Home Design Yves Béhar designt für The Ocean Cleanup Sonnenbrillen aus Plastikmüll

Yves Béhar designt für The Ocean Cleanup Sonnenbrillen aus Plastikmüll

von Markus Schraml

Die Meere von Plastikmüll zu befreien, ist das Ziel des jungen Niederländers Boyan Slat, der 2012 im zarten Alter von 18 Jahren damit begonnen hat, Technologien zu entwickeln, um Plastik aus dem Meer zu fischen. Mit der Organisation The Ocean Cleanup gelang es ihm, nach Jahren der Forschung und Entwicklung in einer ersten Mission aus dem „pazifischen Müllstrudel“ (Great Pacific Garbage Patch – GPGP) zwischen Kalifornien und Hawaii sechzig 1 m³-große Säcke an Material zurück an Land zu bringen. Ein Beweis, dass das entwickelte System funktioniert. Das Konzept von The Ocean Cleanup sieht vor, dass aus diesem Material wiederum Produkte hergestellt werden. Dazu holte sich die Non-Profit-Organisation professionelle Hilfe von einem der weltweit innovativsten Designstudios fuseproject. Die kalifornischen Kreativen um Yves Béjar erhielten die Aufgabe, das Material aus dem GPGP in ein cooles, begehrenswertes Produkt zu verwandeln, das die Mission von The Ocean Cleanup symbolisieren würde und für das Plastikproblem sensibilisieren sollte: eine Sonnenbrille.

Yves Béjar und Boyan Slat hoffen, damit eine sehr effektive Produktkategorie gewählt zu haben, um die Qualität und vor allem auch die Schönheit des Materials am besten auszudrücken. Für Nutzer*innen bieten Sonnenbrillen die Möglichkeit, sich zur Mission von The Ocean Cleanup zu bekennen und die Organisation damit zu unterstützen, denn 100 % des Erlöses fließen wiederum in die Reinigung der Meere. Die Sonnenbrillen kosten 199 US-Dollar pro Stück und sind über die Website von The Ocean Cleanup erhältlich.

formfaktor hat Yves Béjar zum Interview gebeten und dabei mehr über die Hintergründe erfahren, warum die Wahl auf Sonnenbrillen fiel und dass Müll nicht Müll ist, sondern in den Augen des Schweizer Designers eine wertvolle Ressource.


formfaktor: Sie haben eine neue Sonnenbrille für die Initiative The Ocean Cleanup entworfen, die auf Plastikmüll aus dem Pazifik basiert. Warum eine Sonnenbrille?

Yves Béhar: Wir haben Sonnenbrillen als erstes Produkt für diese Kooperation ausgewählt, weil The Ocean Cleanup etwas anbieten wollte, das sowohl langlebig als auch nützlich ist und das die Nutzer*innen an die Schönheit und Wichtigkeit unserer Ozeane erinnert. Außerdem ist es ein einzigartig aussehendes Accessoire, das Menschen tragen können, um ihre Unterstützung für The Ocean Cleanup und für Nachhaltigkeit im Allgemeinen zu zeigen. Etwas Neues zu kreieren, das erworben werden kann und gleichzeitig einen Beitrag zu einem der weltweit dringendsten Probleme zu leisten, gibt uns allen ein Gefühl der Hoffnung im Hinblick auf die Gesundheit unserer Ozeane.

formfaktor: Wie sehr muss das Material aus dem Meer bearbeitet werden, um es für die Sonnenbrillen verwendbar zu machen?

Yves Béhar: Die Verarbeitung des Materials ist Teil des „Full Circle“-Prozesses von The Ocean Cleanup. Das Produkt wird aus dem Material bestehen, das während der ersten Fang-Aktion aus dem GPGP (Great Plastic Garbage Patch – Anm.) mit dem System 001/B gesammelt wurde. Als diese Aktion abgeschlossen war, wurde das Plastik im Dezember 2019 an Land zurückgebracht. Damit war die Mission One beendet und die nächste begann – nämlich die Reise von „trash to treasure“ (vom Müll zur Kostbarkeit – Anm.), der Entwicklung eines Produkts, das die weitere Ozean-Reinigung mitfinanzieren soll, womit sich der Kreislauf schließt. Recycling von Plastik aus dem Meer wurde noch nie in einem kommerziellen Maßstab durchgeführt, aber in Zusammenarbeit mit erfahrenen Partnern wurde daraus ein hochwertiges, sicheres Material, aus dem die limitierte erste Charge von Produkten hergestellt wird. Und da The Ocean Cleanup eine gemeinnützige Organisation ist, fließen 100 % des Erlöses in die Reinigungsaktion im nächsten Jahr. Der Verkauf jeder Sonnenbrille sollte wiederum die Reinigung einer Fläche von 24 Fußballfeldern von Plastik aus dem Meer ermöglichen. Wenn alle Sonnenbrillen der ersten Serie verkauft sind, würde dies 500.000 Fußballfeldern entsprechen. Somit wird Plastik dazu verwendet, um noch mehr Plastik aus dem Meer zu holen.

Die Sonnenbrille von The Ocean Cleanup erstrahlt im Blau des Meeres. Sie ist lange haltbar, kann leicht in ihre Einzelteile zerlegt und wiederum recycelt werden. © TOC

formfaktor: Ist Müll die neue Ressource?

Yves Béhar: Was viele als „Müll“ betrachten, ist in Wahrheit eine sehr wertvolle Ressource, die sowohl nützlich als auch schön ist. Unsere Absicht war es, zu demonstrieren, dass dieses Material eben kein „Müll“ ist, sondern etwas, das erhalten und recycelt werden sollte. Es gibt enorm viel Potenzial, Post-Consumer Materialien in neue Ressourcen umzuwandeln.

formfaktor: Wie sehen Sie generell Ihre Rolle als Designer in Bezug auf Umwelt- und Sozialfragen? Zum Beispiel bei der Reduzierung des Ressourcenverbrauchs, der Veränderung von Produktionsprozessen oder der Unterstützung des Kreislaufwirtschaftskonzepts?

Yves Béhar: Alle genannten Themen treffen zu! Jedes Projekt ist anders, aber es besteht immer die Möglichkeit, den gesamten Prozess zu überdenken, von den verwendeten Materialien, allen Prozessen bis hin zur Logistik. Designer*innen spielen eine wichtige Rolle hin zu einem Konsummodell, das sich „net positive“ auf unseren Planeten auswirkt. Es ist ein langer Weg, aber ich könnte mit nichts Wichtigeres für mich als Kreativen vorstellen.

Dieses Video zeigt den Weg vom Müll aus dem Meer zu einem Granulat, das für neue Produkte verwendet werden kann.

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