Home Architecture Stairway to the sky – Architekturobjekt von nendo

Stairway to the sky – Architekturobjekt von nendo

von Markus Schraml
stairway house by nendo

Das japanische Designstudio nendo ist seit Jahren für außergewöhnliche Produktdesigns bekannt. Ebenso sind Oki Sato und sein Team Spezialisten, wenn es um neuartige Interieurs für Shops geht. Weit weniger oft gestalteten die Kreativen in der Vergangenheit private Häuser und Wohnungen (zuletzt 2008 das moss house). Nun aber zeigt nendo mit einem Hausprojekt für zwei Familien und drei Generationen in einem Wohngebiet nur 10 Minuten vom Stadtzentrum Tokios entfernt, dass sich der enorme Erfahrungsschatz des Studios in puncto Installationen in Museen, bei Festivals und Messen auch für den Wohnraum nutzen lässt. Das auffälligste Merkmal des „stairway house“ ist eine schräg durch den Wohnkubus führende große Treppe. Oki Sato entwickelte diese Idee aus den Bedürfnissen des Kunden heraus. „Treppen haben gewöhnlich nur einen Zweck, sie werden zum Hinauf- und Hinuntergehen verwendet. Ich erkannte aber, dass Treppen sowohl funktional als auch emotional viel mehr sein können, wenn man sie anders betrachtet, nämlich als durchgehendes Objekt“, sagt der Gründer und Chefdesigner von nendo.

Die auf den ersten Blick wie ein Fremdkörper wirkende Treppen-Konstruktion erfüllt mehrere Funktionen, wobei der Zugang zu den Wohnräumen nicht dazugehört: 1. verbindet sie beide Familien, die hier auf drei Etagen aufgeteilt wohnen. 2. dient die Treppe als Aufstellungsort für zahlreiche Pflanzentöpfe und 3. beherbergt die nach oben hin immer steiler aufragende Treppe Stauräume, Badezimmer, Toiletten sowie die wirkliche Treppe. Der Zugang befindet sich unterhalb des Treppenblocks auf Höhe der Glasfront. Außerdem stellt diese ungewöhnliche Stufenkonstruktion eine Verbindung zwischen außen und innen her. „Ich wollte, dass diese Verbindung sanft ist, deshalb entwickelte ich das stufenartige Objekt. Auf den ersten Blick macht das Design einen starken Eindruck, aber es ist auch sehr ausgeglichen, durch seine räumliche Funktion und der Sorgfalt in den Details. Es scheint, dass die Kunden sehr zufrieden damit sind“, meint Sato. Das Treppen-Objekt ist in Putz ausgeführt, da sich das Material, das im Inneren verwendet wurde, von dem für den Außenbereich unterscheidet. Um ein gleiches Aussehen zu erreichen, stellte das Team zahlreiche Versuche an. Für den finalen Look wurden die vertikalen und horizontalen Flächen der Treppe schließlich in leicht unterschiedlichen Farben gestrichen. Die waagerechte Fläche etwas heller als die senkrechte, was der Konstruktion einen soliden Charakter verleiht.

stairway house by nendo
Der Zugang zum eigentlichen Treppenhaus des Gebäudes befindet sich innerhalb des Treppenblocks auf Höhe der Glasfront. © Foto: Daici Ano
stairway house by nendo
Die innerhalb des Treppenblocks befindliche wirkliche Treppe. © Foto: Takumi Ota
stairway house by nendo
Auch die Toiletten liegen im Inneren der großen Treppe. © Foto: Daici Ano
stairway house by nendo
Das großzügige Badezimmer ist ebenso in der Treppenkonstruktion untergebracht. © Foto: Takumi Ota
stairway house by nendo
Die außergewöhnliche formale Kombination sowie die Etagen und die Struktur der Glasfront kommen am Abend besonders klar zur Geltung. © Foto: Daici Ano

