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Stühle für bestes Sitzen. In- und Outdoor

von Markus Schraml
nendo, blade

Wer länger sitzt, ist früher tot“ titelte Die Zeit in einem Artikel. Menschen mit Schreibtisch-Jobs haben demnach ein sehr viel höheres Risiko einen Herzinfarkt zu erleiden. Aber nicht nur in der Arbeit, auch im Auto, in öffentlichen Verkehrsmitteln und schließlich zu Hause wird viel gesessen. Tatsächlich häufen sich die Studien, in denen ein direkter Zusammenhang zwischen langem täglichen Sitzen (ab 10 Stunden) und dem frühzeitigen Ableben hergestellt wird. Sport als Ausgleich hilft, auch das Unterbrechen der Sitz-Phasen ist von Vorteil. Schließlich macht es auch einen Unterschied, ob auf einem ergonomisch hochwertigen Stuhl oder einem Gewinn-maximierten Billigprodukt Platz genommen wird. Dazu gibt es zwar kaum aussagekräftige Untersuchungen, aber bei im Schnitt 7,5 Stunden Sitz-Zeit pro Tag, ist es in jedem Fall besser, auf einem guten Möbel zu sitzen.

In dieser formfaktor-Rundschau haben wir einige Stuhl-Neuheiten versammelt, die neben hervorragendem Design auch gutes Sitzgefühl mitbringen. Etwa Still Life von Blå Station. Marcel Siegel verleiht dem an sich traditionellen Birkenholzstuhl mit einer extremen Biegung an den Enden der Rückenlehne besonderen Charme. Das ungewöhnlich eng gebogene Holz wirkt verspielt und – den Herstellungsprozess bedenkend – beinahe unwirklich. Der Stuhl Joko (Hersteller: Kristalia) von Bartoli Design ist das Ergebnis jahrelanger Forschung. Es ging um eine maximale Vereinfachung ohne dabei in Banalität zu verfallen. Der Stuhl besteht aus einer einzigen organischen Oberfläche, die von den Vorderbeinen über Sitz und Rückenlehne bis zu den Hinterbeinen reicht. Ein sehr schlichtes Möbel ist der Vico Duo Stuhl von Fritz Hansen, den das Unternehmen anlässlich des 100. Geburtstages von Vico Magistretti neu auflegt. Der italienische Designer und Architekt entwarf den Stuhl 1997 in der Designabteilung von Fritz Hansen und war sehr daran interessiert, das Fachwissen und die Tradition des Unternehmens im Furnierbereich zu nutzen. Die Einzigartigkeit dieses Entwurfs besteht in den von einer „Z”-Linie inspirierten (welche Magistretti locker auf Papier skizzierte)verkehrten“ Armlehnen, die gemeinsam mit den hinteren Beinen aus einem einzigen Stück Stahl bestehen.

Von Japans führendem Holzmöbelhersteller Karimoku Furniture Inc. entwickelt, ist Karimoku Case Study eine Marke, die in enger Zusammenarbeit mit den Architektur- und Design-Studios Norm Architects und Keiji Ashizawa Design entstanden ist. Startpunkt der Kooperation war die Renovierung zweier Apartments des Kinuta Terrace-Projekts in Tokio. Dafür wurden maßgeschneiderte Möbel entworfen, die zur Gründung der Marke Karimoku Case Study führten. Nun wird die Kollektion um einen Lounge Chair, Beistelltisch sowie Esstischstuhl erweitert. Damit umfasst die Marke 12 Möbelstücke. Wenn ein Italiener nordisches Design interpretiert – dann entsteht so etwas wie der Stuhl „Finn“ von SCAB Design. Marcello Ziliani: „Das Finn-Projekt basiert auf einem Kontrast und einer Verschmelzung von nordischen Elementen, gefiltert durch eine typisch italienische Süße und Weichheit. Es ist ein Spiel von Referenzen und Beziehungen auf der Suche nach der perfekten Synthese zwischen Spannung und Gleichgewicht“, erklärt Ziliani.

