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Rem Koolhaas als Musiksample

von Markus Schraml

Tempers sind ein Duo des Musikgenres Electronica mit starker Industrial Pop Attitüde und haben in ihrem im vergangenen Herbst veröffentlichten Album „Junkspace“ Samples von Rem Koolhaas verwendet. Die O-Ton-Ausschnitte stammen aus einem Interview, das Koolhaas im KaDeWe mit Katja Eichinger über den Umbau des berühmten Kaufhauses geführt hat. Die Begegnung mit der niederländischen Architektenikone brachte die deutsche Journalistin und Fotografin auf die Idee für „Junkspace“, und sie schlug das Konzept der befreundeten New Yorker Band Tempers vor. Jasmine Golestaneh und Eddie Cooper, als Nordamerikaner mit Shopping Malls groß geworden, willigten ein und machten sich an die Arbeit. Ohne Zweifel konnten sie aus einem riesigen Fundus von Erinnerungen und Geschichten aus ihrer Jugendzeit schöpfen.

Herausgekommen ist ein Konzeptalbum über Shopping Malls, dessen typische Bauelemente die Titel der Songs ergeben: „fake palm tree“, „escalator“ oder „air conditioner“. Die pulsierenden, elektronischen Beats, der hypnotische, hallige Gesang und die zum Teil treibenden Synthesizer-Sounds werden in regelmäßigen Abständen mit Rem Koolhaas-Statements verknüpft. Wobei die Grundstimmung der Musik hauptsächlich düster bis bedrohlich wirkt und so dem manipulativen Charakter von Einkaufszentren völlig entgegengesetzt ist. Der Architekt spricht über die Psychologie des Einkaufens und wie die dafür geschaffenen Orte versuchen, die Realität zu eliminieren. Deshalb wird „Junkspace“ wohl nie in einem Einkaufstempel aus den Lautsprechern tönen, dafür aber in den angesagtesten Clubs der Stadt zu hören sein.

Das Berliner Kaufhaus des Westens wird seit 2015 von Rem Koolhaas Architekturbüro OMA umgebaut.

Tempers sind noch bis zum 23. Februar auf Europa-Tournee.

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