Home Exhibition Wohin? Wohin? – Am besten ins Museum

Wohin? Wohin? – Am besten ins Museum

von Caroline Wanderberg
Schmuckismus

Der Winter überlegt noch, ob er endlich gehen soll oder nicht. Gut, dass unsere Innenräume beheizt sind. Gehen wir hinaus, tun wir es fest eingemummelt – bis zum nächsten warmen Raum. Etwa einem Museum oder einer Galerie. Auch dort herrschen angenehme Temperaturen und außerdem warten Schaugenuss und Wissenswertes auf die Besucher*innen. Wer ganz kurzfristig Zeit hat, sollte sich in Wien unbedingt die neunundneun zig Sessel anschauen, die Architekturstudenten*innen der TU Wien angefertigt haben. Die Aufgabe in der Lehrveranstaltung Werkstatt 1:1 (Forschungsbereich Raumgestaltung) war, einen Stuhl aus gebrauchten Baumaterialien herzustellen. Dreischichtplatten, die bereits auf Baustellen als Betonschalung gedient hatten, standen dafür zur Verfügung. Ausgewählte Stuhlprototypen werden noch bis Sonntag im designforum Wien gezeigt. Anmerkung für Nicht-Österreicher*innen: in der Alpenrepublik wird der Stuhl Sessel genannt – das erklärt den Titel. (neunundneun zig Sessel, designforum Wien, MQ/Q21, Museumsplatz 1, noch bis 10. März 2019)

Ebenfalls in Wien ist derzeit die Ausstellung ELIGIUS-PREIS 2019. Schmuckkunst in Österreich zu sehen. Die Schau im Museum für Angewandte Kunst (in Kooperation mit Kunst im Traklhaus, Salzburg) gibt Einblick in die zeitgenössische österreichische Schmuckszene. Der Eligius-Preis wird seit 2005 alle drei Jahre vergeben. Im MAK FORUM werden die Arbeiten der 13 nominierten Künstler*innen in konzentrierter Form präsentiert. Im Anschluss an diese Ausstellung zeigt Kunst im Traklhaus vom 17. Mai bis 6. Juli 2019 eine umfangreichere Version dieser Schau, die danach im Herbst im Schmuckmuseum Pforzheim zu sehen sein wird. (ELIGIUS- PREIS 2019. Schmuckkunst in Österreich, MAK Wien, noch bis zum 26. März)

Sehr viel mehr Raum nimmt die Ausstellung CHINESE WHISPERS im Wiener MAK ein. Die Exponate aus der Sigg Collection zeichnen ein Bild chinesischer Gegenwartskunst. Der Sammler Uli Sigg hat seit den 1990er Jahren – in seiner Zeit als Schweizer Botschafter in China – die weltweit repräsentativste Sammlung chinesischer Kunst aufgebaut. Unter anderem förderte Sigg auch zahlreiche internationale Karrieren wie etwa die von Ai Weiwei. Die Palette der gezeigten Arbeiten reicht von Kalligrafie, Malerei über Fotografie und Skulptur bis hin zu Installationen und Videos. Der Titel Chinese Whispers also Stille Post spielt auf die inhaltlichen Verzerrungen der interkulturellen Kommunikation ironisch an. (CHINESE WHISPERS. Neue Kunst aus der Sigg Collection. MAK-Ausstellungshalle, noch bis zum 26. Mai 2019)

Um das Thema Schmuck geht es auch in der Schmuckismus-Ausstellung der Pinakothek der Moderne in München. Die große, jährlich stattfindende Schmuckausstellung wird 2019 von Karen Pontoppidan kuratiert. Die renommierte dänische Schmuckkünstlerin und Professorin der Klasse für Schmuck und Gerät an der Akademie der Bildenden Künste in München wählte Arbeiten von 30 international tätigen Schmuckkünstler*innen aus – eine Zusammenstellung von bereits existierenden und extra für die Ausstellung angefertigten Stücken. „Innerhalb der Entwicklung des Autorenschmucks der letzten 50 Jahre gibt es viele Arbeiten, die kritische Ansätze formulieren, zum Beispiel gegenüber Wertesystemen. Die meisten dieser Objekte haben ihren Ursprung in einem Diskurs, der Teil einer kritischen Beobachtung von Schmucktraditionen ist. In den letzten Jahren kann ein weiterer Ansatz im Schmuck beobachtet werden. In zeitgenössischen Arbeiten einer jungen Künstlergeneration hat sich der Schmuck weitgehend aus der Selbstreflexion gelöst. Stattdessen wird Schmuck direkt als Instrument zum gesellschaftlichen Diskurs verwendet. Themen wie Ökologie, Konsumgesellschaft oder Feminismen werden direkt durch das Medium Schmuck ausgedrückt“, erklärt Pontoppidan. Zur Ausstellung erscheint bei Arnoldsche Art Publishers eine umfassende Publikation. (Schmuckismus. Die Neue Sammlung – The Design Museum, Pinakothek der Moderne, München. 16. März – 16. Juni 2019)

