interview spricht sie über Nachhaltigkeit, den innovativen Ansatz von Kartell, der sich auf jedes Material und jedes neue Produkt anwenden lässt und über den Drang, ständig etwas Neues ausprobieren zu wollen.

formfaktor: Kartell ist bekannt für den innovativen Umgang mit Kunststoff. Immer wieder jedoch verwendet das Unternehmen auch andere Materialien – wie etwa Holz oder Metall. Warum?

Lorenza Luti: Seit vielen Jahren erweitert Kartell seine Kollektion in diesem Sinne. Wir wollen in unterschiedliche Richtungen gehen. Das ist sehr wichtig für uns. Deshalb haben wir jetzt zum Beispiel auch Leuchten oder Accessoires im Programm. Oder wir machen mehr Polstermöbel. Bei Kartell geht es immer um Kreativität, Innovation und industrielle Produktion. Es ist also in unserer DNA zu experimentieren und deshalb experimentieren wir auch mit anderen, neuen Materialien. In den letzten Jahren haben wir sehr viel gemacht: Von der Verwendung von recyceltem Kunststoff oder Biomaterialien bis hin zum Projekt „Smart Wood“. Das war besonders interessant für uns, weil Holz nicht nur ein neues Material war, sondern auch, weil wir es wie Kunststoff verarbeitet haben – mit Gussformen. Das heißt, wir haben das Holz auf maximale Weise 3D-geformt, um dadurch ein standardisiertes Produkt zu erhalten. Die Idee war, dieses neue Material zu benutzen, aber auf unsere spezielle Weise.

formfaktor: Wie schaffen Sie es, das Know-how für ein neues Material aufzubauen? Ich stelle mir das sehr mühsam vor.

Lorenza Luti: Das geht, weil wir der Kreativität folgen. Das heißt, um einen so speziellen Stuhl wie den Smart Wood zu machen, setzten wir unsere ganze Kreativität und Innovationskraft ein. Und letztlich war dann die Gussform für Smart Wood nicht so verschieden von einer Form für Kunststoff. Außerdem sind wir sehr flexibel und wollen eigentlich mit jedem Produkt etwas Neues ausprobieren. Wir gehen immer mit demselben Spirit an eine Aufgabe heran. Mit jedem neuen Produkt wollen wir etwas Innovatives bieten, entweder in puncto Technologie oder im Material oder in der Funktion. Wenn wir mit einem Designer / einer Designerin zusammenarbeiten, schauen wir auf das Ganze und überlegen dann, wie wir diese Aufgabe lösen können.

formfaktor: In einem Produkt der neuen Kollektion wird Metall verwendet. Ludovica + Roberto Palomba haben „HiRay“ für den Outdoorbereich designt. Diese Möbel sind einerseits sehr typisch, wirken aber auch sehr poetisch.

Lorenza Luti: Da unsere Produkte in der Vergangenheit hauptsächlich aus Kunststoff bestanden haben, eigneten sie sich immer schon sowohl für den Innen- als auch Außenbereich. Jetzt wollten wir aber ein Produkt bieten, dass dezidiert für den Outdoorbereich gemacht ist, um unseren Kund*innen besser kommunizieren zu können, dass wir auch Möbel für den Außenbereich anbieten. „HiRay“ startete mit der Idee eines Drahtes, aus dem die gesamte Struktur bestehen würde. Ich liebte dieses Projekt von Anfang an. Und es ist eine schöne Ergänzung für den Kartell-Lifestyle und für unsere IN /CASA-Vision.

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formfaktor: Patricia Urquiola sagte, dass Kartell auf dem Weg ist, eine kleine Revolution zu vollbringen. Sie meinte damit, dass Sie eine umfassende Welt des Wohnens aufbauen wollen. Mit unterschiedlichsten Produkten, die jeden Aspekt des Wohnens bedienen können.

Lorenza Luti: Ja, wir wollen für alle Bereiche des Wohnens Produkte anbieten. Die unterschiedlichen Designer*innen helfen uns dabei mit ihren jeweiligen Vorlieben. Zum Beispiel liebt Patricia Polstermöbel und Accessoires, die sich im Raum bewegen lassen. Nun hat sie die weiche „Lunat“-Kollektion kreiert und den „Charla“-Sessel, mit dem wir in eine gemütlichere Richtung gehen, der sich gut für das Homeoffice, aber auch für den Esstisch eignet. Dafür hat sie diese geschwungenen Armlehnen designt. Die Kartell-DNA zeigt sich hier in den Beinen, die aus recyceltem Kunststoff bestehen. Es ist ein schönes Beispiel dafür, wie Patricia und Kartell zusammenarbeiten.

formfaktor: Sie haben schon über das Smart Wood-Projekt gesprochen. Nun gibt es neue Tische von Philippe Starck. Denken Sie daran, diese Kollektion noch weiter auszubauen?

Lorenza Luti: Das ist bereits die dritte Erweiterung. Zuerst kamen die Stühle, dann der Schreibtisch sowie Tische und nun kommen größere Tische dazu. Philippe wollte die Kollektion mit großen, schönen Stücken abschließen. Ich denke, dass die Kollektion nun ziemlich komplett ist. Vielleicht kommen noch Kleinigkeiten, aber ansonsten ist sie ja bereits sehr groß. Hier im Showroom sind nur zwei der Tische zu sehen, aber insgesamt gibt es acht oder neun Versionen mit unterschiedlichen Tischbeinen und Holzarten.

formfaktor: Philippe Starck hat das erste Mal auch Leuchten für Kartell gestaltet.

Lorenza Luti: Ja, das ist revolutionär. Es sind drei sehr unterschiedliche Leuchten und wir sind sehr froh darüber. Der Kronleuchter ist typisch Starck, die kleine Batterie-betriebene Leuchte (die sich gut für Restaurants eignet) und die Steh- bzw. Tischleuchte, die aus Metall und Stoff besteht. Das ist für uns eine technisch sehr fortschrittliche Leuchte. Wir haben zwei Jahre an der Lichtoptik gearbeitet. Am Anfang standen bei uns eher dekorative Leuchten und nun gehen wir mehr und mehr auch in Richtung technische Leuchten.

formfaktor: Das Wort Nachhaltigkeit ist heutzutage in aller Munde. Wie geht Kartell damit um?

Lorenza Luti: Das ist für uns sehr wichtig und schon seit Jahren eines der Hauptthemen bei Kartell. Zu unserem 70-jährigen Jubiläum (Anm: 2019) haben wir das „Kartell loves the planet“-Manifest herausgebracht und das bauen wir kontinuierlich aus. Nicht nur in Bezug auf Materialien, sondern auch bei Verpackungen, in der Kommunikation, im Transport, aber auch im sozialen Bereich. Also in unserem gesamten Geschäftsgebaren. Nächstes Jahr werden wir ein Buch zum Thema „wirtschaftliche Nachhaltigkeit“ veröffentlichen. Ich denke, Innovation, Nachhaltigkeit und Digitalisierung sind die wichtigsten Themen, an denen wir arbeiten. Zudem folgen wir den UN-Nachhaltigkeitszielen 2030. Von den 17 aufgeführten Zielen können wir 11 erfüllen.

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