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Nachdenken über die Zukunft – Industrial Design Show 2019

von Markus Schraml
Industrial Design Show 2019

Die Aufgaben von Designer*innen werden immer anspruchsvoller und komplexer. Sie müssen das gesamte Umfeld und alle Auswirkungen von Produkten und Prozessen mitdenken. Damit der Designnachwuchs dafür gerüstet ist, sind gut ausgestattete Hochschulen und kompetente Lehrkräfte unabdingbar. In der FH JOANNEUM Graz wird im Studiengang Industrial Design genau das geboten. Die Projektarbeiten der Studierenden werden alljährlich in der Industrial Design Show im designforum Steiermark der Öffentlichkeit präsentiert. In der Ausgabe 2019 wirft die Bandbreite der Arbeiten ein eindrückliches Licht auf die Vielfältigkeit der Ausbildung und gleichzeitig die unterschiedlichsten Problemstellungen, denen mit Designmethoden begegnet werden kann.

Entsprechend den Schwerpunkten Produktdesign, Mobility Design und Eco-Innovative Design beschäftigten sich die Studierenden mit Themen wie Zukunft der Mobilität, Maximierung der User Experience oder alternativer Energiegewinnung und -speicherung. Seit 1. Oktober 2018 leitet Designer Thomas Feichtner die Bachelor- und Masterstudiengänge „Industrial Design“ an der FH JOANNEUM. Er sieht seine vorrangige Aufgabe darin, den Studierenden einen möglichst großen Erfahrungsschatz mit auf den Weg zu geben. „Es ist einfach eine Sammlung an Erfahrungen, die auf einem so hohen Niveau sind, dass sie da draußen alles challengen können und großen Erfolg haben. Ich möchte nicht nur, dass die Studierenden mit ihren Skills gute Mitarbeiter in Designbüros und Designunternehmen werden, sondern dass sie auch selber Gründer werden, dass sie selber Dinge in die Hand nehmen, Designbüros gründen, Designagenturen gründen – eine aktive Rolle übernehmen. Dafür braucht es mehr als nur ein gutes Gefühl für Form, mehr als ein gutes Gefühl für Konzept, dazu braucht es vor allem eine aktive und nicht eine passive Haltung. Das ist es, was ich vermitteln möchte. Dieses tun, machen, ausprobieren, Hände rein, zeichnen, bauen – dieses Aktive ist mir ganz ganz wichtig“, sagt Feichtner. Die Bedingungen dafür seien in Graz hervorragend, vor allem deswegen, weil die Studierenden alle unter einem Dach, in einem Atelier sind: „Das heißt, der oder die Erstsemestrige kann sofort von den höheren Semestern lernen und profitieren. Das ist einzigartig in der ganzen Designlandschaft und ist mit eine Ursache für die hohe Qualität – die Räumlichkeiten. Das Zweite, was auch ganz wichtig ist, ist, dass sich hier in Graz die einzige Hochschule befindet, die einen Bachelor und Master of Arts and Design vergibt. Das ist der international kompatibelste Abschluss, den man eigentlich machen kann“, betont Feichtner

Die hohe Qualität der Ausbildung zeigt sich in den ausgestellten Arbeiten, den Prototypen, Skizzen und Dokumentationen. Etwa die Bachelorarbeit MALEA Stadtbus der Zukunft von Katrin Auer. Das ist ein autonomer, elektrischer Bus, mit dem neue Zielgruppen erschlossen werden können. Flexible Fahrzeiten und Haltestellen sollen die Akzeptanz erhöhen. Mittels App wird das Ganze organisiert. Das Interieur hat eine Lounge-Zone für längere Busfahrten und einen Hop on / Hop off-Bereich für Kurztrips. Das Design ist barrierefrei und bietet erhöhte Sitzmöglichkeiten in der Nähe des Eingangs für körperlich beeinträchtigte Personen. In der Diskussion um die Wende hin zur E-Mobilität wird oft vergessen, dass es nicht um den Ersatz einer Energiequelle durch eine andere gehen darf, sondern darum, die Mobilität der Menschen grundsätzlich zu überdenken. Thomas Feichtner: „Es braucht andere Mobilitätskonzepte. Und ich glaube, was ein Gamechanger sein kann, ist, dass wir hier eine Generation mit einem ganz anderen Mindset haben. Das Auto ist nicht mehr ein Statussymbol. Es geht nicht mehr um die doppelte Naht im Lederinterieur und das vierfach geschliffene Wurzelholz, das noch lackiert ist. Es ist eine Generation, die einfach auf dieses Thema pfeift. Diese Generation möchte von A nach B kommen. Sie möchte Dinge erleben, Dinge sharen, Erfahrungen sammeln. Das spielt sich auf einer ganz anderen Ebene ab.“

Die Masterarbeit Designing Trust von Frieder Heitmann entstand in Kooperation mit BMW Designworks. Bei „BMW Home for Minutes“ handelt es sich um ein autonomes Fahrzeug mit flexiblem Interieur, das dem jeweiligen Besitzer individuell angepasst werden kann. Durch die Individualisierungsmöglichkeiten des Interieurs wird ein Fahrzeugcharakter geschaffen, der im Hinblick auf Shared Mobility und Shared Community Alleinstellungsmerkmale als – in einem ersten Schritt – niederschwellige Akzeptanzfaktoren einführt. Dem Thema „Circular Economy“ widmete sich ein Projekt, das in Zusammenarbeit mit Borealis entstand, wo es um Visionen für eine kunststofflose Zukunft ging, weil die Produkte im Kreislauf immer wieder verwendet werden. Für Studiengangsleiter Thomas Feichtner ist das Thema der Veränderung der Produktions- und Wirtschaftsweise besonders wichtig: „Meine Designauffassung ist, ein Produkt nicht isoliert zu betrachten, nicht als Input/Output, sondern in seiner ganzen Komplexität, in seiner Interdisziplinarität, in seinem ganzen Konzept. Es ist wichtig, zu verstehen – woher kommt es, wohin geht es, wer hat es gemacht, wie wird es verwendet, wohin kommt es danach, wird es wiederverwendet, wie wird es recycelt, was passiert zum Schluss. Wenn wir etwas – das klingt jetzt fast biblisch – aus unserer Erde machen, dann muss es auch wieder zu Erde werden können.“

Nach seinem ersten Studienjahr zieht Thomas Feichtner ein positives Resümee und betont die Wichtigkeit von Lehrkräften, die selbst aktiv im Berufsleben stehen. „Ich möchte Designer sein und ich möchte Lehrender sein. Ich habe schon einmal an einer Hochschule unterrichtet, wo ich der Einzige war, der diesen Beruf auch ausgeübt hat. Meine Kollegen hatten ihren Beruf zum letzten Mal in den 80er, 90er Jahren ausgeübt. Und ich habe gesehen, wie unseriös diese Ausbildung ist, wenn nicht jemand das, was er unterrichtet auch selber tut.“

Die Industrial Design Show, eine Kooperation mit Creative Industries Styria, läuft im designforum Steiermark bis zum 27. Juli (Di- Sa, 13. bis 19 Uhr). Der Eintritt ist frei.

 

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