Home Innovation Verpackung und Food Waste reduzieren – durch Cellulose-Schicht

Verpackung und Food Waste reduzieren – durch Cellulose-Schicht

von Sebastian Zerlach
Empa, Cellulose-Coating

Das Schweizer Forschungsinstitut Empa und Lidl Schweiz haben gemeinsam eine Cellulose-Schutzschicht für Früchte und Gemüse entwickelt. Das neuartige Coating wird aus einem Trester aus ausgepressten Frucht- und Gemüseschalen hergestellt. Dadurch kann Verpackung reduziert und Food Waste vermieden werden.

Der Plastikmüll im Lebensmittelhandel ist enorm, gleichzeitig schützen Plastikverpackungen Obst und Gemüse vor dem Verderb. Lidl Schweiz ist bestrebt, diesen Müll zu reduzieren. Für das neueste Projekt wählte das Unternehmen die Empa als Partner, denn das interdisziplinäre Forschungsinstitut des ETH-Bereichs für Materialwissenschaften und Technologie verfügt über jahrzehntelange Forschungserfahrung mit Cellulose-Produkten.

Empa, Cellulose-Coating
Das Cellulose-Material wird aus ausgepressten Früchten und Gemüseschalen extrahiert. © Manifesto Films, Lidl Schweiz

Im Empa-Labor Cellulose & Wood Materials entwickelten die Forscher*innen im Auftrag von Lidl Schweiz in mehr als einem Jahr Arbeit eine spezielle Cellulose-Schutzschicht, die auf Früchte und Gemüse aufgetragen werden kann. Das dient nicht nur der Hygiene, sondern die beschichteten Früchte und Gemüse bleiben auch länger frisch. So konnte in Tests die Haltbarkeit von Bananen um über eine Woche verlängert werden. „Das große Ziel ist, dass solche natürlichen Coatings in der Zukunft viele erdölbasierte Verpackungen ersetzen können“, sagt Gustav Nyström, Leiter der Forschungsabteilung.

Abwaschbar und essbar

Künftig soll vor allem Trester zu fibrillierter Cellulose weiterverarbeitet werden. Bisher wurden Pflanzenrückstände in Biogasanlagen oder direkt auf dem Feld entsorgt, künftig entsteht unter anderem aus diesen Rückständen die Schutzbeschichtung für frische Früchte. Die Beschichtung wird – je nach Studienergebnissen – entweder auf die Früchte gesprüht oder als Tauchbad auf die Produkte aufgetragen und ist einfach abwaschbar. Da sie für den Verbraucher unbedenklich ist, könnte sie auch mit verzehrt werden. Grundsätzlich soll für die neuartige Schutzschicht kein frisches Gemüse, sondern nur organische Reststoffe verwendet werden. Das Potenzial der Cellulose-Beschichtung ist noch lange nicht ausgeschöpft. Es besteht die Möglichkeit, Zusätze wie Vitamine oder Antioxidantien etc. hinzuzufügen.

Bananen im Vergleich – mit und ohne Beschichtung aus Karotten-Trester. © Empa

Breiter Einsatz geplant

Vergangenen Sommer konnte die seit 2019 laufende Vorstudie erfolgreich abgeschlossen und die Hauptstudie gestartet werden. Die an der Empa entwickelte Cellulose-Schicht soll in den nächsten zwei Jahren zusammen mit Lidl Schweiz und einem Obst- und Gemüselieferanten getestet und weiter verbessert werden. Das Projekt wird von der Schweizerischen Agentur für Innovationsförderung (Innosuisse) finanziell gefördert. Ziel ist es, dass die neue Technologie nach der erfolgreichen Hauptstudie in allen über 150 Lidl-Filialen in der Schweiz zum Einsatz kommt.

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Warum sind Gurken in engen Plastikfolien verpackt?

Forschende der Empa in St. Gallen haben mittels Ökobilanzanalysen berechnet, wie sich der „Food Waste“ aufgrund verdorbener Lebensmittel gegen die Umweltfolgen von Plastikverpackungen bei Import-Gurken aufrechnen lässt. Für die Modellrechnung verfolgten sie rechnerisch den Weg einer Gurke vom Produzenten in Spanien bis in einen Schweizer Supermarkt. Demnach macht die Plastikhülle lediglich 1 % der Umweltauswirkungen durch Produktion und Transport aus. Insgesamt ist der positive Effekt auf die Umwelt durch weniger „Food Waste“ knapp 5-mal höher als der negative Effekt durch die Verpackung, sagen die Forschenden. Bis alternative Verfahren wie das Projekt „Rübli hilft Gurke“ der Empa und des Umsetzungspartners Lidl im großen Maßstab angewendet werden können, sei es also ökologisch sinnvoll, Import-Gurken nach wie vor in Plastikfolie im Handel anzubieten – vorausgesetzt, der Plastikmüll wird korrekt entsorgt.


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