Home Architecture Klimaneutral Bauen – Zukunftsmusik?

Klimaneutral Bauen – Zukunftsmusik?

von Markus Schraml
Michael Gaida, Pixabay

Wie zukunftsfähiges Bauen aussehen könnte, zeigen TOP-Beispiele aus der Schweiz. So wird etwa mit dem Quartier „Suurstoffi“ eine Stadtentwicklung Richtung Null-Emissionen geprobt oder auf der Experimentierplattform NEST der EMPA Bautechnologien der Zukunft bereits heute umgesetzt. Im Rahmen einer Diskussion der Forschungsplattform ReConstruct wurden positive Entwicklungen im Bauwesen von recycelten Baumaterialien bis hin zu nachhaltigen Stadtentwicklungen näher beleuchtet.

Der Gebäudebereich stellt in Sachen Klimaschutz eine besondere Herausforderung dar, denn der enorme Gebäudebestand muss saniert werden. Gleichzeitig herrscht eine hohe Bauaktivität. Hier muss sichergestellt werden, dass Neubauten so geplant und umgesetzt werden, dass sie in den nächsten Jahrzehnten nicht zur Belastung werden. Wesentlich dafür sind neue Energiekonzepte, neue Geschäftsmodelle und die Berücksichtigung sozialer Fragen. Es ist eine komplexe Aufgabe, die nach Kooperationen verlangt. „Erst die Verknüpfung von praktischer und wissenschaftlicher Kompetenz, wie sie die Plattform ReConstruct herstellt, erlaubt es, den umfassenden Herausforderungen des Systemwandels zu begegnen – hin zu mehr Nachhaltigkeit“, sagte Leonore Gewessler, österreichische Bundesministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie im Rahmen der Diskussionsveranstaltung.

Case Studies aus der Schweiz

Bereits jetzt gibt es zukunftsorientierte, innovative Konzepte – besonders in der Schweiz. Zum Beispiel entsteht in Risch Rotkreuz auf einem ehemaligen Industriegelände das Quartier Suurstoffi, ein „Dorf im Dorf“, in dem 7.000 Menschen leben und arbeiten sollen. Bauen und Mobilität gehen hier Hand in Hand. Im Hinblick auf den Energiebedarf für den Betrieb wird auf solare Elektrizität, Erdsonden und die Nutzung der Abwärme gesetzt.

Um den derzeit enorm negativen Einfluss von Bauindustrie und ineffizientem Gebäudebestand umzukehren, müssen der Gebäudesektor energetisch transformiert, in lokale Multienergienetze integriert und Baustoffkreisläufe geschlossen werden. Fragen wie diese versucht beispielsweise das Projekt NEST zu beantworten, das in der Nähe von Zürich als Experiment im Maßstab 1:1 abläuft. Hier werden Einzelgebäude über Gas-, Strom-, Wärme- und Informationsnetze mithilfe moderner Technologien miteinander verbunden. „Damit kann ein Maximum an erneuerbarer Energie lokal gewonnen und verwendet werden. Zudem wird die motorisierte Individualmobilität mit einbezogen – so wird auf eine Neuordnung der gesamten Energiedistribution hingearbeitet“, erklärt Peter Richner, stellvertretender Direktor des interdisziplinären Forschungsinstituts EMPA.

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Dezentral und kurze Wege

Neue urbane Konzepte sehen vielfach eine Dezentralisierung der Energieerzeugung sowie die Veränderung der generellen Lebensweise und des Mobilitätsverhaltens der Menschen vor. So zeichnet sich die sogenannte 15-Minuten-Stadt durch kurze Wege aus. Alles kann innerhalb eines relativ kleinen Umkreises zu Fuß oder mit dem Fahrrad erledigt werden. Einzelne Gebäude werden von Energieverbrauchern zu Energieproduzenten, dabei geht der gesellschaftliche Nutzen durch die positive Außenwirkung weit über das einzelne Bauprojekt hinaus. Gesetzliche und finanzielle Anreize sollten die Entwicklung energieautonomer Gebäude und Areale begünstigen, denn über den langen Lebenszyklus betrachtet, relativieren sich die höheren Kosten bei der Errichtung.

Umdenken und Transformieren

Das ambitionierte EU-Ziel einer klimaneutralen Gesellschaft bis 2050, das Österreich bereits 2040 umgesetzt haben will, erfordert radikale Veränderungen – auch im Bauwesen. Die Art und Herkunft der verwendeten Baumaterialien stehen dabei im Fokus. Die Forschungsplattform ReConstruct will den Prozess des Umdenkens und der Transformation begleiten und beschleunigen. Die beteiligten Partner sind WIFO, Sustainserv Zürich – Boston, Center for European Policy Studies Brüssel und das Wegener Center an der Universität Graz. Gefördert wird das Projekt vom Fachverband der Stein- und keramischen Industrie.


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