Home Design Venedig trifft Wien: Luca Nichetto verbindet Wittmann mit Rubelli

Venedig trifft Wien: Luca Nichetto verbindet Wittmann mit Rubelli

von Markus Schraml
Luca Nichetto © Neni Studio

Was haben Venedig und Wien gemein? Sehr viel, meint der Venezianer Luca Nichetto und kombinierte zwei seiner aktuellen Arbeiten – die neue Möbelkollektion für das Wiener Traditionsunternehmen Wittmann und die neu designten Möbelstoffe für Rubelli, dessen Geschichte in der Herstellung von luxuriösen Textilien bis ins Jahr 1858 zurückreicht und venezianisches Erbe par excellence repräsentiert. Das Ergebnis dieser Idee wurde in einem Fotoshooting im Ca‘ Pisani Rubelli in Venedig festgehalten und nun präsentiert.

Nichetto gründete sein Studio in Venedig 2006 und eröffnete 2011 ein weiteres in Stockholm, wo er heute auch lebt. Mit Designs für so renommierte Marken wie &Tradition, Artifort, Cassina, De La Espada, Ethimo, Foscarini, Kristalia, Molteni & C, Moooi, Offecct, Salviati, Svenkt Tenn oder Tubes ist er äußerst erfolgreich und hat sich den Ruf eines Kreativen erworben, der fähig ist, umfassende Kollektionen zu erstellen, die ein Unternehmen entscheidend voranbringen können. Seine Gestaltungen überraschen oftmals, sind charakterstark und strahlen Lebensfreude aus. Für Wittmann hat Nichetto die Paradise Bird und die Andes-Kollektion entworfen. Sein Vorschlag, diese neuen Möbel mit der ebenfalls völlig neuen Carnevale Capsule Collektion auszustatten, die er gerade für Rubelli designt hatte, stieß sowohl bei Wittmann als auch bei Nicolò Favaretto Rubelli sofort auf begeisterte Zustimmung.

formfaktor traf Luca Nichetto via Zoom in Stockholm zum Interview. Darin spricht er über seine neuen Kollektionen, die enorme Wichtigkeit von Handwerk und die Unterschiede der skandinavischen und italienischen Designkulturen. Außerdem betont er in Bezug auf das Thema Nachhaltigkeit die Bedeutung von langlebigen Produkten und verrät, dass er in Kürze seine erste Modekollektion herausbringen wird.

formfaktor: Wie kam die Idee, Rubelli und Wittmann zusammenzuführen, zustande?

Luca Nichetto: Meine Zusammenarbeit mit Wittmann begann vor ungefähr zweieinhalb, drei Jahren. Der Plan war, eine ziemlich große Kollektion für sie zu machen. Dafür kam ich mehrere Male nach Wien, um die Produktionsstätten zu besichtigen, die Qualität ihrer Produkte zu sehen und vieles andere. Etwa zur selben Zeit fragte mich Nicolò Rubelli, den ich schon seit einiger Zeit kannte, ob ich für sie nicht eine Capsule Collection designen könnte, wie Rubelli es schon mit Peter Marino gemacht hat. Als Venezianer war ich natürlich sehr stolz, etwas für ein venezianisches Unternehmen zu machen. Rubelli stellt ja viele Textilien für Möbel her, deshalb war es naheliegend, weil ich gerade eine Möbelkollektion entwarf, das zu kombinieren. Wittmann passt von seinem Erbe, von der Qualität seiner Produkte her gut zu Rubelli. Wittmann hat dann meinen Vorschlag sehr positiv aufgenommen. Um diese Verbindung zu unterstreichen, haben wir eben dieses Fotoshooting im Ca‘ Pisani Rubelli in Venedig gemacht. In etwa einem Monat werden dann weitere Fotos veröffentlicht werden, die wir in Wien gemacht haben. Damit soll eine visuelle Verbindung zwischen den beiden Städten und den beiden Unternehmen hergestellt werden. Und ich fungiere als verbindender Faktor.

formfaktor: Das war also ein glückliches, zeitliches Zusammentreffen.

