Home Architecture Low-Budget-Initiative für vernachlässigten Stadtteil in Portugal

Low-Budget-Initiative für vernachlässigten Stadtteil in Portugal

von Markus Schraml
Moreira, Escadinhas Footpaths

Matosinhos ist ein industriell geprägter Ort nördlich von Porto, der zweitgrößten Stadt Portugals, gelegen. Gleichzeitig verfügt die 175.000 Einwohner-Stadt über eine reiche Geschichte, ist Wallfahrtsort seit dem 16. Jahrhundert und bekannt für seine Strände. Der Fluss Leça mündet hier in den Atlantik. Die Fischerei ist immer noch wichtig, auch wenn die einst vielen Sardinnen-Konservenfabriken bis auf zwei schließen mussten. Die Wirtschaft von Matosinhos verändert sich – hin zu Dienstleistungen und Tourismus. Triebfeder war und ist aber der Hafen Porto de Leixões.

Im Zuge von Transformationsprozessen in Industriestädten werden manche Stadtviertel vernachlässigt und verkommen. Ein Projekt von Architekt Paulo Moreira zeigt wie solche Orte aufgewertet werden können. „Escandinhas Footpaths“ verbindet Architektur, Kunst und Natur. Es ist ein Netz von Fußwegen, das das hügelige Viertel Monte Xisto mit dem Fluss Leça verbindet.

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An dem Projekt wurde ein Jahr lang gearbeitet. In der ersten Phase der Bauarbeiten sanierte das multidisziplinäre Team aus Architekten, lokalen Bauherren, Künstlern und anderen Partnern die steilen Stufen, die zur Rua das Escadinhas führen. Der Handlauf und die Treppen wurden repariert und eine neue Abtrennung zwischen der öffentlichen Treppe und dem angrenzenden Privatareal in Form von Bänken geschaffen. Die Aufwertung erfolgte am augenscheinlichsten durch die intensive Farbgestaltung des Weges und der Mauern.

Der Weg mündet in eine Ruine, die allerdings wieder aufgebaut und in einen von Natur umgebenen Sitzbereich umgewandelt wurde. Die verwinkelte Gestaltung des Areals verführt dazu, es sich spielerisch anzueignen. Vor allem das Hinzufügen von zahlreichen Bänken war dabei wichtig, denn dadurch erhält der Ort auch praktische Qualitäten und die Menschen nutzen ihn.

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Die Maßnahmen, die Moreira und sein Team setzten, bestehen aus kleinen Eingriffen, mit denen es gelingt, den ursprünglichen Charakter des Ortes wiederherzustellen und nachteilige Entwicklungen der Vergangenheit rückgängig zu machen. Diese Initiative zeigt, wie viel Mehrwert selbst Low-Budget-Projekte für abgehängte urbane Räume bringen können.

Das Projekt wurde von INSTITUTO gefördert und von Paulo Moreira Architectures mit Verkron im Rahmen der Initiative Bairros Saudáveis entworfen. Unterstützung kam auch von InResidence / Ágora – Cultura e Desporto und União de Freguesias – Custóias, Leça do Balio e Guifões.

paulo moreira architectures

Das 2011 gegründete Büro paulo moreira architectures hat seinen Sitz in Porto. Moreira kehrte in seine Heimat zurück, verfolgte aber gleichzeitig seine akademische Karriere in Großbritannien. Der Grund für die Rückkehr war der Wunsch, sich für die architektonische Verbesserung der Heimatstadt, konkret einer bestimmten Straße, einzusetzen. Die Arbeit begann mit ersten historisch sensiblen Bausanierungen und führte zu einem langfristigen Engagement der aktiven Restaurierung und Verbesserung der Stadt. Seitdem haben Moreiro und sein Team viele Projekte vor allem in Porto und Lissabon umgesetzt – von Wohn- und Bildungsbauten über Gewerbe- und Industrieprojekte bis hin zu Interventionen im öffentlichen Raum. Ein Schwerpunkt ist die Forschung in Kontexten urbaner Konflikte und sozialer Benachteiligung. Daraus ergibt sich der Anspruch für die Architektur eine neue Rolle zu finden.


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