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An der Grenze von Design und Kunst – Design Miami/ 2021

von Markus Schraml
Tomorrow Land, Design Miami/ 2021

Die 17. Ausgabe der Design Miami/ ging mit über 40 Ausstellern, einem umfangreichen Talks-Programm sowie Kooperationen und Außenstationen erfolgreich über die Bühne. Von 1. bis 5. Dezember trafen sich Kunstexpert*innen und designinteressierte Sammler*innen in Miami Beach oder verfolgten die Veranstaltung online. Gleich zu Beginn wurden die Preisträger*innen der Design Miami/ 2021 Awards bekannt gegeben.

Als beste Galerie-Präsentation wurde „Southern Guild“ aus Kapstadt ausgezeichnet. Die Galerie ist ein Pionier für Sammlerdesign in Afrika und widmet sich den herausragendsten Designer*innen in Südafrika. 2008 von Trevyn und Julian McGowan gegründet hat „Southern Guild“ einen beträchtlichen Anteil daran, typisch afrikanisches Design von globaler Relevanz bekannt gemacht zu haben. Die beste Ausstellung im Bereich des „Curio“-Programms lieferte „ATRA“ aus Mexiko-Stadt. Es ist sowohl ein Designstudio als auch eine Galerie und hat sich auf Möbel zum Sammeln und luxuriöse Interieurs spezialisiert. Der Name des Studios ist eine Variation des schwedischen Wortes åtrå (Verlangen).

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Für die beste historische Arbeit erhielt die R & Company aus New York einen Award. Und zwar für die „Chest of Drawers“ von Wendell Castle aus dem Jahr 1962. Auffällig ist, dass Castle hier eine Kommode in Midcentury-Form mit schlangenförmigen Tentakeln durchdringt. Einerseits wirkt es wie eine biomorphe Bedrängung, andererseits könnte man es auch als eine Art Befreiung von der orthodoxen Moderne interpretieren. Es war eines der ersten Stücke von Castle, das in den Werkstätten von RIT (School of American Craftsmen) hergestellt wurde.

Für die beste historische Arbeit erhielt die R & Company aus New York einen Award. Und zwar für die„Chest of Drawers“ von Wendell Castle aus dem Jahr 1962. © James Harris

Als beste zeitgenössische Arbeit erhielt „Halo“ von Bradley Bowers eine Auszeichnung. Die leuchtenden Papierskulpturen, die Bowers kunstfertig per Hand faltet, waren bei The Future Perfect ausgestellt, einer der wichtigsten Galerien für zeitgenössisches Design, die 2003 von David Alhadeff gegründet wurde. Bowers bezeichnet seine Halos als Laternen: „Jede Laterne stellt eine Erforschung von Balance dar. Die gewellten und weichen gerollten Falten stehen dem Licht aus dem Inneren entgegen, aber harmonieren auch mit ihm“, erklärt Bowers.

Als beste zeitgenössische Arbeit erhielt „Halo“ von Bradley Bowers eine Auszeichnung. Die leuchtenden Papierskulpturen faltet Bowers kunstfertig per Hand. © Bradley Bowers

Talks, Talks, Talks

Bradley Bowers nahm auch an einem der vielen Talks teil. Er sprach mit Künstlerin/Designerin Bari Ziperstein und Jean Lin (Colony) über Möglichkeiten und Perspektiven in der zeitgenössischen kreativen Landschaft. Oder Yves Béhar, Germane Barnes und andere diskutierten darüber, wie Designer eine Vision für eine nachhaltigere Zukunft mit den Mitteln der Technologie entwickeln können. Eine ganze Reihe von Gesprächen fand unter dem Motto „15 Minutes on Design and Human Kind“ statt. Dabei kamen vor allem Designer*innen zu Wort. Etwa Alex Proba (Studio Proba) und Ian Coyle (Enjoy the Weather), die über ihre Installation „Tomorrow Land“ sprachen, einer Arbeit, in der die physische mit der digitalen Welt auf spielerische Art verbunden wird. Oder Design Miami/-Chefkuratorin Wava Carpenter, die mit Katharina Mischer und Thomas Traxler (mischer’traxler) über deren jüngste Arbeit für Perrier-Jouët diskutierte. Wie schon in früheren Projekten geht es dem Wiener Designstudio auch diesmal um das Verhältnis von Mensch und Natur.

Die Verbindung allen Lebens

Die neue interaktive Installation von mischer’traxler trägt den Titel „Embodied nature“ und zielt auf die Sensibilisierung der Besucher*innen für das Leben der Natur ab. Es werden mehr als 100 Arten aus aller Welt künstlerisch dargestellt. Das Spektrum reicht von Pflanzen, Blumen und Vögeln über kleinere Tiere, die im Boden leben und schließlich auch Mikroben und Bakterien, die mit bloßem Auge nicht sichtbar sind. Alles Spezies werden von mischer’traxler allerdings im selben Maßstab gezeigt, wobei den sonst unsichtbaren Arten besondere Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Damit soll die Gleichberechtigung und Wichtigkeit innerhalb des Ökosystems betont werden. Wenn sich die Besucher*innen den Regalen mit den Ausstellungsstücken nähern, sehen sie sich selbst an der Wand wie in einem Spiegel. Allerdings ist es kein Abbild, sondern ihre Silhouette besteht aus unterschiedlichen anderen Arten. Dieser poetische „Trick“ evoziert eine Veränderung des Bewusstseins hin zu der Erkenntnis, dass jeder/jede von uns ein Teil der Natur ist und der Mensch nicht außerhalb von ihr steht.

Die neue interaktive Installation von mischer’traxler für Perrier-Jouët „Embodied nature“ zielt auf die Sensibilisierung der Besucher*innen für das Leben der Natur ab. Die Silhouetten-Abbilder werden aus unterschiedlichen Spezies gebildet. Spielerisch und zum Nachdenken anregend. © mischer’traxler

Shantell Martin trifft Camaleonda von Mario Bellini

Wie kaum eine andere Veranstaltung steht Design Miami/ für das Zusammentreffen von Kunst und Design. Ein schönes Beispiel dafür ist die Kooperation zwischen B&B Italia und der britischen, in New York lebenden Künstlerin Shantell Martin. Sie ist bekannt für ihre Schwarz/Weiß-Zeichnungen und nahm sich das ikonische Camaleonda Sofa (Mario Bellini, 1970) vor, um es im Rahmen einer Live-Performance künstlerisch umzugestalten. Die Aktion fand im B&B Italia Flagshipstore im Design District von Miami statt. Ganz dem Namen des Sofas entsprechend – Camaleonte bedeutet Chamäleon – verschmolz das Möbelstück am Ende der Performance mit dem ebenfalls von Martin gestalteten Hintergrund des Schaufensters.

Shantell Martin stattete das Camaleonda Sofa von Mario Bellini in einer Live-Performance mit ihren typischen Schwarz/Weiß-Zeichnungen aus. © Getty Images, Foto: Eugene Gologursky

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