Luca Nichetto: Ja, ursprünglich wollten wir die Kollektion in Mailand, beim Salone, präsentieren, aber der wurde gecancelt. So mussten wir andere Wege finden. Für Rubelli ist es natürlich ein großer Vorteil, wenn eine neue Kollektion gleich von Anfang an auf einer reellen neuen Möbelkollektion zu sehen ist. Auch vom Standpunkt des Verkaufs her. Andererseits ist es für Wittmann eine schöne Geschichte, die neuen Möbel mit Textilien zu zeigen, die noch niemals zuvor verwendet wurden. Es ist also eine Win-Win-Situation.

Für mich war auch die Zusammenarbeit mit Nicolò sehr interessant, weil Rubelli auf den ersten Blick ja ein eher konservatives Unternehmen ist, aber Nicolò ist sehr offen, was das Engagement in verschiedenen Projekten betrifft. Das heißt, beide Unternehmen waren sehr enthusiastisch.

formfaktor: Eine der Kollektionen, die in Rubelli-Textilien gekleidet wurde, heißt Andes. Welche Idee steht dahinter?

Luca Nichetto: Für die „Andes“-Kollektion bekam ich von Wittmann eine sehr spezifische Vorgabe. Es sollte eine wichtige Kollektion im Portfolio des Unternehmens werden. Dann gab es natürlich aufgrund der Corona-Situation einige Anpassungen in Bezug auf die Einführung. Die Andes-Kollektion ist ja wie die frühere Paradise Bird-Kollektion, die ich für Wittmann entworfen habe, teil der übergeordneten WittmannNichetto Workshop Collection. Wittmann wollte ein modulares Sofa, dass sich für große Wohnbereiche, für Villen etc. auf dem nordamerikanischen Markt eignen würde. Für mich waren aber auch andere Wittmann-Märkte wichtig. Eben der deutschsprachige Raum und der immer stärker wachsende asiatische Markt. Ich entwickelte also zwei unterschiedliche Sofa-Module, die je nachdem, wie man sie kombiniert, sich sowohl für den amerikanischen Markt eignen als auch für kleinere Zusammenstellungen oder als Einzelmöbel für kleine Wohnungen, wie man sie häufig in Asien findet. Wichtig war mir vor allem das Erbe von Wittmann, diese Seele von Wien, die Salons, die Cafés, die Josef Hoffmann-Ästhetik hineinzubringen und es in eine zeitgemäße Kollektion zu übersetzen, die sich für die ganze Welt adaptieren lässt.

formfaktor: Die Form des Andes-Sofas ist ziemlich einmalig – mit dieser halbrunden Linienführung.

Luca Nichetto: Die Ästhetik ist hauptsächlich von den verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten bestimmt. Die beiden Modultypen können zum Beispiel so kombiniert werden, dass sich eine Seite für eine Kommunikationssituation eignet und die andere Seite mehr zum Relaxen. Diese unterschiedlichen Möglichkeiten wollte ich in ein Möbel übersetzen und es gleichzeitig zu einem leicht wiedererkennbaren Stück machen, denn es gibt ja Tonnen von Sofas auf dem Markt. Ein charakterstarkes Möbel ist sichtbar und das hilft auch Wittmann mehr Aufmerksamkeit auf internationaler Bühne zu generieren.

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formfaktor: Wie schafft man es, als Möbelproduzent aus der Masse herauszustechen. Damit man überhaupt bemerkt wird?

Luca Nichetto: Das ist sehr wichtig. Besonders für ein Familienunternehmen wie Wittmann, das genau darauf achtet, wie es die Marke kommuniziert. Als Jaime Hayon die „Vuelta“-Kollektion designte, hat dass der Marke sehr gut getan und für alle Designer, die nach Jaime kamen, wie Sebastian Herkner, Monika Förster und auch mich neue Türen geöffnet. Eine Art neue Version von Wittmann ist dadurch entstanden. Jaime ist ein sehr guter Freund von mir und ich freue mich für ihn, dass er das geschafft hat, – das Image von Wittmann zu erneuern. Ich glaube, für ein Unternehmen wie Wittmann ist es wichtig, dass die Produkte für sich selbst sprechen. Deshalb habe ich ein Sofa kreiert, das zwar von den Funktionen her noch innerhalb der Kategorie-Parameter bleibt, aber das wirklich eine neue Ästhetik definiert, die allerdings sofort mit Wittman in Verbindung gebracht wird.

formfaktor: Auch die Paradise Bird-Kollektion wurde offensichtlich mit dem Ziel der Wiedererkennbarkeit designt.

