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Beste Holzbauten in Großbritannien – Wood Awards 2021

von Markus Schraml
Gold Award, Wood Awards 2021

Die Gewinner*innen der diesjährigen Wood Awards wurden im The Building Centre in London bekannt gegeben. Sechs Gebäude bzw. Innenausbauten und zwei Produktdesigns erhielten eine Auszeichnung. Das unabhängige Jury-Team besuchte alle Bauwerke der Shortlist (19) vor Ort, um sich ein genaues Bild zu machen. Auch die Produkte (11), die es in die engere Auswahl geschafft hatten, wurden IRL (in real life) begutachtet.

Die Wood Awards wurden 1971 ins Leben gerufen und sind der führende britische Wettbewerb für außergewöhnliche Leistungen in den Bereichen Architektur und Produktdesign aus Holz. Der Wettbewerb ist frei zugänglich. 2021 wurde der Preis in neun Kategorien verliehen. Innerhalb der insgesamt acht Preisträger gibt es einen Doppelsieger, denn der Gewinner der „Building & Public Sector“-Kategorie erhielt gleichzeitig den Hauptpreis, den Gold Award.

Gold Award

Für die Jury unter Vorsitz von Jim Graves (Hopkins Architects) verdiente das Projekt „Magdalene College Library“ den Gold Award. Dabei handelt es sich um die erste wesentliche Ergänzung in dieser Bildungseinrichtung seit über 50 Jahren. Die neue Bibliothek besteht aus einer Reihe miteinander verbundener Räume mit Bücherregalen, Lesetischen und Galerien, die auf einem Schottenraster zwischen miteinander verbundenen Durchgängen verteilt sind. Die Anordnung einfacher Backsteinvolumen mit Holzfenstern und Schrägdächern spiegelt die Giebelarchitektur des bestehenden Colleges wider.

Die drei Hauptlesesäle geben den Weg durch die neue Bibliothek im Magdalene College vor, von der Eingangshalle über einen zentralen Lesesaal bis hin zu einem langen Raum mit Blick in den Garten. Foto © Nick Kane

„Der diesjährige Gewinner des Gold Awards, die Magdalene College Library, ist eine Tour de Force der architektonischen Gestaltung und Leistung“, kommentiert Jim Graves. „Die sehr schönen, unterschiedlichen Räume und Formen führen die Besucher*innen durch das Gebäude. Ziegel, Holz und Stein wurden mit einem tiefgehenden Verständnis ihrer intrinsischen Qualitäten exquisit gestaltet. Ein wirklich herausragendes Gebäude.“ Die drei Hauptlesesäle geben den Weg durch die Bibliothek vor, von der dreigeschossigen Eingangshalle über einen zweigeschossigen zentralen Lesesaal bis hin zu einem langen eingeschossigen Raum mit Blick in den Garten. Die Innenräume wurden mit einer Struktur aus Brettschichtholz und Brettsperrholz ausgestattet, die auf einem tragenden Mauerwerk sitzt und mit Regalen und Tischen aus Eichenholz bestückt ist. Alle wesentlichen Merkmale sollen als ineinander verwobene Elemente wahrgenommen werden.

Belfaster Fachwerk

Der Gewinner der Kategorie „Small Project“ befindet sich in Belfast und nimmt Bezug auf die verlorengegangene industrielle Struktur der nordirischen Stadt. Es ist allerdings kein wehmütiger Blick zurück, sondern ein Hinweis auf die aufstrebenden Bauinnovationen in Nordirland und ein Beitrag zur lokalen Wirtschaft. Der „Built East Pavillon“ besteht aus drei Elementen, die jeweils in einer Fabrik vor Ort hergestellt wurden. So konnten maßgeschneiderte Bauteile geschaffen und schnell montiert werden, nachdem sie im Werk vorproduziert und getestet wurden. Das fast vergessene Belfaster Fachwerk konnte damit wieder ins Leben zurückgerufen werden.

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Es lebe das Dorfleben

„The Alice Hawthorn“ gewinnt in der Kategorie „Commercial & Leasure“. Es ist ein schönes Beispiel, wie Projekte in Dorfgemeinschaften umgesetzt werden können und dem Dorfleben damit ein positiver Schub gegeben wird. In Nun Monkton war der letzte verbliebene Pub in Gefahr. Um dem Verlust entgegenzuwirken, entstand ein gemeinschaftliches Projekt. Der Pub wurde um zwölf Gästezimmer ergänzt, von denen acht vollständig in Holzrahmenbauweise gestaltet wurden. Die Zimmer sind um einen neuen Innenhof angeordnet.

Wiederbelebung eines Dorfes von De Matos Ryan in North Yorkshire. Foto © HuftonCrow

Holz-Innenausbau

„Ich war beeindruckt von den vorsichtigen Eingriffen, die aber der Lagerhauswohnung eine neue Identität verliehen haben. Das Projekt steht als Beispiel für die fortgesetzte Nutzung einer langlebigen, aber kohlenstoffintensiven Ziegel- und Betonkonstruktion, die durch eine hochwertige Holzinnenausstattung verbessert wurde“, sagt Jurymitglied Jonas Lencer über den Sieger in der Kategorie „Interiors“. Das „St. John Street“-Apartment wurde als warmes, einladendes Zuhause neu konzipiert, wobei der industrielle Charakter des Gebäudes beibehalten wurde. Eine Reihe zeitgemäßer Interventionen heben den Raum von der bestehenden Bausubstanz ab. Die Wohnung öffnet sich direkt in den rechteckigen Bibliotheksraum, der vollständig mit massivem Eichenholz ausgekleidet ist.

