Home Architecture Re-Edition: Flexible Leuchten von Charlotte Perriand

Re-Edition: Flexible Leuchten von Charlotte Perriand

von Markus Schraml
NEMO, Charlotte Perriand

Mit der vorurteilsgetränkten Aussage „Wir sticken hier keine Kissen“ lehnte Le Corbusier die Bewerbung einer jungen Designerin im Jahr 1927 schroff ab. Es war Charlotte Perriand, die zwei Jahre zuvor ihr Möbelstudium an der École de L’Union Centrale des Arts Décoratifs in Paris abgeschlossen hatte. Was der berühmte Architekt nicht wusste, war, dass Perriand bereits einiges Aufsehen mit ihrer „Bar sous le toit“ (Bar unterm Dach) erregt hatte, ein Stück aus vernickeltem Kupfer und eloxiertem Aluminium, das sie ursprünglich für ihr eigenes Studio entworfen hatte und das in der Ausstellung „Salon d’Automne“ zu sehen war. Als Le Corbusier diese Arbeit, eine „Kreation des Maschinenzeitalters“, kurze Zeit zu Gesicht bekam, engagierte er Perriand umgehend. Damit begann eine zehn Jahre währende Mitarbeit im Studio von Le Corbusier und Pierre Jeanneret. Die meisten Möbeldesigns aus dieser Zeit stammen von ihr, obwohl sie unter dem LC-Label präsentiert wurden. Sie war darauf aus, funktionelle Möbel und Wohnräume zu gestalten und experimentierte mit Stahlrohr. Das hehre Ziel war, durch bessere Designs eine bessere Gesellschaft zu schaffen. 1981 schrieb Perriand in einem Artikel in „L’Art de Vivre“: „Die Fortsetzung der Kunst des Wohnens ist die Kunst des Lebens – im Einklang mit den tiefsten Trieben des Menschen und seiner adaptierten oder gemachten Umgebungen zu leben.“

Charlotte Perriands Möbel wurde nie in Großserien produziert, sondern waren meist Entwürfe für bestimmte Architekturprojekte. Bis sich Cassina der Arbeiten Perriands annahm und sie wieder auflegte. Perriand fungierte dabei als Beraterin. Neben vielen Möbeln hat die Französin in ihrer beeindruckenden Karriere auch eine Reihe von Leuchten designt. In Zusammenarbeit mit dem Charlotte Perriand Archiv legt der italienischen Leuchtenhersteller NEMO nun Perriands Leuchtenmodelle neu auf. „Wir glauben, dass wir beim Entwerfen von Architektur und Objekten verpflichtet sind, gleichzeitig nach vorne und zurückzuschauen, zwischen den Spuren der Vergangenheit und den Ambitionen für die Zukunft, um die Idee des guten Projekts zu erreichen, die unsere Arbeit inspiriert“, sagt NEMO-CEO Federico Palazzari.

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Für Perriand waren Leuchten nicht Dekoration, sondern wichtige architektonische Elemente, die ganz bestimmte Funktionen erfüllen mussten. Durch ihren minimalistischen Designansatz sind sie zeitlos und heute noch zeitgemäß. „Charlotte Perriands Leuchten sind keine ‚Designer‘-Leuchten, sondern Architekten-Leuchten, die als architektonisches Element eines Ensembles mit Volumen und Proportionen spielen, um den Raum ‚singen‘ zu lassen“, schreiben Pernette Perriand-Barsac und Jacques Barsac vom Charlotte Perriand Archiv. „Die meisten Leute der Avantgarde, wie Charlotte Perriand, wollten immer die Massen erreichen, aber es gelang ihnen damals nicht. Dank NEMO wird das, was früher unmöglich war, heute realisiert“, heißt es weiter. Perriands Leuchten sind nicht unbeweglich, sondern können gedreht und gebogen werden, wodurch sie flexibel auf die Bedürfnisse des Nutzers / der Nutzerin eingestellt werden können.

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Nachdem Perriand 1937 das Studio von Le Corbusier verlassen hatte, arbeitete sie mit Jean Prouvé zusammen. 1940 ging sie – als die Deutschen Paris okkupierten – nach Japan und fungierte dort als offizielle Beraterin für Industriedesign des Handelsministeriums. Sie hatte dadurch einen nicht unerheblichen Anteil an der Entwicklung des japanischen Designs. Gleichzeitig wurde sie vom japanischen Handwerk stark beeinflusst. 1946 kehrte sie nach Paris zurück. Für die Air France entwarf sie 1957 das Londoner Büro und danach auch die Büros in Paris und Tokio. Von 1959 – 1970 gestaltete Perriand das „Völkerbund“-Gebäude der Vereinten Nationen in Genf. Ihr bekanntestes Werk ist wohl „Les Arcs“, Hotels und Wohnungen in Savoie (französische Alpen), die sie Ende der 1960er-Jahre entwarf. Dabei entwickelte sie ein System der Standardisierung, wodurch der Bau viel effizienter und vergleichsweise schnell durchgeführt werden konnte.

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