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Lokus-Design für Mondfahrer*innen

von Markus Schraml
Lunar Loo Challenge, Franziska Wülker

Anfang 2020 startete die NASA die Lunar Loo Challenge, um innovative Konzepte für Weltraumtoiletten zu sammeln, die in die NASA-eigene Entwicklung des „stillen Örtchens“ für die Artemis-Mission einfließen werden. Das ehrgeizige Artemis-Programm will die erste Frau und den nächsten Mann schon 2024 auf den Mond bringen und dort fixe Infrastrukturen aufbauen. Die offene Ausschreibung der Lunar Loo Challenge wurde über die Crowdsourcing-Plattform heroX abgewickelt. Mehr als 2.000 Konzepte wurden eingereicht.

Die NASA gab nun die drei Gewinner*innen der Lonar Loo Challenge bekannt. Zwei US-amerikanische Teams und eine Ingenieurin aus Deutschland meisterten mit ihren Vorschlägen die Anforderungen am besten. Der Lokus für Astronaut*innen, die zum Mond fliegen, muss sowohl in Schwerelosigkeit als auch auf der Mondoberfläche – also bei geringerer Schwerkraft als auf der Erde – möglichst komfortables Urinieren und Defäkieren gewährleisten. Die Toilette musste kompakt und leicht sein. Der erste Preis ging an T.H.R.ONE (Translunar Hypercritical Repository 1, Josh Brickman, Boone Davidson, Cody Thompson und Kunal Vaswani). Die Jury befand den Einsatz eines schaufellosen Ventilators zum Abtransport der Ausscheidungen als eine gute Alternative zu den sonst üblichen Saug- / Vakuumpumpensystemen. Das Team entwickelte auch ein System zur Minimierung der Interaktion der Besatzung mit Müllsäcken. Mithilfe eines „Diaper Genie“-Konzepts (ein im angloamerikanischen Raum bekanntes System zur Entsorgung von gebrauchten Windeln) wird der Klogang leicht gemacht. Ebenfalls ein Team aus den USA belegte den zweiten Platz. Thatcher Cardon und David Morse erfanden eine aufblasbare Toilette, um sie an unterschiedliche Körpergrößen und Anatomien anpassen zu können. Das ICAT (Individualized Colapsible Astronaut Toilet) Konzept berücksichtigt außerdem die unterschiedlichen Phasen der Mondreise in Bezug auf das Gewicht.

Lunar Loo Callenge Sujet © NASA

Der dritte Preis ging nach Deutschland. Franziska Wülker verantwortet die Entwicklung von Spülsystemen beim Designbad-Hersteller Duravit und hat mit der „Centrifugal Lunar Toilet“ ein Konzept erstellt, das um die fehlende Schwerkraft zu kompensieren, die Exkremente in eine Zentrifuge leitet, wo sie entwässert werden und mithilfe einer Förderschnecke in einen Tank gelangen. Konstruktion und Filter garantieren, dass weder unangenehme Gerüche noch Bakterien in die Kabine des Raumschiffs gelangen. Das Toilettensystem ist in sich geschlossen. Wülker war nicht nur die einzige Frau und Nicht-Amerikanerin unter den Siegern, sie ist auch die einzige explizite Toiletten-Expertin. Sie arbeitet mit modernster Software, die in der Automobilindustrie oder eben Luft- und Raumfahrt zum Einsatz kommt. „Bei unseren für die Erde gedachten WCs hilft uns natürlich die Schwerkraft, denn die Exkremente und Urin fallen automatisch in das WC-Becken. Bei der Konstruktion des Mond-WCs war eine der größten Herausforderungen das Umdenken auf Funktionalität auch bei Schwerelosigkeit“, betont Wülker.

Mit ihrer Mond-Toilette konnte Franziska Wülker den dritten Platz erringen. Hier ein Querschnitt des Systems. © Duravit

Die Lunar Loo Challenge war mit insgesamt 35.000 US-Dollar dotiert ($ 20.000, $ 10.000, $ 5.000). Mike Interbartolo, von NASAs Human Landing System (HLS) Crew Compartment Office im Johnson Space Center in Houston, sagte im Rahmen des Webinars, das anlässlich der Bekanntgabe der Sieger*innen live gestreamt wurde, dass ein wichtiges Entscheidungskriterium für die Jury die relativ kurzfristige Umsetzbarkeit gewesen sei. Denn zu ausufernde Konzepte hätten keine Chance, in der kurzen Zeit bis 2024 realisiert zu werden. Das Artemis Lunar Exploration Program ist eine Vorstufe für das große Ziel – die Reise mit Besatzung zum Mars.

Für diejenigen, die es genau wissen wollen – hier das Meet the Winners: NASA’s Lunar Loo Challenge Winners Webniar:


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