Für Seki Furniture hat das japanische Designstudio nendo versucht, die Weichheit von runden Holzmöbeln in einen eckigen Holzstuhl zu übertragen und damit das Problem der komplizierten Verbindungen bei Stühlen aus runden Elementen zu lösen. Die Designer*innen konstruierten also zuerst den Rahmen aus runden Elementen. Dann wurden Rückenlehne und Sitz aus geformtem Sperrholz hinzugefügt. Die Kanten der Beine sowie die Rückenlehne wurden linear gehobelt, was zu einem Stuhl mit teilweise eckigen Oberflächen und Kammlinien führte. Diese Koexistenz von rund und eckig ergab ein ästhetisches Gleichgewicht zwischen Weichheit und Spannung. Gleichzeitig sind die Verbindungen zwischen den Elementen einfach. Die Kollektion, die aus einem stapelbaren Stuhl, Tisch und Hocker besteht, wurde blade genannt. Der Name bezieht sich auf die Silhouette der Rückenlehne, die an einen T-förmigen Rasierer erinnert.

nendo, blade

Die Verbindung von rund und eckig. Nendo kreierte blade. Fotos: Akihiro Yoshida

 

Vor einem Jahr hat Turri begonnen, sich von der international erfolgreichen Produktion von klassischen Möbeln hin zu einem mehr zeitgenössischen Stil zu verändern. Ausdruck dieser Veränderung ist die Zero Collection von Andrea Bonini. Der Designer ließ sich für seine Arbeit von der abstrakten Kunst von Agostino Bonalumi und Lucio Fontana inspirieren. Daraus formte er Möbel, die auf die Welt von Luxus-Booten und Automobilen Bezug nehmen. Dabei spielt Bonini mit der Kombination und Überlappung von Materialien und unterschiedlichen Elementen. Die Kollektion besteht aus Stühlen, Tisch, Sideboard und Vitrinenschrank. Durch unterschiedliche Leder- bzw. Stoffausführungen sind besonders die Stühle sehr wandlungsfähig.

Turri, Zero Collection

Neue zeitgenössische Linie von Turri – Andrea Bonini gestaltete die Zero-Kollektion.

 

Stühle für draußen – Sommer im Garten

Der Esszimmerstuhl Kilt, dessen Geflecht tatsächlich vom traditionellen Rock der Schotten inspiriert ist, wurde ebenfalls von Marcello Ziliani (für Ethimo) entworfen. Nun wird er in zwei neuen Versionen vorgestellt. Für die Einrichtung von Outdoor-Bereichen eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten. Die beiden leuchtenden neuen Farben erinnern an die warmen Töne mediterraner Vegetation. Das dichte Geflecht in Olive Green und Ruby Wine schafft eine angenehm positive Atmosphäre. Ein ganz besonderer Entwurf ist der Bar Moka aus dem Jahr 1939. Nun legt Flexform diesen Klassiker von Mario Asnago und Claudio Vender als Outdoor-Version neu auf. Schon 1985 hatte das Unternehmen dieses ikonische Möbel, das die Designer ursprünglich für die Bar Società Lombarda Moka Efti entworfen hatten, in seine Kollektion aufgenommen. Der Ganzmetallstuhl mit seiner x-förmigen Rückenlehne wirkt wie ein kunstvolles Skelett. Diese Stühle sind dazu geeignet, durch ihre Transparenz und Feinheit, in jedem Raum besondere Akzente zu setzen. Design mit Kunst-Charakter kommt auch im Grill-Stuhl von MUT Design zum Ausdruck. Der Outdoor-Aluminiumstuhl der spanischen Designer für Diabla ist minimalistisch geometrisch und ruft Erinnerungen an die Bildsprache Mondrians wach. Kunst wird hier in ein Objekt des täglichen Gebrauchs verwandelt. Die strenge Geometrie erwacht durch die entsprechende Farbauswahl zum Leben.

Gerade richtig für die Sommerzeit bringt Ondarreta seinen Bai Chair in zwei neuen Farben heraus. Banana und Terracotta heißen sie und strahlen Wärme sowie Lebensfreude aus. Außerdem verströmen diese Farbtöne Positivität. Ein weiterer leichter Outdoor-Stuhl kommt von SCAB Design. Die vier Varianten von SI-SI sind der Kreativität des Teams von Meneghello Paolelli Associati entsprungen. Sie bestehen aus verzinktem, lackiertem Stahl und sind sowohl in Innen- als auch Außenbereichen einsetzbar.

 

Einer der großen Klassiker des Stuhldesigns ist der Navy Chair von Emeco, der ursprünglich für den Einsatz in U-Booten des 2. Weltkrieges designt worden war. Anlässlich des 75-jährigen Jubiläums des klassischen Aluminium Navy Chairs präsentierte das Unternehmen die Navy Wood-Variante 2019 in Mailand. In diesem kürzlich erschienenen Video erklärt Jaye Buchbinder aus der Produktentwicklungsabteilung von Emeco die Eigenschaften des Navy Wood Chairs. Sie hebt vor allem die Anstrengungen hervor, die gemacht wurden, um exakt dieselbe Form des legendären Stuhls in Holz zu erreichen.


 

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