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Ökologisches Design aus Deutschland

von Markus Schraml
Bundespreis Design 2021: Preisträger in der Kategorie Service - RePack Original RePack Oy. © IDZ | Original RePack Oy

Beim deutschen Bundespreis Ecodesign 2021 wurden zehn Produkte und Konzepte ausgezeichnet. Die Palette der unterschiedlichen Projekte reicht von einem Schulgebäude mit klimapositiver Energiebilanz, Online-Bestellungen ohne Versandmüll bis zu Körper- und Haar-Pflegemittel zum Selbstmischen. Diese höchste staatliche Auszeichnung für ökologisches Design in Deutschland wurde heuer bereits zum 10. Mal verliehen.

Rita Schwarzelühr-Sutter, Parlamentarische Staatssekretärin und Jurymitglied, sieht in Design, das Ökologie und Ästhetik vereint, modernen Umweltschutz. „Ob ein Produkt sich positiv oder negativ auf die Umwelt auswirkt, wird maßgeblich über sein Design entschieden. Ecodesign konsequent gedacht – von der Herstellung über die Nutzung bis zum Recycling – macht es möglich, Konsum vom Ressourcen- und Energieverbrauch zu entkoppeln.“ Schwarzelühr-Sutter wies aber auch auf die Problematik hin, dass die Umwelteigenschaften von Produkten und Dienstleistungen gerne offensiv beworben würden, es sich dabei allerdings oft um Irreführung handele. „Den inflationären Gebrauch der Begriffe ‚klimaneutral‘ und ‚klimapositiv‘ sehen wir kritisch. Manchmal stehen dahinter gute Absichten, häufig ist es jedoch Greenwashing und Verbrauchertäuschung.“

Auch Dr. Dirk Messner, Präsident des deutschen Umweltbundesamtes meint, dass die Entkopplung von Ressourcenverbrauch und Wohlstand durch Ecodesign unterstützt werde. Ökologisches Design spiele eine zentrale Rolle in der Etablierung der Kreislaufwirtschaft. Folgende Produkte/Projekte wurden beim Bundespreis Ecodesign im Jahr 2021 ausgezeichnet:

Kategorie Produkt

• CareTwice Shampoopulver – CareTwice UG (Stuttgart)

Durch Zugabe von Wasser lässt sich das in Papier verpackte Shampoopulver in flüssiges Haarwaschmittel verwandeln – und zwar selbstständig zu Hause. Das bedeutet eine erhebliche Einsparung von Material und Energie.

• Duschgel- & Handseifen-Pulver – Less Waste Club UG (Kirchroth, Bayern)

Der Wasseranteil dieser Körperpflegeprodukte in Pulverform wird nahezu auf null reduziert. Dies und der Verzicht auf Plastikverpackungen sparen im Herstellungs- und Lieferprozess einen Großteil der CO²-Emissionen ein.

• Natürlicher Softshell – Hess Natur-Textilien GmbH & Co. KG (Butzbach, Hessen)

Dieser Softshell aus reiner Bio-Baumwolle vereint Tragekomfort, Design und Alltagstauglichkeit.

• NEO 3R 9,8 MM – EDELRID GmbH & Co. KG (Isny, Baden-Württemberg)

Zu einer Hälfte aus Neumaterial und zur anderen Hälfte aus recycelten Seilen zeigt dieses Produkt als erstes dynamisches Bergseil, dass sich die Einhaltung hoher Sicherheitsstandards und Ressourcenschonung nicht ausschließen müssen.

• VIOWALL Glasschaumkissen – Viol.Glass (München)

Diese Lösung für eine natürliche Trocknung feuchter Wände besteht aus Kissenelementen, gefüllt mit Glasschaum, der aus Altglas gewonnen wird. Die Kissen bilden nicht nur eine effiziente Feuchtigkeitsbarriere, sondern verzichten auch auf den Einsatz erdölbasierter Stoffe.

Kategorie Service

• RePack – Original RePack Oy (Helsinki)

Als Dienstleistung für wiederverwendbare Versandpackungen sorgt dieses Projekt für weniger Müll im E-Commerce. Online-Shops verschicken ihre Ware in RePacks und Verbraucher*innen senden sie durch Einwurf beim nächsten Briefkasten kostenfrei zurück.

Kategorie Konzept

• Null-Energie-Fachklassentrakt – LIEBEL/ARCHITEKTEN BDA (Aalen, Baden-Württemberg), Transsolar Energietechnik GmbH (Stuttgart), Stadt Aalen als Bauherr

Das Null-Energie-Gebäude verwertet die Energie aus Sonne, Thermik und Erdwärme auf maximale Weise, sodass es am Ende des Jahres mindestens genauso viel Energie erzeugt wie verbraucht hat. Die Bilanz umfasst Gebäudebetrieb sowie Energiemengen für Nutzungsstrom.

Kategorie Nachwuchs

• Ein Pelzmantel und seine Folgen – Magdalena Keller (Hochschule Niederrhein, NRW)

Die Masterarbeit beschäftigt sich mit der Weiterverwendung von alten Pelzmänteln und Fellabfällen aus invasiver Jagd. Pelzreste können zu Garn verarbeitet werden, aus dem wiederum eine langlebige, recycelbare Modekollektion hervorgeht.

• MateriaLab – Florian Henschel (Bauhaus-Universität Weimar)

Das System aus Experimentierkästen bietet Grundschulkindern die Möglichkeit, verschiedene Recycling- und Abfallprozesse selbst durchzuführen. So wird Bewusstsein für den Wert von „Müll“ geschaffen und zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Abfällen motiviert.

Platzhalter – Lasse Schlegel, David Schwarzfeld (Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, Niedersachsen)

Das Projekt transformiert Werbeflächen zu Orten, wo nicht länger Konsumbotschaften platziert werden, sondern an denen Menschen zum Austausch zusammenkommen. In unterschiedlichen Veranstaltungsformaten wird die Gestaltung des öffentlichen Raums thematisiert.


Das deutsche Bundesumweltministerium und das Umweltbundesamt loben den Bundespreis Ecodesign seit 2012 jährlich gemeinsam mit dem Internationalen Design Zentrum Berlin aus. Der Wettbewerb zeichnet in den vier Kategorien Produkt, Service, Konzept und Nachwuchs herausragende Arbeiten aus, die sowohl in puncto Umweltfreundlichkeit als auch im Designanspruch überzeugen. Er richtet sich an Unternehmen aller Größen und Branchen sowie Studierende. Innovationsgehalt, Gestaltungsqualität und Umwelteigenschaften stehen bei der Bewertung im Vordergrund. Auch Auswirkungen auf die Alltagskultur und das Verbraucherverhalten werden berücksichtigt. Dabei findet der gesamte Produktlebenszyklus von den Vorstufen der Produktion über Fertigung, Distribution und Nutzung bis hin zum „End of Life“ Beachtung.


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