Luca Nichetto: Ja, das war die Intention. Die Kollektion startete mit einem Lounge Chair, der sich gut mit dem Andes-Sofa kombinieren ließ. Bei der Typologie eines Lounge Chairs kann man noch mehr an der Ästhetik arbeiten, noch mehr die Besonderheit des Möbels unterstreichen. Mehr als bei einem Sofa. Als wir dann in der Entwicklungsphase waren, sahen wir, dass es sehr leicht sein würde um den Lounge Chair herum eine Familie zu schaffen. Also kreierten wir einen Zweisitzer, eine Highback-Version, einen Pouf und jetzt im März wird sogar ein Paradise Bird-Bett verfügbar sein. Aber sie haben recht, von der Designsprache her ist Paradise Bird stärker als das Andes-Sofa.

formfaktor: Haben sich die Bedürfnisse der Menschen in Bezug auf das Einrichten durch die Pandemie verändert?

Luca Nichetto: Ich glaube, dass aufgrund von Corona und weil die Menschen jetzt viel mehr Zeit zu Hause verbringen, mehr auf die Qualität eines Produkts geachtet wird. Was funktioniert, was funktioniert nicht. Ich denke auch, dass die Menschen wieder individueller werden und nicht alle mehr oder weniger das Gleiche machen wollen. Deshalb denke ich, dass Produkte wichtig sind, die man entweder liebt oder hasst. Denn am Ende kreieren wir Designer Produkte für eine Nische. Charakterstarke Produkte, die aber von guter Qualität sind und über gute Funktionen verfügen, werden in Zukunft erfolgreicher sein. Die Menschen wollen sich selbst ausdrücken und das immer mehr auch in den eigenen vier Wänden.

formfaktor: Materialien sind für jeden Designer / jeder Designerin sehr wichtig. Welchen Zugang haben sie zu dem Thema Materialien, die ja in einem engen Zusammenhang mit dem Thema Qualität stehen?

Luca Nichetto: Ich startete meine Karriere sehr früh. Bereits mit 23, noch als Student habe ich mein erstes Produkt designt. Das waren Murano-Glasvasen für Salviati. Kommend von einem Land, Italien, wo das Handwerk immer sehr wichtig war, eine Art Markenzeichen, war ich stets der Meinung, dass ein Designer sehr genau wissen muss, welche Materialien es gibt, welche man verwenden kann und wie sie verarbeitet werden, um zu verstehen, welche Materialien sich für ein bestimmtes Projekt am besten eignen. Manchmal gehe ich vom Material aus und finde erst danach die Form. Eigentlich ist das der richtige Weg.

Qualität ist für mich immer auch mit Nachhaltigkeit verbunden. Heute spricht jeder von Umweltfreundlichkeit, von Ökologie, aber niemand erwähnt eine andere Sache, die in diesem Zusammenhang sehr wichtig ist, nämlich die Lebensspanne eines Produkts. Jede einzelne Aktion, die ein Designer setzt, vergiftet mehr oder weniger den Planeten. Ich meine damit, dass jede Form von Produktion etwas Schlechtes beinhaltet. In diesem Wissen ist die Qualität eines Produkts, das womöglich für immer existiert, wichtiger als der Herstellungsprozess selbst. Angenommen etwas wird aus, sagen wir, nachhaltigem Holz produziert, hat aber nicht dieselbe Qualität, dann ist das Produkt mit höherer Qualität auf lange Sicht nachhaltiger, weil es einfach viel länger lebt. Ein Beispiel: Wenn ich einen Stuhl aus Plastik designe, der aber so gut ist, dass er 50 Jahre lang hält, ist er meiner Meinung nach nachhaltiger als ein Stuhl aus recyceltem Holz, der nach nur 6 Monaten kaputtgeht. Das heißt, Qualität ist für mich ein Wort, das andere Dinge in sich birgt, die superwichtig für mich als Designer sind. Erstens die Mission, zeitlose Produkte zu designen, zweitens die Lebensspanne eines Produkts und drittens die Unterstützung des Handwerks, denn ich glaube, dass Handwerk unsere Gemeinschaft reicher macht. Es ist sehr wichtig, dieses Netzwerk aufrecht zu erhalten, denn es wäre eine Schande, wenn in 20 Jahren – ich weiß nicht – die Glasbläser von Murano nicht mehr existieren würden. Ich fühle mich dafür verantwortlich, diese Tradition zu erhalten – für meine Kinder, für kommende Generationen.