Der 2-stöckige Wohnkubus wurde auf dem Grundstück nach Norden verschoben, um Tageslicht, Belüftung und das Grün des Hofes über die große Glasfassade ins Wohnumfeld zu bringen. Außerdem konnte dadurch der vorhandene Kakibaum erhalten werden. Das ältere Ehepaar bewohnt das Erdgeschoß. Ohne Treppen steigen zu müssen, hat es bequemen Zugang zum Freibereich. Im Teil der Treppe, der sich außerhalb der Glasfront befindet, wurde der Raum für die acht Katzen des älteren Paares untergebracht. Eine elegante Lösung, um den Tieren den Wechsel zwischen innen und außen möglichst leicht zu machen. Außerdem ist eine Trennung von Menschen- und Tierraum in der täglichen Praxis sinnvoll – bei aller Tierliebe. Gleichzeitig fällt die Vorstellung gar nicht schwer, dass nicht nur Pflanzentöpfe, sondern sich auch Katzen auf der Treppe drapieren (möglichst weit oben).

Das jüngere Paar und dessen Kind bewohnen den 1. und 2. Stock. Da die Mutter Pflanzen liebt, erfüllen Treppe und Glasfront auch die Funktion eines idealen Gewächshauses. Je nach klimatischem Bedarf und Jahreszeit können die Pflanzentöpfe inner- oder außerhalb platziert werden. Um die Raumaufteilung auf allen drei Ebenen praktikabler zu gestalten, wurde die Treppenkonstruktion nach rechts verschoben. Dadurch entstehen auf der linken Seite größere Räume, die geringere Grundfläche rechts wird durch die Raumhöhe ein wenig ausgeglichen. Außerdem entsteht durch die Verschiebung der Treppe eine gerade Linie von der Zufahrtsstraße bis zum Dach des Hauses. In der gestalterischen Vision führt die Treppe immer weiter hinauf (dann als gedachte Linie) bis in den Himmel. Zu einem Ort voller Raum und Bewegungsfreiheit, Dinge, die in dem zwar ruhigen aber sehr dicht besiedelten Wohnviertel Mangelware sind. Die Design-Vision wurde von Oki Sato eng mit praktischen Lösungen verknüpft. So lässt sich etwa der Bereich Küche/Esszimmer im 1. Stockwerk adaptieren. „Wir haben ein Design erstellt, bei dem der Raum durch verschiebbare Trennwände geteilt werden kann. Wobei der Raumteiler in der Wand versteckt ist. Beim Öffnen durchschneidet die Trennwand sozusagen den Küchen-Tisch-Block, teilt den Raum und schafft zusätzliche Privatheit“, erklärt Sato.

stairway house by nendo

Der Esszimmer/Küchenbereich lässt sich verschiedenen Bedürfnissen anpassen. © Fotos: Takumi Ota

 

Durch die Treppe entsteht in der 1. und 2. Etage in Richtung Glasfront ein offener Raum für die jüngere Familie mit Kind. Der linke Bereich des Erdgeschoßes, in dem das ältere Paar wohnt, ist davon getrennt. Das rechts der Treppe liegende kleine Arbeitszimmer im Erdgeschoß profitiert von doppelter Raumhöhe. Diese Öffnung stellt eine dreidimensionale Verbindung der beiden Wohnbereiche her. Hier wiederholt sich die Idee, die schon durch die Treppen-Konstruktion als augenscheinliches Grundthema die Szenerie bestimmt.

Nach mehreren Jahren, in denen nendo keinerlei Wohnprojekte umgesetzt hat, ist dem Studio mit dem „stairway house“ nun wieder eine außergewöhnliche Arbeit gelungen. Auf die Frage, was die größte Herausforderung bei diesem Projekt gewesen sei, antwortet Oki Sato: „Da ich an Produkten, Interieurs oder Architekturprojekten arbeite, habe ich erkannt, dass alles auf derselben Herstellungsbasis fußt. Architektur ist so gesehen nichts Besonderes.“

stairway house by nendo

Das „stairway house“ steht in einer ruhigen Wohngegend, die von Ein- und Mehrfamilienhäusern beherrscht wird.

Die Kooperationspartner dieses Projekts von nendo waren das Architekturbüro YSLA sowie die Pflanzspezialisten von SOLSO.

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