Home Design Der Designnachwuchs braucht mehr Chancen – Pure Talents Contest 2021

Der Designnachwuchs braucht mehr Chancen – Pure Talents Contest 2021

von Markus Schraml
Studio AJA, The Blue Project

Obwohl die imm cologne 2021 trotz enormer Anstrengungen der Messe Köln abgesagt werden musste, wird eine wichtige Initiative fortgeführt. Der Pure Talents Contest ist ein Wettbewerb für Nachwuchsdesigner*innen, die mit ihren eingereichten Ideen die Aufmerksamkeit der Branche auf sich ziehen können. Mit 862 Einreichungen (von 240 Designhochschulen) aus 59 Ländern können die Organisatoren der 18. Ausgabe des Awards durchaus zufrieden sein. „Wir mussten die Teilnahmebedingungen im Laufe des Jahres Corona-bedingt kontinuierlich der Pandemie-Situation anpassen. Darum sind wir umso glücklicher über den überraschend positiven Anmeldestand. Wir sind uns unserer Verantwortung gegenüber den jungen Kreativen bewusst und halten auch in diesem schwierigen Jahr an dem Wettbewerb fest“, unterstreicht Claire Steinbrück, Direktorin der imm cologne. Unter den Entwürfen der von der Jury ausgewählten Finalist*innen finden sich nachhaltige Konzepte, innovative Möbel und auch smarte Ideen für die Küche, denn für den Wettbewerb konnten turnusmäßig diesmal wieder Projekte für eine LivingKitchen Selection eingereicht werden.

Normalerweise werden die nominierten Entwürfe als Prototypen während der imm cologne und LivingKitchen in einer Sonderausstellung präsentiert und von den Designer*innen vor Ort betreut. Dies alles entfällt im Jahr 2021. Dennoch oder gerade deswegen will die Messe Köln so viel Aufmerksamkeit wie möglich auf die jungen Talente lenken. Im Oktober kam die Jury des Pure Talents Contest in Köln zusammen: Designerin Eva Marguerre (Studio Besau-Marguerre), Jennifer Reaves, Geschäftsführerin der Designmesse blickfang, Designer Sebastian Herkner und Norbert Ruf, Creative Director und Geschäftsführer der Thonet GmbH nominierten 26 Entwürfe (20 für den Hauptwettbewerb sowie 6 für das Thema Küche) für die Finalrunde.

Der Pure Talents Contest als Plattform für den Start ins Berufsleben

Die von den Einreichungen beeindruckte Jury wies auf die derzeit erschwerten Startbedingungen für junge Designer*innen nach der Ausbildung hin. „Für die junge Generation ist das A und O, gesehen zu werden und ihr Netzwerk auszubauen. Zu diesem Zeitpunkt der Karriere haben junge Designer noch nichts vorzuweisen“, sagt Jury-Mitglied Jennifer Reaves. „Das könnte jetzt eine verlorene Generation von Designern sein, weil aktuell keine Möglichkeit besteht, dass junge Designer auf Produzenten treffen. Die meisten Unternehmen gehen zudem auf Nummer sicher und engagieren etablierte Designer und setzen nicht auf junge Talente. Deswegen ist es wichtig, dass die imm cologne diesen Wettbewerb auch in Corona-Zeiten durchführt“, schätzt Sebastian Herkner die aktuelle Lage für den Designnachwuchs ein.

Zukunftsweisende Produktkonzepte von jungen Kreativen

Die Entwürfe der Finalist*innen kommen aus den Bereichen Möbel, Bodenbeläge, Tapeten und Textilien, Leuchten, Smart Home, Wohnaccessoires und Küche. Die Bandbreite an Funktionen, Konstruktionen und Materialien ist dabei erstaunlich groß. Von Textilien über Latex bis zu Stahlrohr, von simpler Magnetverbindung über ausgefeilte Beschlagtechnik bis zu interaktiven Steuerungen reichen die Ideen für Produkte, die den Alltag der Menschen erleichtern. So ermöglichen die aus zwei über Leuchtenfassungen klippbaren Hälften der Lampenschirmserie Twin von Albane Hundevad die Lichtstimmung schnell und einfach an die jeweilige Nutzung anzupassen. Die als Buchstütze konzipierte Lampe Elina, entworfen von Dirk Vosding, offenbart erst auf den zweiten Blick ihren eigentlichen Zweck. Sie kann als Tischleuchte oder im Regal als Leselicht genutzt werden. Neben dem Schwerpunkt Leuchten beschäftigten sich viele Jungdesigner*innen mit konzeptionellen und künstlerischen Ansätzen. Andererseits sind auch sehr konkrete Ideen dabei. So zum Beispiel Stühle, wie etwa der Olivia chair vom finnischen Designer Tatu Laakso. Seine Überlegungen in Bezug auf die Balance von Leichtigkeit, Stabilität und Ergonomie beim Werkstoff Formsperrholz führten zu einer leichten und dennoch stabilen sowie ergonomischen Struktur. Elie Fazels Idee für den im öffentlichen Raum multifunktional nutzbaren, aus Aluminium gefertigten TLV’s Chair holte sich der Designer in seiner zweiten Heimat Tel Aviv. Dort benutzen die Bewohner*innen im belebten Zentrum der Metropole die öffentlichen Räume, als wären sie ihr Wohnzimmer.

Für die LivingKitchen Selection des Pure Talents Contest wurden sechs Produkte aus den Bereichen Küchenaccessoires, Küchengeräte und Küchenkonzepte nominiert. Insgesamt kann die Jury für den Pure Talents Contest vier Auszeichnungen für die besten Wettbewerbsbeiträge vergeben. Die Preisträger*innen werden im Februar bekannt gegeben.


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