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formfaktor: Wie kam die Arbeit an der Carnevale-Kollektion von Rubelli zustande? Die Inspiration ist ja offensichtlich der Karneval von Venedig.

Luca Nichetto: Wir sind ja beide Venezianer. Ich, der Designer und Rubelli, der Hersteller. Wie sie richtig sagen, war die erste Inspiration, sich Gedanken über den Karneval zu machen. Der Karneval ist für Venedig enorm wichtig. Zum Beispiel war für mich als Venezianer der Karneval immer wichtiger als Weihnachten. Das war die Zeit, auf die man das ganze Jahr gewartet hat, um mit seinen Freunden verrückte Dinge anzustellen, Party zu machen und wirklich das Leben zu genießen. Eine Sache, die für den Karneval sehr charakteristisch ist, sind Konfetti, die man überall in Venedig vorfindet. Ich habe es immer geliebt, wenn beispielsweise der Markusplatz mit Konfetti überseht war. Sie haben das Muster des Steinbodens mit einer Art riesigem, farbenfrohen Teppich überlagert. Eine der Kompetenzen von Rubelli ist die Jacquard-Technik, die für ihre traditionellen Stoffe verwendet werden. Ich dachte sofort daran, wie ich Konfetti in etwas übersetzen könnte, dass den Kern des Unternehmens ausmacht, also Jacquards. Wir haben damit begonnen, die DNA von Rubelli hervorzuheben und darüber hinaus eine Kollektion geschaffen, die eine Art Manifest der Freude am Leben ist. Etwas sehr Farbenfrohes, etwas, das auf Sofas oder Sessel appliziert, den Betrachter zum Lächeln bringt. Es sollte eine Botschaft an die Nutzer sein, das Textil, den Stoff nicht nur schematisch zu sehen, sondern als etwas Kostbares, dass eine Idee vermittelt. Daraus entwickelten wir dann die Kollektion Coriandoli. Der zweite Stoff heißt Festa. Das war ein Vorschlag von Nicolò, der mir einen Stoff in den Rubelli-Archiven zeigte, der von Vittorio Zecchin designt worden war (1934 Anm.). Ein Designer, der wie ich von Murano stammt. Als ich die Sterne in diesem Muster sah, die im Original ziemlich groß sind, dachte ich sofort an Feuerwerke und an Wunderkerzen. Also an Dinge, die wie Konfetti auch mit dem Feiern in Verbindung stehen. Ich habe mich dann entschlossen, dieses Design neu zu interpretieren und mit einer zeitgemäßeren Farbpalette auszustatten. Wiederum durch die Jacquard-Technik erhält dieser Stoff eine besondere Dynamik.

Ich fand es sehr schön, diese von mir designten Textilien auf den Möbeln zu sehen, die ich für Wittmann gestaltet habe. Weil man dadurch die Stoffe komplett anders wahrnimmt. Stoffe haben irgendwie dieselbe duale Charakteristik wie Leuchten: Leuchten können aus- oder eingeschaltet sein, Stoffe sind „aus“, wenn man sie in der Hand hält und „ein“, wenn man sie auf einem Möbel sieht.

formfaktor: Sie haben sowohl ein Büro in Venedig als auch eines in Stockholm und sind damit in einer ziemlich einzigartigen Position. Wie würden sie die Unterschiede oder die Ähnlichkeiten zwischen skandinavischer und italienischer Designkultur beschreiben.

