Home Architecture Zukunftsprojekt in Mailand – Zentrum für Biowissenschaften

Zukunftsprojekt in Mailand – Zentrum für Biowissenschaften

von Markus Schraml

In einem zweiphasigen anonymen Architekturwettbewerb wurde der Sieger für den Bau des zentralen Gebäudes auf dem Human Technopole Campus in Mailand ermittelt. Der Gewinner heißt Piuarch. Das Mailänder Büro wurde mit der Umsetzung des 10-stöckigen Bauwerks mit einer Fläche von 19.500 m² beauftragt. Die Arbeiten sollen in drei Jahren abgeschlossen sein.

Der Wettbewerb wurde von der Human Technopole Stiftung und Arexpo ausgeschrieben. Für das neue Gebäude stehen 94,5 Millionen Euro zur Verfügung. Die Intention der Auftraggeber ist, ein neues Forschungszentrum für Italien an einem Ort konzentriert zu schaffen. Es handelt sich dabei um das Gebiet der Mailänder Expo 2015, für das der Immobilienentwickler Arexpo das Nachnutzungskonzept MIND Milano Innovation District geschaffen hat. Ein ganzer Bezirk, der der Wissenschaft, Technologie und digitalen Innovation gewidmet ist. Der Human Technopole Campus befindet sich im Herzen von MIND und das neue Gebäude wiederum im Zentrum des Campus. Das Konzept von Piuarch sieht nicht nur den Bau eines 61-Meter-hohen Turms vor, sondern auch die Einbettung und Verbindung mit den bereits vorhandenen Gebäuden: dem Palazzo Italia, dem Nord-Pavillon sowie dem Süd-Pavillon. Der Neubau wird Labors für Biochemie und Molekularbiologie, modernste wissenschaftliche Technologien wie Lichtmikroskopie, Raum für eine Erweiterung der Cryo-EM-Einrichtung von Human Technopole sowie 800 Arbeitsplätze für Forscher*innen beherbergen.

Der Geist des HT (Anm.: Human Technopole) zeigt sich bereits in dem Ansatz, den wir zur Bewältigung der derzeitigen globalen Gesundheitskrise verfolgen: Erleichterung des Datenaustausches und der Zusammenarbeit zwischen Instituten. Das neue Gebäude wird das Herzstück der wissenschaftlichen Tätigkeit des HT darstellen. Hier wird die nächste Generation von Wissenschaftlern*innen ausgebildet. Es wird das Head Quarter unserer Labors sein, in dem Forscher*innen mit unterschiedlichen Fachkenntnissen und Fähigkeiten zusammenarbeiten werden“, erklärt HT-Direktor Iain Mattaj und ergänzt: „Es wird modernste Technologien und Einrichtungen beherbergen, die mit der gesamten wissenschaftlichen Community geteilt werden, um gemeinsame Forschungsprojekte und Kooperationen mit europäischen und internationalen Instituten zu fördern.“

Die Architekten*innen von Piuarch haben das neue Gebäude in erster Linie als Treffpunkt gestaltet. Der Plan sieht vielfältige Verbindungen zwischen öffentlichen und Forschungsfunktionen vor. „Aus dieser kontinuierlichen, räumlichen Abfolge entsteht eine fließende, höchst ikonische, funktionale, anpassungsfähige sowie nachhaltige und avantgardistische Landschaft“, heißt es in der Beschreibung des Architekturbüros. Das Gebäude wird aus zwei funktionalen, flexiblen Volumina bestehen, die aus einer gemeinsamen Basis entwickelt werden, einem Mittelpunkt, einem zentralen Raum, der das Herzstück bildet und aus dem heraus sich alles andere ergibt. Die Büros und Labors sind um das Zentrum angeordnet und auf die beiden Volumina aufgeteilt. Ausgehend von einem teilweise offenen, teilweise verglasten Erdgeschoß schlängelt sich der öffentliche Raum bis hinauf ins 10. Stockwerk und kreiert dabei zahlreiche Räume zur Entspannung und als Treffpunkte.

In den Etagen eins bis neun werden Labors und Verwaltungsbüros untergebracht sein. Das 10. Stockwerk ist für Essbereiche, Schulungsräume, Sitzungssäle, Chefbüros und Terrassen sowie den Zugang zum Grünbereich reserviert. Dieser Bereich bietet mehrere Aufenthaltsplätze auf einer Reihe von Grünterrassen mit Blick nach Süden Richtung Stadtzentrum von Mailand. Dieses Dachsystem ermöglicht auch eine zuverlässige Wasserkontrolle und trägt zur Erzeugung erneuerbarer Energie bei. Dieser „grüne“ Ansatz wird durch die geplante Photovoltaikanlage unterstrichen.

Human Technopole

Human Technopole ist Italiens neues Institut für Biowissenschaften im Herzen von MIND (Milano Innovation District). Die übergeordnete Zielsetzung ist die Unterstützung von Gesundheit und Wohlbefinden der Menschen mit einem Fokus auf gesundem Altern. Nach der Fertigstellung sollen auf dem Human Technopole Campus über 1.000 Wissenschaftler*innen arbeiten. Zu den Fachbereichen zählen Biologie, Bioinformatik, Chemie, Ingenieurwesen, Physik, Mathematik, Gesundheitsforschung, Computerwissenschaften und Programmieren. Die thematische Ausrichtung zielt auf die biomedizinische Relevanz ab.

Piuarch

Das Mailänder Architekturbüro Piuarch wurde 1996 von Francesco Fresa, Germán Fuenmayor, Gino Garbellini und Monica Tricario gegründet. In der Vergangenheit setzten die Architekten*innen unterschiedlichste Projekte um: von Büros, Einzelhandelsgebäuden über Wohn- und Kulturkomplexe bis hin zu Stadterneuerungsprojekten. Besonderes Augenmerk lag dabei stets auf der ökologischen Qualität und der kontextuellen Beziehung. Das Büro wurde vor allem durch seine Kooperationen mit großen Modelabels wie Dolce & Gabbana, Gucci, Fendi und Givenchy bekannt. Gleichzeitig experimentierte Piuarch immer auch mit Sozialprojekten. Das Studio, das den „2013 Italian Architect of the Year“-Preis sowie zwei „Gold Medals for Honorable Mention“ bei der Mailänder Triennale gewann, war mehrfach bei der Architektur-Biennale in Venedig vertreten.


 

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