Der DAM PREIS rückt die besten bauten Deutschlands in den Fokus. Zum Wettbewerb, den 2019 gmp – Architekten (Gerkan, Marg u. Partner) für den Umbau und die Modernisierung des Kulturpalasts Dresden gewonnen haben, läuft die begleitenden Ausstellung, die die 25 besten Bauten in/aus Deutschland präsentiert. Zur Ausstellung des Deutschen Architekturmuseums (DAM) in Frankfurt über aktuelle, bemerkenswerte Bauwerke deutscher Architekturbüros ist auch das Deutsche Architektur Jahrbuch 2019 bei DOM publishers erschienen. (DAM PREIS 2019 – Die 25 besten Bauten in/aus Deutschland. Deutsches Architekturmuseum in Frankfurt, noch bis zum 22. April 2019)

Das Vitra Design Museum widmet Anton Lorenz eine Ausstellung im Schaudepot. Der Unternehmer und Designer ist eine zentrale Figur in der Entwicklung von modernen Stahlrohrmöbel, ein Material, das die Ideale des Bauhauses exemplarisch verkörpert. Lorenz hat Möbel entworfen, Patente angemeldet und Firmen gegründet. Gezeigt werden auch Möbel von Marcel Breuer, Mart Stam und Ludwig Mies van der Rohe sowie Objekte und Dokumente aus dem Nachlass von Anton Lorenz gezeigt. (Anton Lorenz. Von der Avantgarde zur Industrie. Vitra Schaudepot, noch bis 19. Mai 2019)

Die nächste große Ausstellung beginnt im Vitra Design Museum am 30. März und präsentiert den ersten indischen Pritzker-Preisträger (2018), Balkrishna Doshi mit einer Retrospektive über das Gesamtwerk. In den letzten sechs Jahrzehnten hat Doshi an die 100 Projekte umgesetzt und gilt als einer der Pioniere für moderne Architektur auf dem Subkontinent. (Balkrishna Doshi. Architektur für den Menschen, Vitra Design Museum, 30. März – 8. September 2019)

HERstory ist ein Designprojekt mit Frauen unter der Leitung von Prof. Rafia Obaid Ghubash, das unter der Patronanz des Women‘s Museum in Dubai stattfindet. Dieses Aufeinandertreffen von fünf außergewöhnlichen Frauen der Vereinigten Arabischen Emirate und fünf Künstlerinnen aus den Emiraten wurde in Kooperation mit der School of Design des Polytechnikum Mailand umgesetzt und von iGuzzini unterstützt. Kuratiert wird die Schau von Anna Barbara (Polytechnikum Mailand, Senselab) und Indu Varanasi (I R Design, Dubai). Ziel war es, einen interkulturellen sowie generationenübergreifenden Dialog zu schaffen, in dem bekannte Frauen, die durch ihre Leistungen aktive Rollen in der Gesellschaft spielen und einen besonderen Status erreicht haben, vor den Vorhang gebeten werden und durch den ganz eigenen Blick der Künstlerinnen sowie mit unterschiedlichen künstlerischen Methoden noch einmal über die Geschichten dieser Frauen nachzudenken. (HERstory. Women’s Museum, Dubai, noch bis zum 31. März 2019)

Im MoMA New York wird seit Februar dem Wert von gutem Design nachgegangen. Welches demokratische Potenzial hat Design? Was haben gut designte, leistbare Produkte verändert? Beginnend bei der Good Design-Initiative des MoMA der späten 1930er Jahre bis zu den 1950ern wird die Gestaltung auch von Regierungen als Werkzeug des ökonomischen Wiederaufbaus gesehen. Vor allem technologischer Fortschritt beflügelte das Wirtschaftswunder der Nachkriegszeit. Das Museum nimmt eine globale Perspektive ein und zeigt Stücke wie den Fiat Cinquecento, ein japanisches Sony-TV-Gerät, einen bowl chair aus Brasilien oder einen Eames La Chaise. Auf Grundlage ikonischer Produkte dieser Zeitepoche stellt die Ausstellung auch die Frage, ob die Werte des Mid-Century auf die heutige Zeit übertragen werden können. (The Value of Good Design. The Museum of Modern Art, MoMA. New York, noch bis zum 27. Mai 2019)

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