Luca Nichetto: Beide Länder haben eine sehr lange Designtradition und starke Designkulturen. Es gibt zwei große Unterschiede: Zum Beispiel als der Rest der Welt dem Modernismus folgte, wurde in Skandinavien auf Funktionalismus gesetzt. Das hat die Designszene enorm beeinflusst. Das heißt, die Funktionalität ist hier viel wichtiger als in Italien. In Italien ist die Ästhetik, die Eleganz wichtiger. Ein Objekt muss aussagekräftig sein und beim Nutzer Empathie auslösen. Natürlich gibt es auch in der Geschichte des skandinavischen Designs viele schöne Stücke, aber meist sind es schöne, funktionelle Stücke. Hingegen gibt es in der italienischen Designgeschichte Produkte, bei denen die Funktion vernachlässigt wurde. Sie wurden nur aufgrund ihrer starken Präsenz zu Ikonen. Wenn ich etwa an die Arbeit von Sottsass denke, so ist das so ziemlich das Gegenteil der Designs, die man von skandinavischen Gestaltern kennt. Es stimmt, dass hier eine Kultur von ökologischen Materialien und ein Lebenszyklus-Denken sehr viel stärker entwickelt ist. In Italien begann diese Kultur des umweltfreundlichen Denkens später, vielleicht weil es dort die zweitgrößte Herstellerindustrie (nach Deutschland) in Europa gibt. Mittlerweile geht auch Italien in diese Richtung, aber hier ist es viel wichtiger. Das heißt, es war vor allem anfangs nicht ganz leicht für mich, diese beiden Kulturen miteinander zu kombinieren und beide zu berücksichtigen. Heute versuche ich, mir jene Dinge aus der jeweiligen Kultur herauszupicken, die für mich funktionieren und einerseits die italienische Seele zu bewahren, aber auch die Funktionalität immer im Blick zu behalten.

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formfaktor: Was sind Ihre Wünsche für 2021? Welche neuen Projekte stehen an und was erhoffen Sie sich?

Luca Nichetto: Ich glaube nicht, dass sich 2021 groß von 2020 unterscheiden wird. Normalerweise bin ich eine sehr optimistische Person, aber in diesem Fall versuche ich realistisch zu sein. Ich mache diesen Beruf nun schon fast 20 Jahre und kenne die Industrie, deshalb denke ich, dass die ökonomische Situation 2021 für viele prekärer sein wird als 2020. Und zwar aus zwei Gründen: Erstens hatte man 2020 noch 2019 im Rucksack, der über das Jahr geholfen hat. 2021 gibt es keinen vollen Rucksack mehr. Zweitens ist der Ausfall der ganzen Messen für viele Unternehmen ein Problem. Es gibt zwar welche, die sehr progressiv neue Wege suchen, aber sind wir ehrlich, 95 % der Möbeldesignbranche ist sehr konservativ und tut sich damit schwer. Was ich mir wünsche, ist, dass alle beteiligten Personen der Industrie beginnen zu verstehen, dass wir je früher wir damit anfangen, unser Mindset zu verändern, desto eher kommen wir aus dieser Situation heraus. Weil im Moment fühlt es sich so an, als würden wir in einer Blase feststecken und alle warten darauf, dass es wieder wie früher wird. Designer müssen mit ihren Projekten immer in die Zukunft denken und ich glaube, dass sie anders aussehen wird. Gott sei Dank, sonst wäre es keine Zukunft. Wir müssen uns im Hinblick auf Produkte, auf Veröffentlichungen, auf Kommunikation anpassen. Wenn wir uns entsprechend verändern, sehen wir vielleicht in vier, fünf Jahren neue Möglichkeiten, wie wir arbeiten können. Mit völlig neuen Ergebnissen.

Was Projekte für unser Studio betrifft, geht es uns sehr gut. Das letzte Jahr haben wir verglichen mit 2019 mit einem guten Wachstum abgeschlossen. Wir arbeiten derzeit an einigen Projekten, nicht nur in der Möbelindustrie, sondern auch in der Musikindustrie und in der Parfümindustrie. Das heißt, wir versuchen unseren Designansatz auf andere Gebiete auszuweiten. Demnächst werde ich meine erste Modekollektion herausbringen, die ich für eine Marke entworfen habe. Es geht darum, unsere Arbeit zu diversifizieren und das gefällt mir. Das ist auch der Weg, den ich mit dem Studio in Zukunft gehen möchte.


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