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Restaurant-Arena von Neri & Hu in Paris

von Markus Schraml
Neri & Hu, Papi

Der aufstrebende französische Gastronom Etienne Ryckeboer beauftragte das Shanghaier Studio Neri & Hu damit, sein neues Restaurant „Papi“ im 9. Pariser Arrondissement zu gestalten. Auf nur 52 m² erzählen die Architekt*innen die Geschichte dieses typischen Haussmann-Gebäudes aus dem späten 19. Jahrhundert – und zwar Schicht für Schicht. Dafür wurden während der Demontagephase sehr sorgfältig die Oberflächen, die sich im Lauf der Jahrzehnte aufgebaut hatten, freigelegt. Aber nicht, um sie wieder hinter einer neuen Fassade zu verstecken, sondern um die existierenden Elemente, die bloßen Materialien als Zeugen der Geschichte so zu belassen. Deshalb sind im Interieur Teile der alten Kalkstein- und Ziegelmauern zu sehen sowie eine Rohstahlsäule und Ziegelsäule erhalten. Jedes Fragment repräsentiert eine andere Periode in der Pariser Historie. In ihrer Gesamtheit bilden sie die Grundlage für das Designkonzept von Neri & Hu. Von Außen betrachtet, fügt sich das kleine Restaurant völlig unauffällig in seine historische Umgebung ein, nur ein winziger Schriftzug im 1950er-Neonröhrenreklamestil verweist auf das „Papi“.

Trotz der sehr kompakten Nutzfläche schaffen es die Architekt*innen ein arenaförmiges Oval in den Raum zu stellen, das die meisten Sitzgelegenheiten, die Zubereitungstheke des Küchenchefs und einen Platz für den Holzofen beherbergt. Die runde Umrahmung ist oben und unten mit weißen, konvexen, handgefertigten Keramikfliesen verkleidet. Dickes Birkensperrholz rahmt die zahlreichen Öffnungen ein und formt auch die Sitzbänke. Im Zentrum des Raums steht ein Gemeinschaftstisch für acht Personen, über dem eine lange eigens angefertigte Pendelleuchte hängt. Einen modernen Kontrast zur Kalksteinwand bilden die neonröhren-förmigen Leuchten von Viabizzuno, die allerdings senkrecht platziert sind. Die gepolsterten Holzstühle wurden von De La Espada maßgefertigt und von Neri & Hu speziell für das Papi entworfen.

Von der französischen Vogue als ein neuer Hotspot bezeichnet, den man unbedingt kennenlernen muss, bietet das Papi mit Chefkoch Akira Sugiura saisonale italienische Gerichte inklusive hervorragender Pizza (für den speziellen Sauerteig sorgt Thierry Delabre). Es scheint, als habe Gastronom Etienne Ryckeboer nach der bekannten Seafood-Bar „Bulot Bulot“ erneut einen Volltreffer gelandet. Das bemerkenswerte Design für diesen intimen Ort von Neri & Hu hat daran einen gewichtigen Anteil.


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