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Von Afrika in die Welt – Designszene Südafrika

von Markus Schraml

Lokal hergestellt, global vermarktet, das sind Ziel und Anspruch vieler Designstudios und Designunternehmen in Südafrika. Mit der Veranstaltung NEXT20 in Kapstadt wird dies explizit kommuniziert. Die Initiative des Craft + Design Institute (CDI) präsentiert von 27. Februar bis 1. März 45 „TOP Designer“ des Landes. Diese Veranstaltung ist Teil des CDI-Exportentwicklungsprogramms, das kleine bis mittlere Unternehmen dabei unterstützt, internationale Märkte zu erobern. Die südafrikanische Designindustrie drängt auf diese Märkte und will das afrikanische Gestaltungserbe einem globalen Publikum zur Kenntnis bringen. Traditionelle Muster und Handwerkstechniken spielen dabei ebenso eine Rolle wie modernste Maschinen und zeitgenössisches Design auf hohem Niveau. Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein sind im Süden Afrikas mittlerweile genauso anzutreffen wie bei den Kollegen in Europa oder Asien. Ganz typisch für die allermeisten Firmen und Studios ist der soziale Anspruch und ein Bewusstsein für die afrikanischen Wurzeln. Arbeitschancen zu eröffnen gehört mit zur Unternehmer*innen-Philosophie. formfaktor stellt einige der interessantesten Marken aus Südafrika vor.

Afrikanischer Lifestyle

Nomen est omen: Das Label „Design Afrika“ ist seit vielen Jahren darum bemüht, das traditionelle Handwerk der afrikanischen Webereien und Korbwarenindustrie wiederzubeleben. Dabei beschränkt sich das Unternehmen nicht auf Kooperationen in Südafrika selbst, sondern arbeitet mit Webern in mehr als 10 afrikanischen Ländern zusammen. Gewebte funktionale und skulpturale Körbe werden sowohl für den lokalen als auch globalen Markt produziert. Der Anspruch des Unternehmens ist auch, kein Material zu verwenden, das aus gefährdeten Quellen stammt. Außerdem werden die Weber ermutigt, nachhaltig zu arbeiten. „Design Afrika“ ist ein gutes Beispiel dafür, wie mit modernem Marketing und Werbung traditionelle Fähigkeiten in die Zukunft getragen werden können.

Ein großer Teil der Marken, die am NEXT20-Event in Kapstadt teilnehmen, stellen Produkte für den Interieurbereich oder Mode-Accessoires her. „Indigi“ zum Beispiel ist eine südafrikanische Lifestyle-Marke, die zeitgenössisches Design mit lokaler Handwerkskunst verbindet. Die Kollektion besteht aus Möbeln, Leuchten, Dekor und lokal bedruckten Textilien. Sie sind stark von afrikanischen Einflüssen geprägt und strahlen gleichzeitig einen globalen Anspruch aus. Das Unternehmen wurde 2011 von Natalie du Toit gegründet, die sowohl in Südafrika als auch Australien aufwuchs. Es ist ihrer Faszination für indigene Kulturen, kühne Muster, Farben und Formen zu verdanken, dass „Indigi“-Produkte mit einer Verschmelzung aus lokaler Handarbeit, innovativem Design und nachhaltigen Materialien zu etwas Besonderem macht. Natalie setzt ihre Erfahrungen in Design, Einzelhandel und Fertigung nach Fair-Trade-Prinzipien um.

Wren“ ist eine Marke, die bereits seit 2008 existiert und von Wendren Setzer gegründet wurde. Die Textildesignerin startete mit Taschen aus gewebten Stoffen, bis sie eine Möglichkeit entdeckte, aus gebrauchten Papiersäcken Produkte herzustellen. „Wren“ macht aus ehemaligen Zement-Säcken und anderen Verpackungsmaterialien Laptoptaschen, Geräteabdeckungen und Geschenkartikel. Die Beschaffenheit des Papiers wird durch spezielle Technologien so verfestigt, dass es zu einem richtigen Stoff wird, der haltbar, wasserabweisend ist und sogar vernäht werden kann. Doch das Upcycling geht noch weiter – so vertreibt „Wren“ auch Kollektionen aus gebrauchten Kaffee-Säcken (die Jute-Serie) und Leinen.

 

One of Each“ siedelt seine Produkte im Luxusbereich an. Ganz nach dem Motto: In Afrika entworfen und hergestellt, international verkauft. Das Mutter-Tochter-Unternehmen von Tamburai und Pauline Chirume hat seinen Sitz in Kapstadt. Pauline ist Modedesignerin, Tamburai kommt aus dem Mode-Einzelhandel und Management. Die Handtaschen, Gürtel und Armreifen des Labels sind von traditionellen afrikanischen Mustern inspiriert und werden mit Leder und Wildleder kombiniert. Für alle Stoffe werden traditionelle Verarbeitungsmethoden wie Wachsdruck und Pit-and-Stone-Färbeverfahren angewendet, die in Simbabwe, Nigeria und Kongo-Brazzaville heimisch sind. Die Designs zeigen wichtige Ereignisse, Sprichwörter oder Personen sowie lokale Flora und Fauna. „One of Each“ verfolgt die Philosophie, traditionelle Handwerker der genuin afrikanischen Stoffindustrie zu unterstützen und dem Überhandnehmen der China-Imitationen etwas entgegenzusetzen.

