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150 Jahre Fritz Hansen

von Markus Schraml
Series 7 Stuhl

Der dänische Möbelhersteller Fritz Hansen feiert 2022 sein 150-jähriges Firmenjubiläum. Für die weltweite Beliebtheit skandinavischen Designs ist dieses Unternehmen entscheidend mitverantwortlich. Legendäre Entwurfsideen von Arne Jacobsen, Børge Mogensen oder Hans J. Wegner wurden bei Fritz Hansen produziert und eroberten von Allerød in Dänemark aus die Welt.

Die Geschichte begann am 24. Oktober 1872, als der talentierte Tischler Fritz Hansen seinen Gewerbeschein erhielt. Das erste bemerkenswerte Möbel entstand bereits 1878, ein schlichter Bürostuhl mit einer Rückenlehne aus Schichtholz, eine Produktionsmethode, die das Unternehmen im Lauf der Jahre perfektionieren wird. Dieses Design ist wie ein Blick in die Zukunft auf die Art von Möbel, für die Fritz Hansen später Bekanntheit erlangte. Es ist eine Gestaltungssprache, dessen Hauptmerkmale Reduktion und Einfachheit sind. Noch vor der Jahrhundertwende zog Fritz Hansen (ab 1899 übernimmt Sohn Christian E. Hansen die Geschäfte) so wichtige Aufträge an Land wie die Ausstattung des dänischen Parlaments oder des Kopenhagener Rathauses.

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Holzbiegen unter Dampf

Ein weiterer Meilenstein war die Einführung der Technik des Dampfbiegens von Holz (1910 – 20er-Jahre), für die Fritz Hansen schließlich die Exklusivrechte von Thonet für den skandinavischen Markt erhielt. Einen weiteren starken Einfluss aus dem deutschsprachigen Raum hatte das Bauhaus. So bringt Fritz Hansen Anfang der 30er-Jahre die ersten dänischen Stahlrohrmöbel heraus. Sehr wichtige Kooperationspartner für Poul Fritz und Søren Christian Hansen waren dabei die Brüder Flemming und Mogens Lassen. Ihre Entwürfe wurden nicht unwesentlich von Mies van der Rohe beeinflusst. Ebenfalls in dieser Zeitperiode begann die wohl wichtigste Zusammenarbeit Fritz Hansens mit einem Designer. 1934 entstand der Klampenborg Stuhl von Arne Jacobsen. Dieses Projekt für das Restaurant Bellevue Theatre in Klampenborg markierte den Beginn einer lebenslangen, sehr erfolgreichen Partnerschaft.

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Die goldene Ära

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg spielte Fritz Hansen eine zentrale Rolle auf dem Weg des weltweiten Erfolgs dänischen Designs. Stühle, die heute als Ikonen des Unternehmens gelten, sind vor allem in den 1950er-Jahren entstanden. Der Ant™ Stuhl von Arne Jacobsen. Der erste Stuhl, bei dem Sitz und Rückenlehne aus einem Stück Furnierholz gefertigt sind (1952), der berühmte Series 7™ Stuhl ebenfalls von Arne Jacobsen (1955) oder der Egg™ Sessel von Jacobsen (1958). Das von Jacobsen als Gesamtkunstwerk entworfene SAS Royal Hotel, das 1960 eröffnete, umfasste weitere Möbelikonen des Designers: die Sessel Swan™ und Pot™, den Drop™ Stuhl, das Swan Sofa™ sowie die Serie 3300™. All diese Entwürfe sind von der Bauhaus-Bewegung beeinflusst. Fritz Hansen Design- und Markenbotschafter Christian Andresen bezeichnet Jacobsen sogar als „a true Bauhaus guy“.

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Weit weniger berühmt als Jacobsen oder Verner Panton, von dem Fritz Hansen ebenfalls einige Möbel produzierte, ist Poul Kjærholm, der Anfang der 1950er-Jahre nur für ein Jahr mit Fritz Hansen kooperierte. Selbstbewusst meinte er damals, sein Entwurf PK0 wäre besser als Jacobsens Ant. Das Unternehmen entschied sich für Jacobsens Design und gegen Kjærholms Arbeit, was zum Bruch führte. Christian Andresen meint allerdings, dass dieser Entwurf des talentierten Designers zu jener Zeit einfach zu kompliziert gewesen sei, um ihn herzustellen. 1982 erwarb Fritz Hansen die Poul Kjærholm-Sammlung.

Sonder-Editionen im Jubiläumsjahr

Ab den 2000er-Jahren begann Fritz Hansen mit neuen jungen und etablierten Designern zusammenzuarbeiten. Unter anderem mit Kasper Salto, Cecilie Manz, Jamie Hayon, nendo, Ahm & Lund sowie Piero Lissoni. Zum Jubiläumsjahr bringt Fritz Hansen eine Reihe ausgewählter Stücke in Jubiläumseditionen heraus – mit besonderen Stoffen, Farben und Materialien. Dazu gehören neue Versionen von Arne Jacobsens Serie 7™, die Sessel Egg™ und Swan™, der Lilly™ Stuhl sowie der PK61™ Tisch von Kjærholm aus norwegischem Marmor. Darüber hinaus gibt es eine ganz neue Markteinführung: Der PK0 A™ Stuhl und PK60™ Tisch wurden 1952 von Poul Kjærholm als Paar entworfen. Der Tisch fand bislang allerdings nie den Weg in die Produktion. Nun sind sie zwei würdige Repräsentanten im Rahmen des Firmenjubiläums.

„In ihrer gemeinsamen Formensprache interpretieren diese Stücke nordischen Lebensstil mit international gültiger Methodik: dezent, ästhetisch, elegant und ganzheitlich. Unsere Firmengeschichte erzählt von exquisitem Design, das auf Grundlage von Handwerkskunst und Innovation entsteht. Die Jubiläumsdesigns vermitteln die ungebrochene Aktualität aller Stücke“, ist Fritz Hansen CEO Josef Kaiser überzeugt.

Fritz Hansen heute: Fred™ Sessel von Jamie Hayon, Pouf von Cecilie Manz, Stub™ Tisch von Mette Schelde und Kaiser idell™ Leuchten von Christian Dell, 2000er-Jahre. © Fritz Hansen

Die zentralste Veranstaltung in diesem Jahr wird nach der Verschiebung des Mailänder Salone die 3daysofdesign in Kopenhagen sein, die übrigens auf 15. – 17. Juni verschoben wurden, um der Kollision mit dem neuen Termin des Salone auszuweichen. Dort soll das 150-jährige Bestehen ausgiebig gefeiert werden. Am Beginn des Jubiläumsreigens steht eine überarbeitete Ausgabe des Bildbands IN PERFECT SHAPE. In brandneuem Layout werden in dem Coffee Table Book inspirierende Wohn- und Büroräume, die neuesten Designs und Kooperationen sowie ein aktualisiertes Kapitel zur Markengeschichte von Fritz Hansen präsentiert. (Erscheint bei teNeues)


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