Home Design Teppiche einmal anders – Mareike Lienau erweitert Funktionalität

Teppiche einmal anders – Mareike Lienau erweitert Funktionalität

von Simone Hofgrunde
Lyk Carpet, Mareike Lienau

Das Berliner Teppich-Label Lyk Carpet, das von der Designerin Mareike Lienau 2009 gegründet wurde, agiert mit dem Anspruch, möglichst ressourcenschonend, ökologisch, sozial und fair zu produzieren. Alle Entwürfe – seien es Teppiche für Boden und Wand oder Teppichobjekte – werden in einer tibetisch geführten Manufaktur in Nepal aus handgesponnener und pflanzlich gefärbter Hochland-Schurwolle geknüpft. Lienau verbindet die alte Handwerkskunst des Teppichknüpfens mit zeitgemäßem Design, das einen hohen Wiedererkennungswert besitzt.

„In Zeiten von Überfluss und Wegwerfmentalität haben viele Menschen den persönlichen und direkten Bezug zu den Gegenständen verloren, die sie in ihrem alltäglichen Leben umgeben und begleiten. Ich möchte einen kleinen Beitrag dazu leisten, Menschen wieder mehr zum Nachdenken über Produkte, ihre Herstellung und die damit verbundenen Ressourcen anzuregen“, sagt die Designerin. Dieses Bewusstmachen des Werts von Qualität verschmilzt Lienau in ihrer Arbeit mit einem radikalen Infragestellen der Funktion des Teppichs. Sie demonstriert die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten von Wolle, indem sie damit nicht nur Teppiche, sondern auch Poufs und Sitzbänke gestaltet.

Freie Kompositionen

Der neue Entwurf „Freeplay“ denkt die Form des Teppichs neu und verlässt das klassische Rechteck, das einen mehr oder weniger fixen Platz im Interieur einnimmt. „Freeplay“ besteht aus Teppich-Elementen, die sich frei kombinieren lassen oder von der Designerin zu attraktiven Sets zusammengestellt werden. In „Freeplay“ spielt sie mit geometrischen Formen und Farben sowie mit verschiedenen Knüpftechniken. Unterschiedliche Linien, Kreise, Quadrate, Rechtecke und Dreiecke interagieren miteinander. Daraus entstehen Gesamtkompositionen, die aus mehreren geknüpften Wollflächen bestehen und an bestimmten Punkten zusammengenäht sind. Es besteht auch die Möglichkeit, mit einem Element zu beginnen und das Ganze im Lauf der Zeit zu erweitern.

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Dieses Konzept von unkonventionellen Ideen und Gestaltungen prägt die gesamte Arbeit von Mareike Lienau: „Der Teppich an sich verkörpert bestimmte Werte und Vorstellungen. Diese möchte ich neu, ungesehen, kontrastierend, lustvoll und positiv denkend darstellen. Ein Mehrwert soll erfahrbar gemacht werden: Das Greifen, Berühren und Erfahren meiner Teppiche mit den Händen kann ebenso schön empfunden werden wie das Sehen von Farben und Formen mit den Augen oder das Hören von Klängen und Melodien mit den Ohren“, so die Designerin.

Lienau besuchte bereits vor der Firmengründung mehrere Teppichmanufakturen in Nepal, um Fertigungsgüte und Art der Herstellung einschätzen zu können. Schließlich entschied sie sich für eine tibetische Manufaktur in Kathmandu, die mittlerweile als eine der Letzten ausschließlich mit traditionellem Potdying, also mit pflanzlichen Substanzen färbt. In Zusammenarbeit mit dem Schweizer Fairtrade-Label STEP will die Unternehmerin sicherstellen, dass Arbeitsbedingungen und ökologische Gesichtspunkte der Produktion vor Ort stimmen sowie Ausbildungsstellen geschaffen werden. Dies sei ein stetiger Prozess, betont die Designerin.

„Basierend auf meiner Faszination für hochwertiges Kunsthandwerk und dem Erfahrungsschatz der tibetischen Teppichknüpfer habe ich schon vor der Gründung von Lyk Carpet angefangen, mir die Hintergründe der Knüpfkunst zu erarbeiten. Im Prozess der Produktentwicklung habe ich dann gemeinsam mit der Manufaktur in Nepal traditionelle Knüpftechniken neu miteinander kombiniert sowie neue Pflanzenfarben entwickelt, die kulturell nicht typisch waren für sie – etwa softe Pastelltöne,“ erläutert die Designerin. Heute umfasst das Lyk-Color-System über 120 verschiedene Farbstufen.

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Das Bauhaus-Frauen-Projekt

Ein ganz besonderes Projekt schuf Mareike Lienau mit der Wandteppich-Kollektion „Textile Poster“, mit der sie Ausschnitte aus unveröffentlichten grafischen Skizzen von fast vergessenen Frauen aus der Textilabteilung am Bauhaus aufgriff. Spielerisch und in ihrer typischen Handschrift interpretierte die Designerin Details dieser Zeichnungen neu und kreierte ausdrucksstarke grafische Kompositionen in Form von geknüpften „Kunsthandwerken“ im DIN A1-Format. Lienau möchte mit ihren „Textilen Postern“ auf die gestalterischen Leistungen der Frauen am Bauhaus aufmerksam machen, die in der berühmten Kunstschule einen wertvollen Beitrag zur Innovationskraft leisteten – vor allem im Hinblick auf die angestrebte Zusammenführung von Kunst und Handwerk. Dennoch sind die meisten von ihnen unbekannt geblieben.


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