Die Slipper-Marke „Walk The Talk Africa“ verwendet für ihre in Kapstadt handgefertigten Produkte Stoffreste und nicht mehr erhältliche Stoffmusterbücher. Upcycling und Nachhaltigkeit sind fest in die Markenvision eingeschrieben und mit dem unbedingten Wunsch nach authentischen Produkten verschmolzen. Das Ergebnis sind bunte Slippers, die generationenübergreifend getragen werden können. „Made locally – Worn Globally“ lautet der Wahlspruch des Unternehmens und entscheidet die Qualität der Produkte über den Erfolg, ist er garantiert. Vor allem wenn man weiß, das hinter „Walk The Talk Africa“ italienisches Schuhmacher-Know-how steckt.

 

Designmöbel aus Holz – Scandi trifft Afrika

Der Möbelhersteller „Eco Furniture Designebenfalls mit Sitz in Kapstadt wurde als umweltbewusstes und sozial engagiertes Unternehmen gegründet. Dieser Anspruch ist bis heute unverändert und wird in Form der Signature Range im südlichen Afrika vertrieben. Für die Produktion der stilvoll-funktionellen Möbel werden ausschließlich nachhaltige, lokale Massivholzarten sowie umweltfreundliche Finishes verwendet. Ein weiterer Pluspunkt der Marke ist die Möglichkeit, maßgeschneiderte Möbel in Auftrag zu geben.

Die Design-Partnerschaft von Abrie von Weilligh und Norman Meyer reicht 15 Jahre zurück, als sie sich als Designstudenten an der Furntech (Südafrikas einzigem Kompetenzzentrum für Möbel) in George erstmals begegneten. Als in einem Kurs die praktische Arbeit bei einem Designhersteller verlangt wurde, gründeten die beiden kurzerhand ein eigenes Fertigungsunternehmen. Im Lauf ihrer Karriere haben „Meyer von Wielligh“ mit Unternehmen wie West Elm (USA) zusammengearbeitet, und sind Mitglied beim Designkollektiv Southern Guild. Der Designansatz von Weilligh und Meyer verbindet das praktische mit dem dekorativen, wobei die Natur als ständiges Vorbild dient. Die beiden wollen Möbel herstellen, die hervorragend verarbeitet sind und durch einen ganz speziellen Stil, der sich kaum einordnen lässt, die Persönlichkeit des Eigentümers unterstreichen.

Die Marke „minimahat sich auf digital entworfene Leuchten und Möbel aus nachhaltigem Birkenschichtholz oder Bambus spezialisiert. Das erklärte Vorbild für die Kreationen liegt im skandinavischen Designstil. Die elegant-zurückhaltenden Gestaltungen eignen sich perfekt für zeitgenössische Räume. 2014 zeigte das Unternehmen seine erste Leuchtenkollektion im Rahmen von Design Indaba und fand sofort Abnehmer und Partner. Die niederländische Initiative CBI, die Importe aus Entwicklungsländern unterstützt und die mit dem südafrikanischen Craft + Design Institute zusammenarbeitet, hat dazu geführt, dass „minima“ bei Events wie 100% Design, SARCDA und Maison & Object ihre Produkte präsentieren konnte. Weitere Marken aus Südafrika, die durch dieses Programm gefördert wurden, sind Vogel Design, Sax Corner, Skinny la Minx und De Steyl.

Die Umuntu-Serie von Saks Corner kombiniert skandinavischen Selbstbaumöbelstil mit massiver Eiche und afrikanischen Texturen, Farben und Mustern. Von Kapstadt aus stellt die Marke stark vom Mid-Century-Design inspirierte Holz- und Polstermöbel her. Einer außergewöhnlichen Möbelkategorie hat sich Studio Sterling verschrieben – dem Hängesessel. Jeder Sessel, jede Liege oder Schaukel wird von Hand gefertigt und ist in den Details der Muster und Lederbearbeitung einzigartig. Die Produkte bestehen aus Stahl und werde gegen Rost beschichtet und schließlich in der Farbe der Wahl pulverbeschichtet. Durch die lange Haltbarkeit sind diese Kreationen ein Beitrag zur Abfallvermeidung und ein südafrikanisches Statement gegen die Wegwerfunkultur.

Nach intensiven Material-Experimenten hat Designer John Vogel Holz als sein Lieblingsmaterial gewählt. Mit „Vogel Design“ kreiert er hochwertige Holzmöbel, für deren Herstellung sowohl modernste Maschinen als auch handwerkliche Arbeit eingesetzt werden. Die Verbindung zum Kontinent Afrika ist vor allem in der Wand-Skulptur „Nguni Head“ zu spüren. Durch die Stilisierung des Tierkopfes entsteht ein ausdrucksstarkes Objekt, das sowohl archaisch als auch ironisch aufgefasst werden kann. John Vogel, der das Unternehmen mit seiner Frau Terri führt, ist Mitglied der Southern Guild.

 

Der weltweit enorme Einfluss des skandinavischen Möbeldesigns ist auch in Südafrika zu spüren. Durch ein Aufeinandertreffen dieses Stils mit afrikanischen Ausdrucksformen und Herstellungsmethoden entwickelt sich etwas Neues. Der sorgfältige Umgang mit dem Material Holz stellt dabei ein verbindendes Element dar. Südafrikanische Designer sind zu recht selbstbewusst und wissen, dass sie einen wertvollen Beitrag in der Welt leisten können. Umgekehrt ist es sicherlich ein Vorteil, die afrikanische Perspektive kennenzulernen und mit zu berücksichtigen. Und zwar auf Augenhöhe.


 

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