Apartment St. John Street in London von Emil Eve Architects. © Emil Eve Architects

Structural Award“ für Bau in Manchester

Das „Welcome Building“ befindet sich im neuen RHS-Garten auf dem Gelände der 154 Hektar großen Worsley New Hall. Das Zentrum fungiert als Tor zu den Gärten und bietet einen Treff- und Interaktionspunkt. Es gibt ein Restaurant, einen Souvenirladen, Büros und Ausbildungsräume. Der Entwurf ist eine langgestreckte Komposition – wie ein Strich in der Landschaft – die auf einen vorgegebenen Horizont reagiert, der durch den erhöhten Bridgewater-Kanal und die tiefer liegende Landschaft definiert wird. „Ein wichtiger öffentlicher Neubau, in dem die detailreiche Holzkonstruktion das Herzstück der Architektur bildet. Diese Lösung sorgt für die nötige Weite und Offenheit und schafft gleichzeitig einen warmen sowie dramatischen Innenraum“, sagt Juror Andrew Lawrence.

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Ein Bootshaus in Devon

Der Gewinner der „Private“-Kategorie „The Boathouse“ in Devon fungiert als Familienwohnsitz, der gut in die Schönheit der natürlichen Umgebung passt. Natürliche Materialien stehen im Mittelpunkt des Projekts und werden durchgängig verwendet. Die Geometrien und Materialien kommen auf verschiedenen Etagen unterschiedlich zur Geltung. Aufgrund der Hanglage werden im oberen Bereich mit Hand bearbeitetes Holz verwendet, während im unteren Bereich Stein vorherrscht „Ein fabelhaftes handgefertigtes Haus mit einer wunderbaren Geschichte. Die Verwendung lokaler Materialien, mit Ausnahme der beiden kanadischen Fichten, und die lokale Arbeit, die vom Eigentümer beaufsichtigt wurde, einem Handwerker mit Liebe zum Detail und einer strengen Herangehensweise, machen dies zu einem würdigen Gewinner“, kommentiert Jurorin Kirsten Haggart.

Das „Boathouse“ ist Sieger in der Kategorie „Private“. Architektur: Adams Collingwood Architects. © Jim Stephenson

„Es ist beruhigend zu sehen, dass Holz zu einem so etablierten Baumaterial geworden ist und Gestalter zunehmend sein kohlenstoffarmes, biophiles und regeneratives Potenzial zu schätzen wissen“, sagt Jim Graves über die verstärkte Verwendung von Holz im Bauwesen.

Möbel und Produkte aus Holz

Die beiden in der Möbelkategorie ausgezeichneten Produkte sind einerseits ein innovativer Raumteiler aus Holz und andererseits das neueste Stuhldesign von Jasper Morrison. „Gayles Farm 5“ ist ein Raumteiler, der die Auseinandersetzung des Designers Wycliffe Stutchbury mit textilen Techniken und Eigenschaften bei der Verwendung von Holz repräsentiert. Das Stück hat ein fließendes Aussehen und besteht aus Tausenden kleiner Eichenfliesen, die auf einen offen gewebten Baumwollkörper geklebt sind und eine Art Vorhang bilden. Dieser Vorhang ist an einem aufklappbaren, dreiteiligen Eichenrahmen mit Hanfseil und Klampen aufgehängt. Die Fliesen wurden aus weggeworfenen Eichenfeldzäunen geschnitten. Die Vielfalt der Farben und Texturen erklärt sich aus der unterschiedlichen Reaktion des Holzes auf die Verwitterung. „Stutchbury hat Textiltechniken unter Verwendung von Holz erforscht und der resultierende Vorhang ist sowohl sinnlich als auch verführerisch und zeigt Bewegung sowie Zartheit, nicht unbedingt Eigenschaften, die mit der Verwendung von Holz verbunden werden“, meint Corinne Julius, die Vorsitzende der Produkt-Jury des Wood Awards 2021.

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Zum zweiten Gewinner dieser Kategorie, dem Iso-Lounge Chair von Jasper Morrison für Isokon+, meint Julius, dass dieser Stuhl ohne Zweifel das Zeug zu einem Klassiker hat. Für den Freischwinger aus Sperrholz kam eine hochtechnologische Fertigung zum Einsatz. Im Lauf eines Jahres wurden mehr als vier vollständige Prototypen sowie viele Prototypen-Abschnitte hergestellt, um ein Objekt zu schaffen, das eine möglichst gute Unterstützung und maximalen Komfort bietet. Wo der Stuhl stabil sein musste, wurden mehr Schichten Furnierholz verwendet, wo er sich biegen muss, gibt es weniger Schichten.

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Bis zum 3. Dezember ist im The Building Centre in London noch die Ausstellung der Shortlist-Projekte des Wood Awards 2021 zu sehen.


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