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Mobilität von morgen

Mobilität von morgen: vernetzt, autonom, systematisiert

Im Rahmen der IAA in Frankfurt wird viel über die Zukunft der Mobilität geredet. Das Konferenzprogramm hat einige hochkarätige Redner*innen auf dem Kalender. Die meisten davon naturgemäß aus der Automobilindustrie. Themen wie Künstliche Intelligenz, Data-Cloud, autonomes Fahren und E-Mobilität stehen dabei im Fokus. 2020 wird das große Jahr der E-Autos werden, das zeigt auch die Fülle an Präsentationen in Frankfurt inklusive entsprechender Starttermine für die Serienproduktion. In der Automobilbranche wird mit Hochdruck daran gearbeitet, die Mobilitätswende in Form von E-Fahrzeugen für den individuellen Besitz möglich zu machen. Doch eine sinnvolle, nachhaltige Mobilität in der Zukunft, kann natürlich nicht darin bestehen, einfach jeden Verbrenner durch ein E-Auto zu ersetzen, auch wenn die Hersteller das gerne täten. Vielmehr geht es darum, Gesamtkonzepte zu entwickeln, in der alle unterschiedlichen Mobilitätsanbieter integriert werden. Darüber wird allerdings nicht in Frankfurt, sondern wurde in Berlin diskutiert – im Zuge der SHIFT Automotive Convention (IFA). So sagte etwa Boyd Cohen (CEO von Iomob) in seiner Keynote, dass ein eigenes Mobilitätsinternet notwendig sei, wo alle verfügbaren Verkehrsmittel verbunden werden, von E-Scootern über Fahrrad-Sharing bis hin zu Straßenbahnen, Zügen und Carsharing-Lösungen. Laut Cohen würde sich das auch bezahlt machen, denn mit einer wirklich integrierten Mobility-as-a-Service-Lösung könnte der Markt bis 2030 einen Wert von 1 Billion Dollar erreichen.

Die Notwendigkeit eines individuellen Autos wurde in Berlin infrage gestellt. So meinte etwa Prof. Harold Welzer, Direktor von Futurzwei, dass die Produktion von Elektro- oder autonomen Autos die heutigen Verkehrsprobleme nicht lösen würde, und sagte: „Wir müssen die Autos loswerden“. Andere Redner sahen dies weniger radikal, diskutierten aber, ob der private Autobesitz in Zukunft nicht eher die Ausnahme sei – abgesehen von ländlichen Gebieten. Christof Schminke, CEO von Trafi erinnerte daran, dass das bloße Umsteigen auf Roller oder Carsharing die Mobilitätsprobleme nicht lösen würde, sondern im Hinblick auf Stadtplanungen von lokalen Behörden eingegriffen werden müsste.

Vernetzte Mobilität 2030+

Die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (acatech) präsentierte während der IAA in Frankfurt die Studie „Neue autoMobilität II“ zum Thema „Kooperativer Mischverkehr und intelligente Verkehrssteuerung für die Mobilität der Zukunft“. Dabei ging es um die Entwicklung eines Zielbildes für den Verkehr 2030+. Wie kann ein vernetzter, automatisierter und umwelt-/menschenfreundlicher Verkehr in Zukunft aussehen? Die von Karsten Lemmer (acatech Mitglied und Vorstand des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt e.V.) geleitete Expertengruppe von Wissenschaftlern, Vertretern der Automobilwirtschaft, des ÖPNV sowie neuen Mobilitätsdienstleistern (wie HERE) verfolgten dabei ein ganzheitlich gedachtes Mobilitätssystem mit intelligenter Gesamt-Verkehrssteuerung. Grundlage dafür sei die Erfassung der Verkehrslage in Echtzeit auf Basis aller dafür verfügbaren Datenquellen insbesondere aus der Verkehrsinfrastruktur und den beteiligten Fahrzeugen. Neben der Einführung des automatisierten und vernetzten Fahrens, dessen Akzeptanz in der Bevölkerung durch Partizipation beschleunigt werden könnte, sei auch eine Reduktion des Individualverkehrs notwendig. Ein weiterer Aspekt betrifft die Rolle der Kommunen. Sie seien einer der wichtigsten Faktoren beim Aufbau einer besseren Mobilität und nicht etwa Unternehmen oder der Staat. Denn Kommunen könnten Mobilität passend für die lokalen Bedürfnisse gestalten und dabei die Menschen vor Ort aktiv miteinbeziehen. Laut Studie stehen Kommunen als vertrauenswürdige Mittler auch im Zentrum der Datenökosysteme, auf denen der vernetzte, automatisierte Verkehr beruhen wird. Für diese entscheidende Rolle müssten die Kommunen aber erst „fit gemacht” werden.

Die Autoren der Studie sehen die derzeitige Situation für die Umsetzung eines kooperativen Mischverkehrs als sehr positiv. Denn dank der Digitalisierung könne das immer vielfältiger werdende Angebot unterschiedlichster Verkehrsmittel mit sehr geringem Aufwand zu „intermodalen Reiseketten verbunden werden“. Alle Verkehrsträger sollten kommunikationstechnisch als Teil einer Internet-der-Dinge-Vision zukünftiger Mobilität vernetzt werden, „damit Verkehr und Mobilität multimodal optimal gesteuert werden können.“ Wichtig sei es, die physischen Umsteigeorte innerhalb dieses intermodalen Verkehrssystems so einfach und angenehm wie möglich zu machen. Sogenannte Mobility Hubs mit hoher Aufenthaltsqualität sollen dafür sorgen. Mit der veränderten Mobilität sollten Verkehrsflächen nach Produktivitätsaspekten neu verteilt werden. Aufgrund der höheren Besetzungsgrade von gemeinschaftlich genutzter Mobilitätsdienste würden Flächen frei werden, die für umweltfreundlichere Verkehrsmittel oder für mehr Aufenthaltsqualität umgewidmet werden sollten. Das Ziel einer derartigen Neuverteilung in urbanen Räumen, ist wiederum das bessere Ineinandergreifen von neuen Verkehrsträgern. Wie unsere Städte aussehen, würde sich damit zum Teil massiv verändern – und zwar zum Positiven. In den Schlussfolgerungen der 120 Seiten starken Studie wird auf die Wichtigkeit der Vernetzung der Mobilitätsdaten hingewiesen, die derzeit noch in unverbundenen Datenspeichern abgelegt seien. „Nur mit Vernetzung und zielgerichteten Zugriffsmöglichkeiten kann das volle Datenpotenzial zum Nutzen des Verkehrs ausgeschöpft werden. Zum gemeinwohlorientierten Ziel der Verkehrssteuerung sollen die relevanten Daten frei und unentgeltlich zur Verfügung stehen.“

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